• Bombensprengung am Mittwoch: Das Ende von Nummer 204

Bombensprengung am Mittwoch : Das Ende von Nummer 204

Im Aradosee in der Teltower Vorstadt wurde am Mittwoch ein Blindgänger erfolgreich gesprengt. Es gab keine größeren Schäden - aber einen zweiten mächtigen Wumms innerhalb weniger Wochen.

Fontäne aus Schlamm und Wasser bei der Sprengung der Weltkriegsbombe im Aradosee.
Fontäne aus Schlamm und Wasser bei der Sprengung der Weltkriegsbombe im Aradosee.Foto: Ottmar Winter

Teltower Vorstadt - Um 15.02 Uhr war es vorbei. Die Stadtverwaltung hob den Sperrkreis in der Teltower Vorstadt auf. Einige Minuten vorher war eine Detonation zu hören gewesen. Aus dem Aradosee stieg eine Fontäne aus Wasser und Schlamm empor. Der Blindgänger war kontrolliert gesprengt worden. Damit ging in Potsdam am Mittwoch die zweite Sprengung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu Ende.

Immerhin rund 7500 Anwohner hatten den Sperrkreis um den Fundort verlassen müssen. Bevor sie wieder zurückkehren konnten, schaute sich Sprengmeister Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg (KMBD) den Ort der Sprengung nochmal an. „Ich bin erleichtert, dass alles wieder gut geklappt hat", sagte er anschließend. Alle hätten gut zusammengearbeitet. „Alles lief wie ein Länderspiel.“ Seinen Angaben zufolge soll es keine größeren Schäden gegeben haben, nur Scheiben zerbrachen durch die Detonation. Am Ende bedankte sich Bürgermeister Burkhard Exner mit Blumen bei Schwitzke und seinem Team.

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Dann berichtete er, dass für den Vergrämungsschuss 600 Gramm Sprengstoff eingesetzt wurde, für die Bombe an sich aber weniger notwendig war. Mit dem sogenannten Vergrämungsschuss – einmal über Wasser und einmal unter Wasser – sollen Wildtiere wie Vögel oder Fische verscheucht werden. An den Tagen vor der Sprengung hatte es Befürchtungen gegeben, dass viele Tiere in und am Aradosee die Sprengung wohl nicht überleben werden.

Für Verzögerungen sorgten Anwohner, die nicht rechtzeitig den Sperrkreis verlassen hatten

Zudem wäre der Dauerregen eine besondere Herausforderung gewesen, so Schwitzke. Um die Wucht der Detonation zu mildern, wurde ein sieben mal sieben Meter großes Floß aus Strohballen über der Fliegerbombe platziert. Das hat wohl funktioniert. Jedenfalls lag das Stroh nach der Sprengung in der Umgebung des Sees verteilt und schwamm auf dem Wasser. Das Floß war vom technischen Hilfswerk vor Ort vertäut worden. Das dauerte länger als gedacht, weil es am Seeufer wenig Platz gab.

Zum Schluss gab es Blumen: Potsdams Bürgermeister Burkhard Exner (rechts) bedankt sich bei Sprengmeister Mike Schwitzke.
Zum Schluss gab es Blumen: Potsdams Bürgermeister Burkhard Exner (rechts) bedankt sich bei Sprengmeister Mike Schwitzke.Foto: Andreas Klaer

Für Verzögerungen sorgten allerdings wie bei früheren Bombenentschärfungen auch wieder Anwohner selbst. Eigentlich sollten alle den Sperrkreis um 8 Uhr verlassen haben. Doch gegen 14.30 Uhr tauchte noch ein Bewohner in der Friedrich-Engels-Straße auf. Menschen die sich trotz Verbots im Sperrkreis aufhalten, verärgern nicht nur Sprengmeister Mike Schwitzke und behindern dessen Arbeit, sie riskieren auch ein Bußgeld.

