• Kühlfahrzeuge sollen Potsdamer Weihnachtsmarkt schützen

Blauer Lichterglanz in Potsdam : Kühlfahrzeuge sollen Weihnachtsmarkt schützen

In der kommenden Woche eröffnet der Weihnachtsmarkt Blauer Lichterglanz in Potsdam. Jetzt laufen die Sicherheitsvorkehrungen.

Transporter am Potsdamer Weihnachtsmarkt sollen für Sicherheit gegen möglichen Terror sorgen.
Transporter am Potsdamer Weihnachtsmarkt sollen für Sicherheit gegen möglichen Terror sorgen.Foto: A. Klaer

Potsdam - Saisonauftakt mit Glühwein und „Oh du fröhliche“: Am kommenden Montag eröffnet Brandenburgs größter Weihnachtsmarkt, der Blaue Lichterglanz in der Brandenburger Straße. Wie auch im vergangenen Jahr sind die Vorbereitungen jedoch nicht nur von weihnachtlicher Vorfreude geprägt. Polizei und Veranstalter beschäftigen die Sicherheitsvorkehrungen vor möglichen Terroranschlägen, eine Nachwirkung des Lkw-Anschlags vom 19. Dezember 2016. Der Attentäter Anis Amri hatte auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz zwölf Menschen getötet, mehr als 60 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Die Brandenburger Polizei bereitet sich derzeit gezielt auf jeden einzelnen Markt vor. Denn nicht für ganz Brandenburg gelten dieselben Sicherheitsvorkehrungen. „Es wäre falsch, mit der Gießkanne über das ganze Land zu gehen“, sagt Mario Heinemann, Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums.

Sicherheitskonzept für Potsdam entwickelt

Von einer konkreten Gefährdung geht die Polizei zwar nicht aus. Dennoch bestehe immer eine abstrakte Gefahr, so Heiko Schmidt, Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion West. Für die Landeshauptstadt hat die Polizeiinspektion gemeinsam mit dem Veranstalter Coex aus Cottbus ein Sicherheitskonzept entwickelt, welches unter anderem vorsieht, die unkontrollierte Zufahrt für große Fahrzeuge zu verhindern. Direkt neben dem Brandenburger Tor und auf dem Luisenplatz soll jeweils ein großes Kühlfahrzeug positioniert werden. Beide Transporter sollen die ganze Zeit über, bis der Blaue Lichterglanz am 30. Dezember schließt, an Ort und Stelle bleiben. Darüber hinaus sollen alle kleineren Zufahrten zur Brandenburger Straße, etwa über die Hermann-Elflein-Straße, die Lindenstraße oder die Dortustraße mit Transportern der Händler versperrt werden. Von 11 Uhr, wenn der Markt öffnet, bis 20 Uhr, wenn der Weihnachtsmarkt in die Nachtruhe übergeht, sollen die Fahrzeuge auf den Kreuzungen stehen.

Mehr Polizei, Ordner und Zivilpolizisten im Einsatz

Auch Polizeipräsenz soll für mehr Sicherheit auf dem Markt sorgen: Einerseits sollen Polizeikontrollen eingesetzt werden, andererseits sollen Beamte Notfälle ihre Potsdamer Kollegen vor Ort unterstützen. Und auch zivile Polizei soll laut Eberhard Heieck, Geschäftsführer von Coex, auf dem Potsdamer Markt vertreten sein. Der Veranstalter selbst will außerdem für mehrere Ordner sorgen. Höhere Kosten wegen der Vorkehrungen entstünden für ihn nicht, so Heieck. Und auch die Standbesitzer würden nichts zu spüren bekommen, die Standgebühren hätten sich nicht verändert. Die Anzahl der Ordner möchte Heieck nicht preisgeben. Und auch die Polizei schweigt aus Sicherheitsgründen über die genaue Zahl der Beamten. „Die Lage hat sich nicht entspannt in Europa“, sagt Heinemann. Und Brandenburg liege nunmal im Herzen Europas. „Trotzdem wollen wir jedem Brandenburger ein sicheres Weihnachtsmarkterlebnis ermöglichen“, so der Sprecher.

Einsatz von Videokameras wird noch überprüft

Der Einsatz einer von der Polizei betriebenen Videoüberwachung auf dem Weihnachtsmarktgelände werde aktuell noch geprüft, teilt Schmidt mit. Die Polizei spricht sich hierfür noch mit Coex ab. Im vergangenen Jahr habe die Polizei zunächst von einem zu hohen Aufwand gesprochen, erinnert sich Heieck. Dennoch habe sie die Überwachung mittels Videokameras schlussendlich eingesetzt.

Eingesetzt worden waren Kameras im vergangenen Jahr, nachdem am 1. Dezember in Nähe des Blauen Lichterglanzes ein Paket mit Sprengstoff entdeckt worden war. Zunächst wurde der Fall als Terrorismus eingestuft. Später stellte sich heraus, dass es sich um eine Erpressung des Postdienstleisters DHL handelte, der das Paket zugestellt hatte. Das Landeskriminalamt hatte daraufhin eine 50-köpfige Besondere Aufbauorganisation (BAO) gegründet, um den Fall aufzuklären. Im vergangenen August wurde die BAO aufgelöst und stattdessen eine 15-köpfige Sonderkommission (Soko) gegründet, berichtet Heinemann, die Ermittlungen seien so gut wie abgeschlossen. Restspuren müssten noch geklärt werden, so der Sprecher. Welchen Umfang die Arbeiten an dem Fall noch haben, will er nicht veröffentlichen – um Tatverdächtige nicht zu weiteren Taten zu motivieren. Narzissmus spiele bei der Tat eine große Rolle, so Heinemann.

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