• Brandenburg: Asylgipfel in Potsdam: Potsdamer Weg als Vorbild

Brandenburg: Asylgipfel in Potsdam : Potsdamer Weg als Vorbild

Zum Asylgipfel in Brandenburg wünschen sich Politiker mehr Geld vom Bund. Mit positivem Beispiel geht die Landeshauptstadt voran: Der Potsdamer Weg gilt als Vorbild für gute Integration. Doch das kostet.

Potsdam - Wohnungen für Flüchtlinge statt Gemeinschaftsunterkünfte, das sei für eine Kommune natürlich zunächst teurer und aufwändiger als sie in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen. Aber es lohne sich langfristig unbedingt. Das sagte Potsdams Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) am Mittwoch beim Besuch der Flüchtlingswohnungen in der Haeckelstraße.

Im Vorfeld des heute in Potsdam stattfindenden Brandenburger Asylgipfels schauten sich auch Petra Merkel, Präsidentin des Internationalen Bundes (IB) und dessen Brandenburger Präsidentin Astrid Goethe sowie die Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein (SPD) die Einrichtung des IB an. „Was hier in Potsdam gemacht wird, das wird Zukunft haben“, sagte Merkel.

Schnelle Integration durch Unterbringung in Wohnungen

Ende 2013 waren die ersten Flüchtlinge in den Wohnblock in Potsdam-West gezogen, heute leben 79, die Hälfte davon Kinder, in 22 Wohnungen, mit eigenem Schlüssel und Briefkasten, verteilt auf sechs Aufgänge des Hauses und somit in unmittelbarer Nachbarschaft mit ganz normalen Potsdamer Familien. Das sei großartig für eine schnelle Integration, so einhellig die Meinung der Besucherinnen. Der sogenannte Potsdamer Weg habe bereits Vorbildwirkung. Leider gebe es in Potsdam kaum Wohnungsleerstand – es müssen weiterhin auch Gemeinschaftsunterkünfte eingerichtet werden. Für die gibt es vom Bund Investitionsmittel – ob auch so ein Wohnverbund dazu zähle, sei mit dem Gesetzgeber zu klären, so Potsdams Sozialdezernentin.

Denn für 2015 erwarte man in Potsdam weitere 550 bis 650 Flüchtlinge, 52 freie Plätze habe man derzeit nach Eisenhüttenstadt gemeldet, so Müller-Preinesberger. Ende des Jahres müsse die Haeckelstraße leergezogen werden, weil dann die Wohnungen saniert werden. „Das haben wir den Anwohnern fest versprochen.“ Ob nach der Sanierung wieder Flüchtlinge einziehen können, dazu gebe es Gespräche, so die Sozialdezernentin. Die Familien, die jetzt hier wohnen, sollen in komplett eigene Wohnungen umziehen können. Man sei derzeit auf der Suche nach passenden Wohnungen.

Wunsch: Bund soll Kosten übernehmen

Im Wohnverbund in der Haeckelstraße werden die Menschen, überwiegend Familien mit kleinen Kindern aus Tschetschenien, Syrien, Iran und Irak, von zwei Sozialarbeiterinnen betreut. Bundesweit gelte ein Betreuungsschlüssel von einem Sozialarbeiter für 120 Flüchtlinge als Richtschnur: „Viel zu wenig“, sagte Müller-Preinesberger, in Potsdam sind es höchstens 80. Die Stadt steckt 150.000 Euro in ergänzende integrative Maßnahmen wie Deutschkurse von Anfang an, während die Bundesregierung erst dann Kurse bezahlt, wenn der Flüchtlingsstatus geklärt ist. Auch extra Kitaplätze würden im Kontingent für Flüchtlingskinder vorgehalten.

„Wir wünschen uns natürlich, dass der Bund die gesamten Kosten, die mit der Aufnahme von Flüchtlingen enstehen, übernimmt“, so Andrea Wicklein. Brandenburg muss in diesem Jahr etwa 8100 Menschen aufnehmen, wie Innenminister im PNN-Interview schilderte. In Potsdam-West funktioniert die Integration, auch weil hier das Stadtteilnetzwerk aktiv ist, Veranstaltungen für alle Anwohner organisiert. „Das hat uns Mut gemacht, daraufhin haben wir den Staudenhof und die Dortustraße als Wohnverbunde eingerichtet“, so Müller-Preinesberger.

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