Mehr als 500 Helfer waren am Mittwoch im Einsatz, um den Sperrkreis zu sichern – davon 50 Mitarbeiter des Ordnungsamtes, 33 der Berufsfeuerwehr, weitere rund 300 Helfer aus der Stadtverwaltung, rund 40 freiwillige Helfer vom Deutschen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk, der DLRG und freiwilligen Feuerwehren sowie knapp 80 Mitarbeiter der Polizei und Bundespolizei, teilte die Stadt Potsdam mit. Der Sperrkreis verursachte umfangreiche Verkehrsbehinderungen: So war war unter anderem die Friedrich-Engels-Straße und die Nuthestraße gesperrt. Ebenso betroffen waren die Bahngleise von S-Bahn und Regionalbahn. Busse mussten umgeleitet werden.

Nach der Sprengung lag überall Stroh herum. 
Nach der Sprengung lag überall Stroh herum. Foto: Andreas Klaer

Wer sein Zuhause verlassen musste und keinen anderen Ort finden konnte, fand Unterschlupf in den Ausweichquartieren in der Sporthalle der Lenné-Schule in Zentrum-Ost sowie in der kleinen Turnhalle der Goethe-Schule in Babelsberg . Allerdings hielt sich der Andrang an beiden Orten in Grenzen: Gegen 13.30 Uhr waren in der Lenné-Schule nur etwa 20 Gäste und in der Goetheschule fünf, teilte die Stadt mit.

Starke Verkrustungen machten Identifizierung des Zünders unmöglich

Der Sprengkörper im Aradosee war in der vergangenen Woche bei der systematischen Suche entdeckt worden. Es war Bombe Nummer 204 seit 1990 in der brandenburgischen Landeshauptstadt und der zweite Blindgängerfund innerhalb von drei Wochen. Der Sprengsatz, eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus US-amerikanischer Produktion – lag in etwa drei Metern Tiefe und einem Meter tief im Schlamm. Starke Verkrustungen machten die Identifizierung des Zünders nach Angaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes unmöglich. Zudem lag ein großer Baum samt Krone auf dem Blindgänger.

Am Ufer des Aradosees hat die Sprengung einen Riss hinterlassen.
Am Ufer des Aradosees hat die Sprengung einen Riss hinterlassen.Foto: Andreas Klaer

Der letzte Fund eines Blindgängers in Potsdam war gerade einmal wenige Wochen her. Am 26. Juni musste eine Fliegerbombe in der Havel nahe der Freundschaftsinsel gesprengt werden. Auch dort war eine Entschärfung nicht möglich. Es gab eine spektakuläre Fontäne, die weithin zu sehen war. Die Freundschaftsinsel wurde bei der kontrollierten Sprengung Ende Juni leicht im Uferbereich beschädigt. Die Wucht der Detonation war in über 1,5 Kilometer Entfernung noch zu spüren.

Fährverkehr bleibt noch bis 24. Juli unterbrochen

Die gestrige Sprengung war – wie vor zwei Wochen – auch ein Fall für die Wissenschaft: Ein Team vom Potsdamer Geoforschungszentrum hatte 20 Geofone aufgestellt, um während der Sprengung die Bodenschwingungen zu messen. Durch die Auswertung der Messungen könne in Zukunft besser geplant werden. „Der KMBD möchte wissen: Wie weit muss ein Sprengkreis sein?“, so Forscherin Charlotte Krawcyk. Einerseits müssten Schäden verhindert werden, andererseits aber die Einschränkungen für die Bevölkerung gering gehalten werden. Dazu würden die Forschungsergebnisse einen Beitrag leisten können.

Charlotte Krawczyk vom Geoforschungszentrum (GFZ) brachte am Ufer Sensoren zur seismischen Messung der Detonation an.
Charlotte Krawczyk vom Geoforschungszentrum (GFZ) brachte am Ufer Sensoren zur seismischen Messung der Detonation an.Foto: Andreas Klaer

Es könnte gut sein, dass der Blindgänger nicht der letzte in den Potsdamer Gewässern ist, hieß es am Mittwoch. Denn die Kampfmittelsondierung in der Havel dauere weiter an. Daher muss der Fährverkehr auf der Linie F1 zwischen Hermannswerder und Auf dem Kiewitt voraussichtlich noch bis Freitag, dem 24. Juli, Betriebsschluss, unterbrochen bleiben.

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