• Böller und Raketen zu Silvester: Keine Feuerwerk-Verbotszonen in Potsdam

Böller und Raketen zu Silvester : Keine Feuerwerk-Verbotszonen in Potsdam

Es darf Silvester in Potsdam weiterhin nach Herzenslust geböllert werden - fast überall.

Blick vom Hotel Mercure auf die Potsdamer Innenstadt in der letzten Silvesternacht.
Blick vom Hotel Mercure auf die Potsdamer Innenstadt in der letzten Silvesternacht.Foto: Kurt Meyer/dpa

Potsdam - In der Landeshauptstadt Potsdam wird es zur Silvesternacht kein Böllerverbot geben, auch nicht in der Innenstadt. Dieses Ergebnis einer mehrmonatigen Prüfung stellte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwoch den Potsdamer Stadtverordneten vor.

Schubert sagte, es läge nach eingeholten Expertisen „keine ausreichende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ vor, die flächendeckende Verbote rechtfertigen würden. Als Grundlage habe man die Schadensbilder der vergangenen drei Silvesternächte betrachtet. Und ein reines Böllerverbot, das rechtlich laut Schubert gerade in dichtbesiedelten Gebieten zulässig wäre, sei ebenso „kaum möglich“ – „nicht zuletzt wegen der begrenzten Personalkapazitäten“ von Polizei und Ordnungsdiensten „in einer einsatzintensiven Nacht wie Silvester“.

Alternativen wie Licht- und Lasershows nutzen

Gleichwohl rate der Deutsche Städte- und Gemeindebund den Kommunen, vermehrt auch umweltfreundliche Alternativen wie Licht- und Lasershows in Betracht zu ziehen, sagte Schubert. Allerdings plant die Stadt keine solche Maßnahme. Man wolle aber öffentlichkeitswirksam für den „achtsamen Gebrauch“ von Feuerwerk werben, was der Kommunalzusammenschluss auch empfehle.

Kritik daran kam von Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Andreas Walter: „Andere Städte machen dies doch vor.“ Auch im Sinne des Gesundheitsschutzes sei ein Verbot sinnvoll – angesichts tausender Tonnen Feinstaub, die in Silvesternächten entstünden. Auch mit solchen Argumenten hatte die Deutsche Umwelthilfe dieses Jahr für dutzende deutschen Kommunen ein offizielles Verbot für Böller und Silvesterfeuerwerk innerhalb von Innenstädten beantragt, auch in Potsdam. Hingegen sagte der CDU-Stadtverordnete Wieland Niekisch, das Feuerwerk sei seit Jahrhunderten eine Tradition um böse Geister zu verscheuchen – er lehne daher solche Verbote ab.

Die Stadtverwaltung hatte nach Meldungen über schwere Verletzungen und Sachbeschädigungen in der vergangenen Silvesternacht im Januar noch punktuelle Verbote erwogen – und wollte dazu wie berichtet ein Meinungsbild bei Feuerwehr, Umweltexperten, Unternehmen und Stadtverordneten einholen.

Potsdamer startet Petition

Unterdessen hat ein Potsdamer, Ekkehard Korthals, auf der Online-Plattform www.change.org bereits am Montag eine Petition für ein Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk in Potsdam gestartet. Leider würden „die Silvesternacht und die Tage davor und danach zum Kriegsschauplatz“, heißt es in dem Aufruf. Bis Mittwochabend hatten rund 200 Personen den Aufruf unterschrieben.

Die Umwelthilfe hatte erklärt, betroffene Kommunen hätten schon jetzt eine rechtliche Handhabe, Verbote für bestimmte Stadtteile durchzusetzen. Als Beispiele wurden Städte wie München oder Nürnberg genannt. In Landshut etwa wurde zum vergangenen Jahreswechsel die Altstadt für Silvester-Böller gesperrt und stattdessen eine Licht- und Lasershow organisiert, hieß es. Die Umwelthilfe stützt sich auch auf eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Organisation Ende Juli mit 1273 Personen. Danach befürworten 58 Prozent „eher“ oder gar „voll und ganz“ ein Ende der Silvesterknallerei. 40 Prozent wollen dagegen an dem Brauch festhalten.

Rekord-Feinstaubbelastungen an Neujahr

Laut Umwelthilfe setzen die abgebrannten Feuerwerkskörper zum Jahreswechsel innerhalb weniger Stunden etwa 5000 Tonnen gesundheitsschädlichen Feinstaub frei. Das entspreche 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge. Am ersten Tag eines jeden Jahres herrschten in deutschen Städten teilweise Rekord-Feinstaubbelastungen, so die DUH. So waren in der Großbeerenstraße zuletzt zum Neujahr 342 Mikrogramm je Kubikmeter registriert worden – der Grenzwert liegt bei 200 Mikrogramm. Auch kritisiert die DUH den Lärm durch Pyrotechnik, der auch Tiere ängstige.

In den Parks ist Feuerwerk verboten

In den Gartenanlagen der Schlösserstiftung herrscht traditionell ein absolutes Verbot, Feuerwerkskörper zu zünden. Es bestehe "akute Brandgefahr für die wertvollen, unter Schutz der UNESCO gestellten Kulturgüter", hieß es im vergangen Jahr seitens der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit. Zwar war der Zugang zum Park möglich, aber ohne Rakten oder Böller. ontrolliert wurde die Einhaltung des Verbots mit Einlass- und Taschenkontrollen am einzigen Parkzugang am Mühlentor.

Das Feuerwerksverbot gilt auch in allen anderen Parks. Aus diesem Grund wurden in den vergangen Jahren zusätzliche Wachleute im Park Sanssouci, am Ruinenberg, am Belvedere auf dem Klausberg sowie am Schloss Babelsberg und am Flatowturm eingesetzt. Sie waren befugt, von Besuchern mitgebrachte Feuerwerkskörper zu beschlagnahmen. (mit epd und AFP)