• Brückenfest am Brückentag: „Potsdam bewegt“ sich nicht

Brückenfest am Brückentag : „Potsdam bewegt“ sich nicht

Hunderte Potsdamer feierten am Freitag das Ende der Bauarbeiten an der Humboldtbrücke. Ihre Sperrung sorgte für lange Staus.

Rita Orschiedt
Würstchen essen und Radeln. Auch Oberbürgermeister Jakobs (l.) und Baudezernent Klipp (auf dem Fahrrad) ließen sich auf dem Brückenfest sehen. Parallel standen Tausende Potsdamer im Stau, etwa in der Babelsberger Straße (Bild u.r.).Alle Bilder anzeigen
Fotos: A. Klaer
15.05.2015 22:30Würstchen essen und Radeln. Auch Oberbürgermeister Jakobs (l.) und Baudezernent Klipp (auf dem Fahrrad) ließen sich auf dem...

Potsdam – Es hätte so schön sein können am Freitag auf der Humboldtbrücke. Die Sonne schien kräftig auf einige Hundert Besucher herab, die Verantwortlichen wollten sie für neun Jahre Brückenbau mit einem Brückenfest am Brückentag entschädigen. Doch vor allem in Babelsberg und in Richtung Innenstadt sorgte das Fest für Dauerstau, etliche Potsdamer machten ihren Ärger im sozialen Netzwerk Facebook öffentlich. „Die Verkehrsplaner dieser Stadt müssten sofort gekündigt werden… Brückenfest für was? Für das absolute Verkehrschaos“, war einer von zahlreichen Kommentaren.

Und auch beim Fest gab es kritische Anmerkungen. Es dauerte keine fünf Minuten, bis der Moderator des Tages, RBB-Moderator Tim Jäger, auf der großen Bühne fragte: „Zehn Jahre, 55 Millionen Euro. Warum feiert man das eigentlich?“ Dazu ist die Sanierung der Brücke auch noch gar nicht beendet, obwohl nun schon gefeiert wurde. Laut Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sei die Brücke aber zumindest „so gut wie fertig“ – nur drei, vier Monate dauere es noch. Und: Einen Brückentag für ein sinnbildlich passendes Fest hätte man 2015 im Kalender auch gar nicht mehr gefunden.

Massive Staus

Den zweiten, schwerwiegenderen Haken sprach Jakobs gleich selbst an, indem er den Verkehrsplanern der vergangenen Jahre ein Lob aussprach. Diese hätten kontinuierlich an dem Bau gearbeitet, ohne die Brücke aber ganz sperren zu müssen. Jakobs: „Die Brücke kann man ja nicht sperren. Das hätte zu massiven Einschränkungen geführt.“

Am Freitag war sie ab dem Morgen stadteinwärts komplett gesperrt – wer von der Nuthestraße in die Innenstadt kommen wollte, musste die Ausfahrt zur Friedrich-List-Straße nehmen. Massive Staus waren die Folge. Selbst um die Mittagszeit zeigte der städtische Verkehrsmelder „Mobil in Potsdam“ im Internet fünf Staus an. Vor allem in der Babelsberger Straße in Richtung Hauptbahnhof, auf der Heinrich-Mann-Allee und auf der Großbeerenstraße brauchten die Autofahrer Geduld. An Werktagen nutzen mehr als 60 000 Autofahrer die Nuthestraße.

Die Idee, am Brückentag nicht ganz so viele Autofahrer im Berufsverkehr zu verärgern, ging also nur bedingt auf. Sigrid Sommer, die Marketingleiterin der Stadtverwaltung, meinte: „Die Anwohner sind intensiv über die Sperrung informiert worden.“ Die Umleitung sei ausgeschildert und auch über Radio angekündigt worden. Morgens um sieben auf ihrem Arbeitsweg sei noch alles frei gewesen, die Brückensperrung könne nicht die einzige Ursache sein. Tatsächlich gibt es derzeit in Potsdam Dutzende Baustellen, die am Freitag neben der gesperrten Hauptverkehrsader den Verkehr behinderten.

Matthias Klipp reagierte genervt

Genervt reagierte Grünen-Baudezernent Matthias Klipp. Auf Nachfrage, wie er die aktuelle Verkehrslage in Potsdam aufgrund der Brückensperrung bewertete, antwortete er sarkastisch: „Wir haben gedacht, wir machen heute so ein Fest, sperren die ganze Brücke. Das begünstigt die Verkehrssituation bestimmt.“ Weiter äußern wollte er sich nicht.

Hätte man die Veranstaltung nicht auch an der Marina auf dem Areal des benachbarten Kulturstandorts Schiffbauergasse machen können? Nein, das sei ja schließlich ein Brückenfest, begründetete Sommer. Außerdem habe die Schiffbauergasse selbst ihr Programm.

Fest kostete fünfstellige Summe

Wer das Drumherum ausblendete, konnte allerdings einen schönen Nachmittag verbringen. Passend zum diesjährigen Themenjahr „Potsdam bewegt“ präsentierten sich vor allem Sportclubs. Während die Informationsstände der Vereine meist leer blieben, waren die Essstände und die interaktiven Angebote für Kinder bei den Besuchern beliebt. Die Stadtwerke etwa warteten mit einem Swimmingpool mit großen Plastikbällen auf, in denen man wie in einem Hamsterrad übers Wasser laufen konnte. Am abschüssigen Teil der Brücke wurde Bob gefahren, auch Baseballspielen und Trampolinspringen konnte man üben, daneben wurden Gewinnspiele angeboten. Die Erwachsenen nahmen vor allem die Führungen ins Innere der Brücke wahr, hier bildeten sich lange Schlangen. Ein Bühnenprogramm mit Tanz und Musik gab es auch – und als Höhepunkt fuhr abends eine Bootsparade auf der Havel.

Und die Kosten für das Fest? Der Betrag für die Organisation – etwa für die Sicherheitsvorkehrungen – belaufe sich auf eine Summe „im mittleren Bereich, fünfstellig“, äußerte sich Sommer vage. Genauer antworten wollte sie nicht. (mit Henri Kramer)

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