• Bleibt das Ex-Interhotel in Potsdam stehen?: Mercure-Abriss auf der Kippe

Bleibt das Ex-Interhotel in Potsdam stehen? : Mercure-Abriss auf der Kippe

UPDATE Stadtspitze und Pro Potsdam sind mit Kaufangebot für Hotel Mercure gescheitert. Während Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke findet, das Thema sei "de facto durch", hält Oberbürgermeister Jakobs an dem Vorhaben Kauf für Abriss fest. Man brauche nur mehr Zeit.

Potsdam – Es herrscht Uneinigkeit um die Zukunft des Hotels Mercure zwischen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und der Spitze der Pro Potsdam. Sie soll als kommunale Bauholding, zu der auch der Sanierungsträger für die Potsdamer Mitte gehört, den Kauf und Abriss des Ex-DDR-Interhotels abwickeln.

Jakobs meint, die Stadt müsse erst einmal mit dem neuen Eigentümer reden

Während Pro-Potsdam-Geschäftsführer Bert Nicke am Samstag gegenüber den PNN sagte, das Thema Kauf und Abriss des Hotels „sei de facto erstmal durch“, wollte Oberbürgermeister Jakobs nicht von dem Vorhaben abrücken. Er sagte den PNN, die Stadt müsse ins Gespräch mit dem neuen Eigentümer des Hotel Mercure gehen, der französischen Holding FDM Management. Dann werde man wissen, ob sie bereit sei, das Potsdamer Haus aus dem Paket von mehreren ehemaligen DDR-Interhotels herauszulösen. Dass es derzeit gar keine Chance mehr gebe, das Hotel zu erwerben, wollte Jakobs nicht bestätigen. Er will allerdings den Zeitplan für das Finanzkonzept zum Mercure-Erwerb strecken. Bislang sollte es innerhalb von vier Monaten vorliegen.

Nicke hatte dagegen erläutert, dass er derzeit keine Chance sehe, den Hotelbau zu erwerben, um ihn dann wie geplant längerfristig abzureißen. Hintergrund ist die jüngst erfolgte Veräußerung des Mercure vom US-Investmentfonds Starwood Capitals an die französische Holding FDM Management. Die Franzosen verfolgten eine andere Strategie als Starwood, erklärte der Pro-Potsdam-Manager. Sie hätten eine ganze Reihe ehemaliger DDR-Interhotels im Paket erworben und wollten ihre Immobilien länger halten.

Pro Potsdam wollte Hotel mindestens sechs Jahre selbst betreiben

Mit Starwood Capitals war die Pro Potsdam nach Angaben von Nicke bereits über einen Ankauf des Hotels Mercure im Gespräch. Im April und Mai habe es Kontakte nach München und London gegeben. Das Ziel: Das Potsdamer Haus aus dem Verkaufspaket herauszulösen. Das Kaufangebot der Stadt,  über dessen Höhe er Stillschweigen bewahren müssen, sei jedoch abgelehnt worden, so Nicke. Als Angebot hatte die Pro Potsdam schon ein Szenario entwickelt: Da das Land eine Förderung des Vorhabens abgelehnt hatte und laut Stadtverordnetenbeschluss auch kein Geld aus dem städtischen Haushalt zur Verfügung stehe, hätte die Pro Potsdam das Hotel für eine Restlaufzeit von sechs bis 20 Jahren selbst betrieben und zudem Ersatzflächen für das Haus aktiviert – und damit Geld eingenommen. „Da gab es Varianten, die realisierbar gewesen wären“, so Nicke. Aber nun sei auch dies Makulatur.

Nicke bezeichnete den jüngsten Beschluss der Stadtverordneten, mit dem die Sanierungsziele für die Mitte für einen Abriss des Mercure vorbehaltlich eines Finanzierungskonzepts geändert werden, als hinfällig. Oberbürgermeister Jakobs widersprach. Er will mit den Stadtverordneten beraten, ob der Zeitrahmen, in dem ein Finanzierungskonzept vorgelegt werden muss, verlängert werden kann. Dies müssten die Stadtverordneten bewerten. Sollte eine Mehrheit dieses Vorgehen ablehnen, wäre das dann der Abschied von der Idee eines Kaufs des Mercure-Hotels.

CDU-Fraktion will Zeitplan für Kauf-Finanzkonzept überprüfen

SPD-Fraktionschef Mike Schubert teilte auf Anfrage mit, die SPD werde sich gemeinsam mit dem Oberbürgermeister beraten: "Wir werden jetzt eine politische Neubewertung der Situation in der SPD besprechen." CDU/ANW-Fraktionschef Matthias Finken wurde da deutlicher: Man habe eine klare Zielsetzung, wo man hinwolle. Jetzt müsse der Zeitrahmen überprüft werden. Ansonsten könne die Stadt nur die gleichen Schritte wiederholen, die sie schon unternommen habe; also in Gespräche mit den Mercure-Eigentümern zu gehen.

Auch für Pro-Potsdam-Chef Nicke ist der Mercure-Abriss nicht für immer vom Tisch. „Es heißt nicht, dass die Chance für immer und ewig verpasst ist“, so Nicke. Man werde auch mit dem neuen Eigentümer reden. Doch das Hotel werde nicht billiger.

"Glücklicher zeitlicher Zusammenhang" mit dem Bürgerbegehren

Die Frage, ob die Pro Potsdam angesichts des großen Zulaufs für das laufende Bürgerbegehren, das sich unter anderem gegen den Kauf und Abriss des Hotels wendet, auf diese Weise einen Ausstieg aus ihren Plänen gesucht hätten, beantwortete Nicke so: Es sei „ein glücklicher zeitlicher Zusammenhang“. Mit dem Bürgerbegehren wäre es sicher schwieriger gewesen, das Konzept eines Eigenbetriebs des Hotels zu vermitteln.