• Brauhausberg: Denkmalschutz für „Minsk“ und Bad?

Brauhausberg : Denkmalschutz für „Minsk“ und Bad?

Landesdenkmalamt prüft Antrag von Pro Brauhausberg – Potsdams Stadtdenkmalpfleger sind dafür

Einst beliebt. Heute ist das Terrassenrestaurant „Minsk“ eine Ruine. Seit Jahren soll es abgerissen werden, nun könnte der Denkmalschutz es womöglich retten.
Einst beliebt. Heute ist das Terrassenrestaurant „Minsk“ eine Ruine. Seit Jahren soll es abgerissen werden, nun könnte der...Foto: Manfred Thomas

Teltower Vorstadt - Im Streit um die geplante Wohnbebauung des Brauhausbergs wird das Landesamt für Denkmalpflege zum Zünglein an der Waage. Auf Antrag der Bürgerinitiative Pro Brauhausberg e.V. prüft die Behörde derzeit, ob sie die DDR-Schwimmhalle und das frühere Terrassenrestaurant „Minsk“ unter Denkmalschutz stellt. Ein Ergebnis sei nicht absehbar, aber es gebe eine Tendenz, sagte Landeskonservator Detlef Karg auf PNN-Anfrage. In welche Richtung sie geht, wollte er mit Verweis auf die politische Brisanz des Themas nicht sagen.

Denn sollte die Behörde dem Antrag von Pro Brauhausberg stattgeben, hätte das massive Auswirkungen. Bekanntlich wollen die Stadtwerke als Eigentümer „Minsk“ und Schwimmhalle abreißen und das Areal am Brauhausberg verkaufen. Mit dem erwarteten Erlös von zwölf Millionen Euro soll der geplante Schwimmbadneubau im Bornstedter Feld teilweise refinanziert werden. Stünden die Gebäude unter Denkmalschutz, ist zumindest fraglich, ob sich die Erlösvorstellungen noch realisieren lassen. Wenn nicht, würde die Finanzierungslücke noch größer, denn auch das Bad im Bornstedter Feld wird wie berichtet deutlich teurer als 18 Millionen Euro (siehe Artikel unten). Und auch der in Arbeit befindliche Bebauungsplan für den Brauhausberg wäre Makulatur, würden „Minsk“ und Schwimmhalle Denkmale. Denn der B-Plan basiert auf dem Masterplan von Kohl & Krier für Speicherstadt und Brauhausberg und sieht eine dichte, zum Teil viergeschossige Wohnbebauung vom Fuße des Bergs bis unterhalb des heutigen Landtags vor.

Die Recherchen der Oberen Denkmalbehörde zur Prüfung des Denkmalantrags erstrecken sich auf ganz Ostdeutschland – „von Rügen bis zum Fichtelberg“, sagte Karg. Untersucht werde die Typenentwicklung von DDR-Typen- und Sonderbauten, zu denen sowohl die Brauhausberg-Schwimmhalle als auch das „Minsk“ zählen. Es gehe um die „Authentizität“, betonte der Landeskonservator. Für den Denkmalschutzstatus müssten bestimmte Kriterien erfüllt werden. Beurteilt würden etwa Architektur, besondere Konstruktionselemente, aber auch der städtebauliche Zusammenhang sowie die Wechselwirkung zwischen den Gebäuden und ihrer Umgebung. Entscheidend sei letztlich, ob die untersuchten Typenbauten Alleinstellungsmerkmale aufwiesen, die sie von ihresgleichen unterschieden, erklärte Karg.

Den Antrag der Bürgerinitiative lobte Karg als „relativ gut recherchiert“. In dem 21-seitigen Papier legt Pro Brauhausberg detailliert die Entstehungsgeschichte beider Gebäude dar und kommt zu dem Schluss, sie seien „herausragende Zeugnisse der wenigen erhaltenen und bemerkenswerten Sonderbauten der Nachkriegsmoderne in Potsdam“ und bildeten eine „bewahrenswerte städtebauliche Einheit“.

Zumindest die Schwimmhalle ist kein Unikat. Als Typenbauprojekt für DDR- Bezirkshauptstädte stehen solche Bäder in Stahlbetonskelettbauweise mit Seiltrakwerk unter anderem in Leipzig, Erfurt, und Dresden. Als Prototyp steht die Halle in Sachsens Landeshauptstadt seit 2008 unter Denkmalschutz. Dass es mehrere solcher Schwimmhallen gibt, schmälert nach Ansicht von Pro Brauhausberg nicht die Denkmalschutzwürdigkeit, im Gegenteil. Der Bau in nur wenigen „Bezirksstädten“ sei hervorzuheben und als „zeit- und baugeschichtliches Zeugnis zu erhalten“. Die Initiative verweist zudem auf eine Potsdamer Besonderheit. Weil das Geld für den Bau nicht ausreichte, wurde ein Aufruf an die Bevölkerung gestartet, beim Bau zu helfen. Schulklassen, Jugendgruppen, Sportvereine, sogar NVA-Soldaten und Angehörige der Sowjetarmee hätten sich beteiligt, etwa bei der Baufeldfreimachung. Damit verfüge Potsdam über die „wohl einzige Volksschwimmhalle Deutschlands“, argumentiert Pro Brauhausberg.

Bei der Denkmalbehörde der Stadt Potsdam hegt man durchaus Sympathie für den Denkmalantrag. Sowohl für das „Minsk“ als auch für die Schwimmhalle sei der Denkmalstatus „vorstellbar“, sagte Oliver Graumann, Fachbereichsleiter für Stadterneuerung und Denkmalpflege, den PNN. Beide seien „einmalige“ Zeugnisse der Architekturgeschichte.

Unterstützung erhält die Bürgerinitiative, die generell gegen eine Bebauung des Brauhausbergs ist, nun auch von der CDU. Der christdemokratische Landtagsabgeordnete Steeven Bretz sprach sich gegenüber den PNN gegen die Umsetzung des Masterplans aus. Eine derart „massierte Bebauung“ sei eine „baupolitische Sünde“, so Bretz. Er wolle auch in der Potsdamer CDU für eine „Neupositionierung“ beim Thema Brauhausberg werben.

 

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