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Bücherverbrennung 1933 : Potsdam hat keine Pläne für festen Gedenkort

Der Vorschlag hatte breite Unterstützung in der Stadtverordnetenversammlung. Doch die Verwaltung hat derzeit aber keine Pläne zur Umsetzung. Hoffnung gibt es trotzdem.

Gedenklesung im "Demokratiebus" zum Jahrestag der Bücherverbrennung auf dem Bassinplatz mit Potsdams Baubeigeordnetem Bernd Rubelt (parteilos) 1998. (Archiv)
Gedenklesung im "Demokratiebus" zum Jahrestag der Bücherverbrennung auf dem Bassinplatz mit Potsdams Baubeigeordnetem Bernd Rubelt...Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Potsdam hat keine Pläne für einen festen Gedenkort für die Bücherverbrennung der Nazis 1933. Das geht aus der Antwort der Verwaltung auf eine Kleine Anfrage des Stadtverordneten Sascha Krämer (Linke) hervor. Im Mai hatte Stadtpräsident Pete Heuer (SPD) einen solchen Gedenkort in der Innenstadt vorgeschlagen und den Bassinplatz als möglichen Standort genannt. Offenbar hat sich die Idee nicht durchgesetzt. „Ein eigener Gedenkort wird von der Landeshauptstadt Potsdam derzeit nicht in Betracht gezogen”, heißt es in der Antwort.  

Aus alten Filmaufnahmen ist vor allem die Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz am 10. Mai 1933 bekannt. Die wurde seinerzeit von Studenten und Professoren der heutigen Humboldt-Universität inszeniert. Am historischen Ort, der heute Bebelplatz heißt, ließ der Künstler Micha Ullman 1995 ein Mahnmal in den Boden ein. Weniger bekannt ist bis heute, dass auch in mehr als 20 weiteren deutschen Städten Schriftsteller verfolgt und ihre Werke zerstört wurden. 

Als in Potsdam die Bücher brannten

Am 22. Mai 1933 loderte der Scheiterhaufen in Potsdam. Am Abend hatten sich Anhänger verschiedener NS-Jugendorganisationen vor dem NSDAP-Parteilokal in der heutigen Hegelallee versammelt. In einem Aufmarsch mit Fackeln zogen sie zum Bassinplatz. Die Potsdamer Tageszeitung schrieb am Tag danach: „Dann wurde die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen und hierbei ein großer Stapel von marxistischen und Schundbüchern angezündet.“ 

Seit 2013 erinnert die Landeshauptstadt jährlich dezentral mit dem Demokratiebus oder Lesungen in der Tram an das Ereignis. 

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Dass es aber keinen zentralen Gedenkort geben soll, findet Sascha Krämer enttäuschend: „Immerhin haben alle demokratischen Fraktionen einen gemeinsamen Antrag eingebracht, der sich für die Errichtung eines solchen Gedenkortes zum 90. Jahrestag der Bücherverbrennung am Potsdamer Bassinplatz ausspricht.“  

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) habe in der Vergangenheit gesagt, dass die Zeit des Nationalsozialismus in Potsdam noch nicht ausreichend aufgearbeitet sei. „Hier besteht eine gute Gelegenheit, ein solches Defizit zu beseitigen“, so Krämer. 

Und es gibt auch noch Hoffnung auf die Errichtung des Gedenkortes. Wie Heuer mitteilte, wird der von Krämer erwähnte Antrag Gegenstand der Stadtverordnetenversammlung am 19. August sein. In dem Antrag wird Schubert gebeten, einen Verfahrensvorschlag mit dem Ziel der Einrichtung eines ständigen Gedenkortes an die Bücherverbrennung am 22. Mai 1933 auf dem Bassinplatz in Potsdam zu erarbeiten und zur Sitzung des Kulturausschusses im November 2020 vorzulegen. Die Einweihung soll demnach spätestens zum 90. Jahrestag der Bücherverbrennung im Jahr 2023 erfolgen.

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