• Bis zu 100 Flüchtlinge für Groß Glienicke Kritik an Informationen durch Stadtverwaltung

Potsdam : Bis zu 100 Flüchtlinge für Groß Glienicke Kritik an Informationen durch Stadtverwaltung

Groß Glienicke - Im Februar oder März 2015 könnte es soweit sein: Dann werden etwa 80 bis 100 Flüchtlinge in das Hortgebäude der ehemaligen Waldschule in Groß Glienicke einziehen. Gut 600 000 Euro soll der Umbau zu einem Übergangswohnheim kosten. Darüber informierte Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos) am Montagabend Einwohner in der Aula der Grundschule im Hechtsprung.

Der Informationsbedarf der Groß Glienicker war offensichtlich groß. Es gab keinen freien Platz mehr in der Schulaula. Zusätzliche Stühle wurden herangeschafft. Insgesamt waren etwa 250 Menschen gekommen. Während der anderthalbstündigen Veranstaltung blieb der Ton dann überwiegend sachlich. Kritik gab es an der Stadtverwaltung vor allem, weil einige Groß-Glienicker offenbar nicht die Einladung zur Infoveranstaltung erhalten hatten und so nur zufällig von dem Termin erfuhren – darunter die direkten Anwohner der künftigen Flüchtlingsunterkunft. „Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt“, beklagte sich ein Anwohner. Das Land habe die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge in diesem Jahr mehrfach nach oben korrigiert, so Müller-Preinesberger. Die Stadt habe die Informationen so schnell wie möglich weitergegeben.

Aussuchen kann es sich die Stadt tatsächlich nicht, ob sie Flüchtlinge aufnimmt. 5,9 Prozent der nach Brandenburg kommenden Asylbewerber muss Potsdam entsprechend seines Anteils an der Bevölkerung des Landes aufnehmen. In diesem Jahr sind das 396 Menschen – bisher. Davon hat die Stadt bislang knapp die Hälfte unterbringen können. Und im kommenden Jahr wird der Bedarf nach Erwartung der Verwaltung nicht sinken, sodass zwischen 630 und 700 Plätze bis Ende 2015 gebraucht werden.

Die Kapazitäten dafür muss die Stadt nun schaffen, so Müller-Preinesberger. Neben der Unterkunft in Groß Glienicke sollen weitere 100 Plätze in einem Gebäude in der Tornowstraße auf Hermannswerder entstehen, das bislang vom Potsdam Museum als Lager genutzt wird. Hinzu kommen wie berichtet Unterkünfte für bis zu 150 Flüchtlinge am vor fünf Jahren aufgegebenen Standort des alten Asylheimes im Lerchensteig – und ein sogenanntes Wohnungsverbundsystem in der Grotrianstraße im Wohngebiet Am Stern mit Platz für bis zu 40 Personen.

Zustimmung zu den Plänen signalisierte Ortsvorsteher Franz Blaser (SPD). Auch meldeten sich zahlreiche Bürger, die Hilfe bei der Betreuung der Flüchtlinge anboten. Aber nicht alle teilten diese Haltung. CDU-Ortsvorsitzender Jörg Manteuffel sagte, er befürchte, „dass kriminalisierte Asylsuchende wie in der Berliner Gerhart-Hauptmann-Schule hierher kommen“. Die Kriminalität sei im Umfeld der Flüchtlingsunterkünfte nicht gestiegen, erwiderte Müller-Preinesberger. Marco Zschieck

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