• Bittschriftenlinde in Potsdam: Der digitale Beschwerdebaum

Bittschriftenlinde in Potsdam : Der digitale Beschwerdebaum

Petitionen nimmt der Brandenburger Landtag künftig online an – über die Bittschriftenlinde. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs weihte dort eine neue Infotafel ein.

Stefan Engelbrecht
Eine Tafel informiert nun über die Geschichte der Bittschriften-Linde.
Eine Tafel informiert nun über die Geschichte der Bittschriften-Linde.Foto: A. Klaer

Potsdam - Die legendäre Bittschriftenlinde auf dem Otto-Braun-Platz ist künftig der direkte Draht zum Petitionsausschuss des Brandenburger Landtags. Am gestrigen Montag wurde eine Infotafel für den im Dezember vergangenen Jahres neu gepflanzten Baum vor dem Landtagsschloss enthüllt. Die Tafel ist mit einem sogenannten QR-Code versehen, über den man sich direkt mit der entsprechenden Internetseite des Ausschusses verbinden lassen kann. Dies seien zeitgemäße Wege der politischen Mitbestimmung, sagte Parlamentspräsidentin Britta Stark (SPD).

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagte, der Baum stehe im Herzen Potsdams. Dieses habe erst angefangen zu schlagen, als der Landtag eingezogen sei. Rund um den Alten Markt werde ein „sehr lebendiger Stadtteil“ entstehen, so Jakobs mit Blick auf den geplanten Abriss der Fachhochschule (FH) und den Bau von Wohnungen. Die Bittschriftenlinde stelle dafür einen historischen Bezug her. „Auch Friedrich der Große wäre zufrieden, wenn er das sehen könnte“, sagte der Vorsitzende des Petitionsausschusses, Henryk Wichmann (CDU). Die Tafel schlage einen Bogen von einem der ältesten Bürgerrechte in Preußen zur zeitgemäßen Einbringung von Petitionen an die Volksvertretung.

Baum vor dem königlichen Arbeitszimmer

Die historische Potsdamer Bittschriftenlinde stand am Stadtschloss vor dem Arbeitszimmer von Friedrich dem Großen (1712–1786). Sie soll während der Regierungszeit Friedrichs II. dessen Untertanen als Anlaufpunkt gedient haben, um Beschwerden oder Gesuche an den König zu richten. Im Volksmund hieß der Baum Bittschriftenlinde. Manche halten das aber auch für eine Legende.

Der originale Baum war 1949 auf Geheiß der SED gerodet worden – eine symbolische Aktion gegen das ungeliebte Preußen. Zur 1000-Jahr-Feier Potsdams 1993 hatte die Baumschule Lorberg in Ketzin der Stadt eine neue Linde spendiert. 15 Jahre gedieh sie am angestammten Platz, bevor sie 2008 wegen des Verkehrsumbaus in der Potsdamer Mitte und der Errichtung des Landtagsschlosses in eine Baumschule in Nuthetal umquartiert werden musste. Erst Ende 2015 kehrte der Baum wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück. Inzwischen ist der Baum – wie das Original eine Kaiserlinde – rund elf Meter hoch.

Kosten übernimmt die Bauholding Pro Potsdam

Die Idee mit der Infotafel und dem QR-Code hatte übrigens der Vorsitzende des Petitionsausschusses, Wichmann. Die Kosten von rund 1500 Euro übernahm die stadteigene Bauholding Pro Potsdam und verwendete dafür Mittel aus der Städtebauförderung des Bundes und des Landes. Diskussionen gab es aber über die Größe der Infotafel. So war zunächst wie an anderen historischen Ort nur ein DIN- A4-Format geplant, jetzt hat sie die Größe DIN A3. „Das war das Maximale dessen, was ich bei der Verwaltung rausholen konnte“, so Jakobs.