Bundeswettbewerb der Brauer : Hopfen und Malz ist nicht verloren

In Potsdam fand der bundesweite Wettbewerb der Jungbrauer statt. Ein Brandenburger war Favorit - aber der Sieg ging in ein anderes Bundesland. 

Jungbrauer und -mälzer Paul Könnecke (r), Brandenburgs Landessieger, und ein Prüfer beim Bundeswettbewerb der Brauer und Mälzer in der Braumanufaktur Forsthaus Templin. Hier wird gespindelt und mit einem Saccharometer der Zuckergehalt festgestellt.
Jungbrauer und -mälzer Paul Könnecke (r), Brandenburgs Landessieger, und ein Prüfer beim Bundeswettbewerb der Brauer und Mälzer in...Fotos: Sebastian Gabsch/PNN

Der Heimvorteil nützte nur ein wenig: Beim Bundeswettbewerb der Handwerkerjugend um den Titel des besten Nachwuchsbrauers/Mälzers in Potsdam ging der Sieg nach Bayern, und nicht an den Brandenburger Favoriten. Titelverteidiger Paul Könnecke, der in der Braumanufaktur Forsthaus Templin den Beruf erlernt hatte, wurde am Montag immerhin Zweiter. Gewonnen haben sie eigentlich alle, sagte Herbert Meier, Geschäftsführer vom Verband Private Brauereien Bayern. Meier war einer der drei Prüfer im Wettbewerb. „Das Ergebnis ist äußerst knapp, es ging um Zehntelpunkte“.

Dass der vom Verband organisierte Wettbewerb nicht im Bierland Bayern stattfand, wo sich mehr als die Hälfte aller Privatbrauereien Deutschlands, 650 von 1200, befinden, sondern im Norden, lag am Titelverteidiger. 2017 holte ein Brandenburger den Titel: Malte Paschke hatte ebenfalls in der Braumanufaktur gelernt, eine von etwa 30 Brauereien im Bundesland.

"Das Bier hier kann man sogar als Franke trinken"

 Aber trotz der geringen Dichte: Brandenburg ist keine Diaspora mehr. „Das Bier hier ist gut, das kann man sogar als Franke trinken“, sagte der frisch ausgezeichnete Brauer Dippold nach der Siegerehrung.

Der 20-Jährige kam über verschiedene Praktika zum Beruf und arbeitet zur Zeit als Junggeselle in der Brauerei Wagner in Memmelsdorf-Merkendorf in Oberfranken. In etwa einem Jahr will er seinen Meister machen. 

Die Qualität der Ausbildung in diesem Beruf ist in kleinen Handwerksbetrieben insgesamt sehr gründlich und umfänglich, sagt Jörg Kirchhoff, Mitinhaber der Bio-Braumanufaktur und Mitglied der Prüfungskommission der Handwerkskammer Potsdam (HWK). Man kann den Beruf auch in einer Industriebrauerei lernen. „Aber hier sieht, riecht und schmeckt man seine Arbeit“, sagt Paul Könnecke. „Man erlebt alle Stufen der Bierherstellung und hat das auch alles selbst in der Hand.“

Der stolze Sieger Sebastian Dippold. 
Der stolze Sieger Sebastian Dippold. Foto: Sebastian Gabsch/PNN

In Brandenburg gibt es keine Bio-Mälzerei

Neben Könnecke und Dippold gab es zwei weitere Teilnehmer, Jakob Hampel aus Sachsen und Remi Geffroy aus Baden-Württemberg. Dass es so wenige sind, liege daran, dass nicht jedes Bundesland seinen Landessieger schickt, sagte Ines Weitermann von der HWK Potsdam, und nicht jeder hat nach Gesellenprüfung gleich wieder Lust auf eine weitere. Zudem müssen die Teilnehmer unter 28 Jahre alt sein. Bisweilen kommen die jungen Männer allerdings über Umwege zu dem Beruf. Auch Könnecke studierte zunächst Biochemie, bevor er sich entschied, in einen Handwerksberuf zu wechseln und im Forsthaus Templin seine Lehre machte. Demnächst möchte für ein Jahr ins Ausland gehen. „Kanada wäre schön“, sagt der Zweitplatzierte.

Wer in Brandenburg Brauer lernt, ist häufiger unterwegs, sagt Kirchhoff. Der Beruf ist in zwei Felder gesplittet. Der Mälzer veredelt das Getreide zu Malz, der Brauer verarbeitet dieses weiter zum Bier. In der Braumanufaktur wird nur gebraut, das Malz aus Bayern eingekauft, weil es in Brandenburg keine Biomälzerei gibt. „Unsere Azubis gehen deshalb im zweiten Lehrjahr nach Bayern und außerdem im dritten Lehrjahr für einen Austausch nach Dänemark“, sagt Kirchhoff.

Der Beruf ist begehrt

Der Beruf ist begehrt, auf einen Platz kommen in Brandenburg drei bis vier Bewerber. Mädchen sind selten. „Das ist schon ein körperlich harter Beruf, man muss auch mal Säcke schleppen“, sagt Kirchhoff. Größere Ausbildungsbetriebe sind die Klosterbrauerei Neuzelle GmbH und die Brauerei Fürstlich Drehna.

Die gestrige Prüfung fand an mehreren Stationen statt. In der Filtration und Abfüllung ging es unter anderem um Hygiene, hier roch es streng nach heißer Natronlauge. In Gärkeller und Lagerhalle, das Thermometer zeigte vier Grad plus und der Atem war als Wölkchen sichtbar, wurden Proben in kleinen Flaschen untersucht. 

An der Station Rohstoffe wurde das Wissen um Getreidesorten, Hopfen und Malz getestet und beim sogenannten Spindeln die Dichte bestimmt: „ Je mehr Auftrieb das Saccharometer hat, desto größer die Dichte, desto mehr Zucker und Alkohol ist drin“, erklärt Könnecke. Sinkt der Glaskolben in der Probe, ist das Bier noch zu dünn.

"Jede Ernte ist anders"

Die Jungbrauer stimmen überein, zum Brauen eines guten Bieres und für den Beruf überhaupt braucht es Leidenschaft, Liebe und viel Wissen. „Hygiene, ein gutes Rezept und eine gute Umsetzung“, sagt Remi Geffroy. „Jede Ernte ist anders, die Gerste wächst im Sommer mal so, mal so, und trotzdem soll das Bier immer gleich gut schmecken.“ Da haben es die Winzer leichter, finden die Brauer, die deklarieren einfach ihren besonderen Jahrgang.

Muss man als Brauer auch ständig Bier trinken? Im Grunde ja, aber: „Klebe nicht am Becher, sondern trinke mit Maß“, zitieren die Gesellen beinahe im Chor einen alten Spruch. Und nach der Prüfung tut es auch ein naturtrüber Apfelsaft der Braumanufaktur von der Streuobstwiese. „Schmeckt super“, sagt Jakob Hampel.