• Brutale Umerziehung in Rumänien: Erste Festnahmen: Sozialprojekt-Skandal reicht bis Potsdam
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Brutale Umerziehung in Rumänien : Erste Festnahmen: Sozialprojekt-Skandal reicht bis Potsdam

In Rumänien sollen deutsche Kinder und Jugendliche in einem Sozialprogramm misshandelt worden sein. In Deutschland hat das Programm seinen Sitz in Babelsberg.  

Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Potsdam/Bukarest - Es geht um einen Skandal, der Kreise bis nach Potsdam zieht: Wegen der Misshandlung deutscher Kinder und Jugendlicher in einem Sozialprogramm in Rumänien ermitteln die rumänischen Behörden gegen acht Verdächtige, darunter ein deutsches Paar. Acht Häuser wurden am Dienstag in Rumänien durchsucht, wie die Staatsanwaltschaft in Bukarest mitteilte. Mehrere Mitarbeiter des Programms wurden festgenommen. Es geht demnach um den Vorwurf, dass deutsche Teenager im Alter zwischen 12 und 18 Jahren zu "übermäßiger körperlicher Arbeit" in Haushalten in dem Dorf Viseu de Sus gezwungen und "sklavenartig" behandelt worden seien. Das Programm hat seinen deutschen Sitz in Babelsberg. 

Auch seien die Kinder und Jugendlichen in „erniedrigender und entwürdigender“ Weise behandelt worden, lautet ein weiterer Vorwurf. Alle acht Verdächtigen hätten mit dem „Projekt Maramures“ zu tun, einem „sogenannten Sozialprogramm“, das nach der nordrumänischen Region benannt ist, in der die Organisation arbeitet. 

Kontaktstelle in Babelsberg nicht erreichbar

Das Projekt werde von staatlichen Stellen in Deutschland finanziert und sei von einem der deutschen Verdächtigen gegründet und koordiniert worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das rumänische Arbeitsministerium habe für fünf Jahre die Genehmigung für das Projekt erteilt. Die Laufzeit war noch bis Februar 2021 geplant. Das geht aus einer öffentlichen Stellungnahme der Direktion für Ermittlungen gegen das organisierte Verbrechen und den Terrorismus (DIICOT) hervor, die der rumänischen Generalstaatsanwaltschaft untersteht. In Babelsberg war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen erreichbar, Anrufe blieben erfolglos. Auch Anrufe im rumänischen Büro der Organisation blieben erfolglos. Laut DIICOT gehe aus den Ermittlungen hervor, dass das Geld aus Deutschland zur Finanzierung des Projektes weitgehend vom eigentlichen Zweck abweiche.

Das Projekt verspricht die „Rehabilitierung“ von sozial auffälligen, schwierigen oder straffällig gewordenen Kindern und Teenagern mit Hilfe von Aktivitäten und mit psychologischer Unterstützung. Das Herz des Projekts sei demnach ein abgeschiedener, weitläufiger Bauernhof mit fünf Hektar Land, wie es auf der „Maramures“-Internetseite heißt. An den Vormittagen fände Schulunterricht statt, an den Nachmittagen „Arbeiten der Tierpflege und der Instandhaltung der Gebäude und Wege und sonstige landwirtschaftliche Arbeiten“. Man helfe aber auch bei „Gemeinschaftsaufgaben“ in einem nahen Dorf. 

"Harte und brutale Methoden der Umerziehung"

Doch der Staatsanwaltschaft zufolge durften die Jugendlichen nicht zur Schule gehen oder ihre verschriebenen Medikamente nehmen. Sie hatten demnach keinen Kontakt zur Außenwelt und wurden zum Opfer „harter und brutaler Methoden einer sogenannten Umerziehung“. Laut der DIICOT wurden auch die Ausweispapiere und sämtliche Kommunikationsmittel der Kinder und Jugendlichen eingezogen. Sie seien geschlagen worden, außerdem wurden sie mit Nahrungsentzug bestraft. Schwere psychische Leiden bei den Teilnehmern seien die Folge der Maßnahmen gewesen, so das DIICOT.

Die Staatsanwaltschaft teilte nicht mit, wieviele Kinder betroffen seien. Laut dem rumänischen Jugendamt befanden sich während einer Durchsuchung am Dienstag 20 Kinder in der Einrichtung, einem abgelegenen Bauernhof. Vier von ihnen seien in ein Heim gebracht worden und warteten darauf, von ihren Familien abgeholt zu werden. Die Kinder und Jugendlichen wurden demnach von den Ermittlern befragt.

Auf der Homepage des „Projekts Maramures“ ist von 61 Kindern seit der Gründung die Rede. Fast 20 Jugendliche könnten zur gleichen Zeit auf dem Bauernhof und einem Dutzend Gastfamilien untergebracht werden. 

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, der Bundesregierung seien in den vergangenen 20 Jahren keine Probleme mit dem "Projekt Maramures" bekannt geworden. Das deutsche Generalkonsulat im rumänischen Temeswar und die deutsche Botschaft in Bukarest stünden mit den rumänischen Behörden in Kontakt. 

Die mutmaßlichen Misshandlungen sollen von 2014 bis August 2019 stattgefunden haben. Misshandlungsvorwürfe gegen das Programm hatte es in rumänischen und auch deutschen Medien bereits gegeben, doch war bisher nicht gegen das Projekt vorgegangen worden. Auf dessen Internetseite wird geworben, man sei eine gute Alternative zur Unterbringung in einer geschlossenen Jugendhilfeeinrichtung.“ (mit AFP)