• Bombensprengung in Potsdam: Geringe Überlebenschance für Fische im Aradosee

Bombensprengung in Potsdam : Geringe Überlebenschance für Fische im Aradosee

Tierschützer wollen Schildkröten aus dem Aradosee vor der Sprengung der Fliegerbombe am Mittwoch retten. Für Fische und Amphibien ist ein zusätzlicher Warnschuss geplant.

Die Idylle vor dem Knall
Die Idylle vor dem KnallFoto: Ottmar Winter

Potsdam - Bombensprengungen sind nicht nur für Menschen gefährlich, sondern auch für Tiere. Allerdings dürften sich Fische und Vögel wohl kaum an den von der Stadt für Mittwoch festgelegten Sperrkreis halten. Das macht Tierfreunden Sorge: Wenn die im Aradosee entdeckte Bombe wie angekündigt gesprengt werden muss, befürchtet der Geltower Veterinär Gordon Ebeling, „dass viele dort lebende Tiere sterben werden“. Sie könnten die Druckwelle der Explosion kaum überleben. 

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Ebeling, Mitarbeiter der Potsdamer Tierrettung, weiß, dass an dem See fünf bis zehn Gelb- und Rotwangenschildkröten leben, die dort wahrscheinlich ausgesetzt wurden. Potsdamer Nahausflügler kommen gern zum Aradosee und beobachten die Schildkröten, die sich dort sonnen. Die Tierrettung habe geprüft, ob sie den See vor einer möglichen Sprengung abfischen könnte. „Aber das können wir nicht schaffen, die Zeit ist zu kurz”, sagte Ebeling den PNN.

Stadt berät sich mit Naturschützern

Vielleicht gibt es aber doch noch eine Chance vor dem großen Knall: Wie die Stadtverwaltung auf PNN-Anfrage mitteilte, werde der Umgang mit den ursprünglich ausgesetzten, nicht lokal endemischen Schildkröten im und am Aradosee von der Unteren Naturschutzbehörde mit Mitgliedern des Naturschutzbeirates thematisiert. „Hier wird beraten, ob es notwendig und sinnvoll ist, weitere Maßnahmen aus Artenschutzsicht ins Auge zu fassen“, so ein Stadtsprecher.

Und auch für andere Tiere soll es eine Warnung geben: „Bei jeder geplanten Unterwasser-Sprengung einer Bombe gibt es seitens des Kampfmittelbeseitigungsdienstes die Vorgabe, dass vor der eigentlichen Sprengung ein Vergrämungsschuss abgesetzt wird.“ Sozusagen ein Knall vor dem Knall. Dies ermögliche insbesondere Wasservögeln das Verlassen des Sprengortes. „Für Fische und auch für Amphibien wird diesmal zusätzlich ein spezieller Unterwasser-Vergrämungsschuss vorbereitet.“ Da es sich beim Aradosee jedoch nicht um ein Fließgewässer handele, diene dieser nur dazu, die Tiere vom unmittelbaren Sprengort zu distanzieren. „Es ist unmöglich zu garantieren, dass keine wasserlebenden Tiere durch die Detonation der Bombe geschädigt werden“, so die Stadtverwaltung.

Die Enten können wohl noch davonflattern. Fische tun sich schwerer
Die Enten können wohl noch davonflattern. Fische tun sich schwererFoto: Ottmar Winter PNN

Der See hatte sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Nach Beschwerden und einen Antrag der Fraktion Die Andere wurde vermehrt Abfall an den Ufern eingesammelt. Abgesackte Uferabschnitte wurden 2017 aufbereitet und mit Holzstämmen gesichert. Schüler des Babelsberger Bertha-von-Suttner-Gymnasiums wurden für ihren Einsatz am Aradosee sogar mit dem Brandenburger Naturschutzpreis ausgezeichnet. Die Schule nutzt das Biotop für den Unterricht. Allerdings gab es im vergangen Jahr ein Rückschlag: In der Hitzewelle verendeten zahlreiche Fische in dem flachen See. 

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.