• Bundestagswahl 2017: Freud und Leid für SPD und CDU

Bundestagswahl 2017 : Freud und Leid für SPD und CDU

Direktkandidatin Saskia Ludwig gibt der CDU eine Mitschuld an ihrer Niederlage im Potsdamer Wahlkreis. Die AfD verdoppelt in Potsdam ihren Stimmenanteil. Manja Schüle einziger Lichtblick für die SPD in Brandenburg.

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25.09.2017 00:01

Potsdam - Direktmandat gewonnen, dafür dramatische Verluste bei den Zweitstimmen, meilenweit hinter der CDU und nur hauchdünn vor den Linken: Für die Potsdamer SPD lagen Freud und Leid am Wahlabend sehr dicht beieinander. Doch auch die CDU hatte wenig Grund zum Jubeln. Trotz Verlusten gegenüber 2013 langte es zwar für den Sieg beim Zweitstimmenanteil, dafür ging das vor vier Jahren erstmals gewonnene Direktmandat wieder an die SPD. Eitel Sonnenschein herrschte hingegen bei der AfD, denn im Potsdamer Wahlkreis erreichten die Rechtspopulisten einen Stimmenanteil, der noch über dem Bundesschnitt lag. Starke Gewinne gab es nach dem historisch schlechten Abschneiden 2013 diesmal für die FDP, auch die Grünen konnten leicht zulegen. Die Wahlbeteiligung lag mit 79,1 Prozent deutlich höher als vor vier Jahren (74,4 Prozent).

Eines zeichnete sich bereits relativ früh ab: Das von vielen prognostizierte Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU-Direktkandidatin Saskia Ludwig und ihrer SPD-Kontrahentin Manja Schüle war relativ schnell entschieden. Schüle, die zum ersten Mal für den Bundestag kandidierte, gewann das Direktmandat mit 26,1 Prozent der Stimmen, Ludwig kam lediglich auf 24,9 Prozent. Da sie nicht über die Landesliste abgesichert ist, hat sie den Sprung in den Bundestag damit verpasst (PNN haben über den Wahlabend ausführlich im Live-Blog berichtet).

Dass die CDU das Direktmandat, das vor vier Jahren Katherina Reiche sensationell gegen Andrea Wicklein (SPD) gewonnen hatte, nun wieder abgeben musste, lag wohl vor allem an der Person Ludwig selbst. Die wegen ihres national-konservativen Stils und diverser Liebäugeleien mit der AfD auch innerparteilich umstrittene 49-Jährige verprellte auch viele Stammwähler der Union – und ließ sie ihr Kreuz diesmal bei der SPD machen. Nicht einmal in Golm, ihrem Wohnort, konnte sie sich gegen Schüle durchsetzen. Hinzu kommt: Vor vier Jahren ging die Wahl für die SPD nicht in der Landeshauptstadt, sondern im Potsdamer Umland verloren, Werder (Havel) und Teltow gaben den Ausschlag. Diese Dominanz bröckelte nun. Nur noch in Werder siegte Ludwig haushoch, in allen anderen Gemeinden war der Abstand kleiner.

Gewonnen hat Schüle die Wahl dennoch in Potsdam. Gut sechs Prozent – über 6000 Stimmen – mehr als ihre Gegnerin von der CDU bekam sie hier. Noch vor Auszählung der letzten Wahllokale räumte Ludwig ihre Niederlage vor Anhängern ein. „Die AfD hat uns viele Stimmen gekostet“, sagte sie bei einer Wahlparty in Phöben. Ihr starkes Ergebnis in den Umlandgemeinden habe die Wahlentscheidung in Potsdam nicht kompensieren können. Der schlechte Bundestrend für die Union sei so nicht absehbar gewesen. Eine Mitschuld gab Ludwig aber auch ihrer eigenen Partei: „Mit Unterstützung der Landespartei wäre es leichter gewesen“, sagte sie. Auch von der Potsdamer CDU hätte sie sich mehr Unterstützung gewünscht.

