• Biotonnen für 3000 Haushalte in Potsdam

Potsdam : Biotonnen für 3000 Haushalte in Potsdam

In der Stadt soll ab 2015 ein neues Mülltrennsystem gelten. Die Mehrkosten sind noch unklar

Günter Schenke

Potsdam-West - Dreitausend Haushalte in Potsdam-West erhalten dieser Tage sogenannte Biotonnen. Als „Pilotprojekt“ bezeichnet die Stadtverwaltung die Aufstellung der braunen Behälter. „Ziel ist es, den Anteil biogener Abfälle im Restmüll zu minimieren“, sagte Beigeordnete Elona-Müller-Preinesberger (parteilos) am Dienstag bei der Vorstellung der Details im Rathaus.

Für die Stadtentsorgung Potsdam (Step) bringt die Biotonne zusätzlichen Aufwand und Fahrtouren, über deren Umfang die Pilotphase Auskunft geben soll. Zur stadtweiten Einführung ab 2015 sind Tausende neuer Tonnen mit Kosten je nach Größe zwischen 30 und 100 Euro pro Teil erforderlich.

Das ausgewählte Testgebiet ist das Wohngebiet nördlich der Zeppelinstraße von der Graben- bis zur Forststraße und Im Bogen. Einbezogen sind die Kantstraße und die Kastanienallee bis zur Geschwister-Scholl-Straße. Das Gebiet sei so ausgewählt worden, dass alle Gebietsstrukturen vom Einfamilienhaus bis zur Großwohnanlage vorkommen, heißt es.

Die Einführung der neuen Behälter sei ein gesetzliches Erfordernis. Müller-Preinesberger ist darüber hinaus überzeugt: „Das sind Wertstoffe.“ Wie sich die Entsorgungsgebühren ändern, könne laut Auskunft von Marlene Zierock, Leiterin der Arbeitsgruppe Abfallentsorgung im Rathaus, erst nach Auswertung der Pilotphase kalkuliert werden. „Die Bio-Entsorgung wird nicht umsonst sein“, fügt sie hinzu. Die Pilotphase sei für die Teilnehmer jedoch kostenfrei.

Rechtliche Grundlage für die Einführung der Biotonne sei das „Kreislaufwirtschaftsgesetz“ des Bundes vom 1. Juni 2012. Demnach kann auf die Bio-Entsorgung nur verzichtet werden, wenn diese wirtschaftlich nicht zumutbar oder technisch nicht machbar ist.

Step-Geschäftsführer Enrico Munder stellte gestern zwei neue Behälter vor, einer war durchgehend braun, der andere schwarz mit braunem Deckel. Dieser Deckel hat es in sich, denn er enthält einen Filter als Geruchskiller. Zudem schließt seine Gummidichtung den Behälter hermetisch von der Umwelt ab. Sechs Euro mehr als die einfache Ausführung soll die komfortablere Tonne kosten.

In die Biotonne kann alles hinein, was an Küchenabfällen und Lebensmittelresten im Haushalt anfällt. Dazu kommen Grünabfälle einschließlich Laub und Rinde. Zum Bio gehören ebenfalls Eierkartons aus Pappe, Papiertaschentücher und Zeitungspapier zum Einwickeln. Zum gesamten „Bio-Sortiment“ und dessen Behandlung gibt es ein Faltblatt für alle Haushalte. Ferner findet am 30. Mai von 10 bis 19 Uhr am Rewe-Markt in der Haeckelstraße eine Bürgerinformation statt.

Denn nur wenn die Teilnehmer ihren Bio-Müll auch trennen, könne die Probephase erfolgreich verlaufen, so Müller Preinesberger. Eine Analyse des Restabfalls hatte zuvor ergeben, dass 42 Prozent der Stoffe im grau-schwarzen Restmüllbehälter organische Stoffe sind. Nur 30 Prozent waren tatsächlich Restmüll. Auch deshalb sei die Einführung der neuen Tonnen geboten. Diese gibt es in drei verschiedenen Größen: 120, 240 und 600 Liter. Die Step entleert sie wöchentlich jeden Montag; in den Wintermonaten von Dezember bis März im Zweiwochenrhythmus. Einzig in der Forst- und Ungerstraße wird eine durchgehende 14-tägige Entleerung getestet.

Step-Geschäftsführer Munder zeigte, dass es im Haushalt sinnvoll sei, kompostierbare Papiertüten zu verwenden und ein Vorsortiergefäß aufzustellen. Die Papiertüten soll es zu Beginn des Pilotprojekts kostenlos geben. Auf keinen Fall dürften Bioabfälle in herkömmlichen Müllbeuteln aus Folie landen. Methode der Wahl sei es, Kartoffel- und Obstschalen und andere organische Abfälle in Zeitungspapier einzuwickeln. Vorerst gelangen die in Potsdam anfallenden Bio-Abfälle in die Kompostanlage der Biowork-GmbH in Groß Kreutz. „Biogene Abfälle können neben der Kompostierung aber auch der Energieerzeugung dienen“, sagte Müller-Preinesberger. Dazu sei der Bau von Gäranlagen notwendig. „Aber so weit sind wir noch nicht“, so die Beigeordnete.

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