• Bundestagswahl in Potsdam: Norbert Müller tritt für die Linke an

Bundestagswahl in Potsdam : Norbert Müller tritt für die Linke an

Der Direktkandidat der Genossen steht fest: Am Samstag setzte sich der bisherige Bundestagsabgeordnete gegen zwei Mitbewerber durch.

Norbert Müller.
Norbert Müller.Foto: dpa

Potsdam - Potsdams Linke setzt auf Kontinuität: Norbert Müller wird für die Genossen wieder bei der Bundestagswahl 2021 um das Direktmandat in der Region Potsdam kämpfen. Bei einer Parteiversammlung am Samstag - cononabedingt auf den Rängen des Karl-Liebknecht-Stadions - setzte sich der 34-Jährige deutlich gegen seine Kontrahenten Ronald Pienky und Stefan Roth durch. Müller erreichte gleich im ersten Wahlgang 91 Stimmen, das waren rund 57,5 Prozent der Stimmen. Pienky, der 51-jährige Ex-Staatssekretär im brandenburgischen Justizministerium, bekam 51 Voten. Er galt als Kandidat der lange sehr einflussreichen Linken wie dem Potsdamer Urgestein Hans-Jürgen Scharfenberg. Der mittelmärkische Aspirant Stefan Roth, Mitglied des Landesvorstands der Partei, holte 14 Stimmen. Drei Genossen gaben ungültige Voten ab. 

Müller hielt eine kämpferische Rede

Müller gehört zum linken Flügel der Partei. Im Bundestag ist er der Vorsitzende der Kinderkommission. Für Kritik hatte in der Vergangenheit mehrfach gesorgt, dass Müller sich für die vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestufte Rote Hilfe einsetzt. In Potsdams Kreisverband gilt er als gut vernetzt, zumal seine Frau Tina Lange auch Stadtverordnete und Mitglied im Kreisvorstand ist. Beide wohnen in Fahrland. 

In seinem den PNN vorliegenden Redemanuskript rief Müller zur Eindämmung des Rechtsrucks in der Gesellschaft auf: "Dem Ellenbogen setzen wir die Solidarität entgegen." Als positives Beispiel nannte er zum Beispiel die Fanszene des SV Babelsberg 03 und die Vereinsarbeit für Geflüchtete. "Wir Linken werden vor alten und neuen Nazis nicht weichen", so Müller. Daher müsse die Linke auch die politische Kraft sein, bei der Antifaschisten Anschluss und Unterstützung fänden. Zugleich rief er seine Partei auf, im Wahlkampf trotz jüngster Wahlniederlagen nicht zu verzagen: "Eine trauernde Partei wählen die Menschen nicht." Man müsse sich als "konsequente Friedenspartei" zeigen und "offensiv die Verteilungsfrage" stellen, "anstatt nur soziale Almosen gewähren zu wollen". Und weiter: "Gerade weil wir das Klima retten wollen, sagen wir: Der Kapitalismus muss überwunden werden." Seine Genossen beschwor er auch: "Wenn wir wollen, dass die herrschenden Verhältnisse überwunden werden, die die Armut zugunsten des Reichtums vergrößern, die die Welt unsicher und unfriedlich machen und die die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit zerstören - dann müssen wir mehr werden." Er wolle sich für Kinderrechte im Grundgesetz einsetzen und für eine Kindergrundsicherung gegen Kinderarmut eintreten. 

Prominente Gegner erwartet

Müller wird voraussichtlich gegen prominente Bundespolitiker in den Wahlkampf ziehen - so will Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in Potsdam ebenso antreten wie Grünen-Bundeschefin Annalena Baerbock. Beide müssen noch von den Gremien ihrer Partei offiziell bestätigt werden. Bei der CDU ist um die Kandidatur ein Machtkampf entbrannt - das Duell zwischen der Landtags- und Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig und dem Potsdamer Kreischef Götz Friederich wird am am 26. September bei einer Mitgliederversammlung im Vulkan des Filmparks Babelsberg entschieden. Dies gilt auch als Richtungsentscheidung für die Potsdamer CDU, weil Ludwig für einen deutlich nationaleren Kurs ihrer Partei steht.

Die Ergebnisse 2017

2017 hatte die SPD im Potsdamer Wahlkreis 61 ihr einziges Direktmandat in Ostdeutschland gewinnen können - mit Manja Schüle, die 26,1 Prozent holte. Ihre CDU-Rivalin Saskia Ludwig kam auf 24,9 Prozent, Linke-Mann Norbert Müller auf 16,5 Prozent. Die AfD hatte mit René Springer 12,3 Prozent geholt, die damals bundespolitisch noch wenig bekannte Annalena Baerbock von den Grünen erreichte damals acht Prozent. Auch Linda Teuteberg von der FDP war damals schon angetreten. Ihr Resultat: 7,5 Prozent.
Bei den Zweitstimmen lag hingegen damals die CDU mit 24,8 Prozent an der Spitze vor der SPD (18,5 Prozent), den Linken (18,1 Prozent), der AfD (13,5 Prozent), den Grünen (9,8 Prozent) und der FDP (9,2 Prozent).

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