Potsdam : Blick in wolkigen Himmel

Deckengemälde in Wohnhaus entdeckt

Günter Schenke

Brandenburger Vorstadt – Dem Bauherren des Wohnhauses in der Allee nach Sanssouci 2 muss die Tordurchfahrt allzu düster erschienen sein. Daher beauftragte er einen Maler, es mit Gemälden und Wandgestaltungen aufzuheitern. „Das ist ein Blick in den Himmel“ erklärt Restauratorin Elka Beutel das ovale Bild an der Decke. Zusammen mit Fachkollegin Susanne Grunewald ist sie zurzeit damit befasst, das vermutlich aus dem Jahre 1880 stammende Ölbild wieder sichtbar zu machen.

Entdeckt haben die Arbeit die Fachleute, welche vor der Restaurierung des Hauses hier Farbuntersuchungen anstellten. Das ovale Bild, dessen Ecken mit Schablonenmalerei ausgefüllt sind, stellt einen wolkenverhangenen Himmel mit fliegenden Schwalben dar, umkränzt von Rosen und Weinlaub. Nach dem zweiten Weltkrieg sei das Deckengemälde übertüncht worden, vermutet die Restauratorin. In aufwändiger und körperlich anstrengender Arbeit sei es jetzt im Wesentlichen wieder frei sichtbar. Skalpell und mit Wasser getränkte Kompressen waren die Mittel, um die Deckfarbe zu beseitigen. „Chemische Substanzen hätten das Bild zu stark angegriffen“, sagt Beutel. Der Deckenputz ist nur zirka fünf Millimeter dick und haftet, wie zur Erbauungszeit üblich, auf einer Strohunterlage.

Zunächst einmal werde die Deckengestaltung in der unbearbeiteten Form erhalten bleiben. Denn für die Wiederherstellung der historischen Farben und Gestaltungen sowie die Beseitigungen der zahlreichen Schäden fehlten zurzeit die Mittel. Nach Angaben der Restauratorinnen würden diese Arbeiten insgesamt rund 10000 Euro kosten.

Die Allee nach Sanssouci 2 ist eine feine Adresse. Seit vier Jahren laufen hier die Bauarbeiten. Die Berliner Innenarchitektin Margit Flaitz zeichnet verantwortlich – nicht nur für die Restaurierung einschließlich der Flurausmalung, sondern auch für die Gestaltung der Innenräume. „Wo ich hinfasste, war die Substanz marode“ erinnert sie sich und zeigt alte Fotos, die den Verfall und die schlechte Bausubstanz im Hinterhaus dokumentieren.

Heute befinden sich in dem Gesamtkomplex, der an den Park Sanssouci grenzt, fünf Wohnungen, die größte mit einer Fläche von 170 Quadratmetern. Im Hof gelegen, stellt sie praktisch ein Einfamilienhaus dar: großzügige Räume, eine Riesenterrasse, der alte Treppenlauf zum Obergeschoss. 8,50 Euro beträgt der Mietzins pro Quadratmeter plus Nebenkosten. „Hier könnten zwei Generationen unter einem Dach wohnen“, so die Architektin.

Im Bereich hinter der Tordurchfahrt waren früher neben Wohnungen Handwerker angesiedelt. Im Jahre 1913 sei im Vorderhaus eine Konditorei entstanden und in der Remise hatte sich eine Backstube befunden, berichtet Margit Flaitz. Bei der Rekonstruktion seien die inzwischen zugemauerten Ladeneingänge nach Abstimmung mit der Denkmalpflege wieder hergestellt worden. In den letzten Jahren der DDR befanden sich hier Büros des FDJ-Unternehmens „Jugendtuorist“. Günter Schenke