Der schmerzhafte Abstieg der Sozialdemokraten in Potsdam

Trotz des gewonnenen Direktmandats muss sich die SPD in Potsdam ernsthafte Sorgen machen. Erstmals sackte die Partei in der Landeshauptstadt, die seit der Wende hier den Oberbürgermeister stellt, auf den dritten Platz ab. Um den Zweitstimmensieg lieferten sich CDU und Linke ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das am Ende die CDU mit 21,6 Prozent vor den Linken mit 21,2 Prozent knapp gewann. Die SPD landete abgeschlagen bei 18,3 Prozent – eine Demütigung für die Partei, die in sechs Bundestagswahlen nach der Wende immer stärkste Kraft in der Landeshauptstadt geworden war.

Leichte Verluste musste die Linke hinnehmen. Drei Prozent weniger als 2013 reichten aber trotzdem für den zweiten Platz bei den Zweitstimmen.

Freude bei FDP-Kandidatin Linda Teuteberg 

Die AfD konnte ihr Ergebnis in Potsdam gegenüber 2013 mehr als verdoppeln. 12,8 Prozent Zweitstimmenanteil fuhren die Rechtspopulisten hier ein (2013: 5,2 Prozent) und wurden damit viertstärkste Kraft. Entsprechende Jubelstimmung herrschte bei Direktkandidat René Springer, der mit seinem dritten Platz womöglich sogar noch Chancen hat, über die Landesliste in den Bundestag einzuziehen.

Grund zur Freude gab es bei der FDP, auch wenn sich Direktkandidatin Linda Teuteberg wohl ein noch besseres Ergebnis erhofft hatte. Mit 7,3 Prozent konnte sie das historisch schlechte Ergebnis der Liberalen von 2013 allerdings vervierfachen. Bei den Zweitstimmen erreichte die FDP in Potsdam 8,2 Prozent. Teuteberg freute sich vor allem über das Gesamtabschneiden ihrer Partei: „Wir freuen uns, mit solch einem eindeutigen Ergebnis in den deutschen Bundestag zurückzukehren.“

Exakt das gleiche Ergebnis wie 2013, nämlich 10,3 Prozent, erzielten die Grünen. Direktkandidatin Annalena Baerbock verbesserte sich in Potsdam von 8,2 auf 8,9 Prozent.

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Stimmen zum Wahlausgang:

Wieland Niekisch (Ortsvereinschef der CDU in Potsdam-West): „Das Ergebnis von Saskia Ludwig ist schade und enttäuschend. Es ist auch Ergebnis der Uneinigkeit des CDU-Kreisverbands, die Kandidatin ist nicht ausreichend unterstützt worden, gerade aus dem Potsdamer Kreisvorstand. Wenn alle an einem Strang gezogen hätten, dann hätte es gereicht. Auch hat die Kanzlerin die brandenburgische Landeshauptstadt nicht besucht, anders als in früheren Wahlkämpfen.“

Norbert Müller (Linke-Direktkandidat im Potsdamer Wahlkreis 61): „Dass mit der AfD klassische deutsche Faschisten, Antisemiten und Holocaustleugner in den Bundestag einziehen, das tut richtig weh!“

Christian Görke (Linke, Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident Brandenburgs): „Die Demokratie ist ins Stolpern geraten. Der AfD-Einzug bedeutet eine Zäsur, eine tektonische Veränderung.“

Annalena Baerbock (Grüne-Direktkandidatin im Potsdamer Wahlkreis 61): „Heute ist es ein Wechselbad der Gefühle. Wir freuen uns über das Ergebnis. Dennoch haben wir unser Wahlziel, drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden, nicht erreicht. Dramatisch und bitter ist das Abschneiden der AfD.“

Dagmar Ziegler (SPD-Bundestagskandidatin): „Es gibt Situationen, wo man immer wieder alles vorbringen kann an

Argumenten, ohne dass es Wirkung zeigt.“ PNN/dpa

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