• Potsdams weiterführende Schulen im Vergleich

Bildung in Potsdam : Potsdams weiterführende Schulen im Vergleich

Prüfungsergebnisse, Abiturquoten, PC-Ausstattung: Zwischen den Potsdamer Schulen gibt es große Unterschiede. Ein Überblick.

Das Helmholtz-Gymnasium erzielte überdurchschnittlich gute Abi-Ergebnisse - sogar bessere als das Humboldt-Gymnasium.
Das Helmholtz-Gymnasium erzielte überdurchschnittlich gute Abi-Ergebnisse - sogar bessere als das Humboldt-Gymnasium.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - An Potsdamer Gymnasien, Gesamt- und Oberschulen werden weiterhin sehr unterschiedliche Prüfungsergebnisse erreicht. Das ist das zentrale Ergebnis einer von den PNN vorgenommenen Internetrecherche, bei der Daten des Bildungsservers des Landes Brandenburg gegenübergestellt wurden. Bisher sind diese unter der Adresse www.bildungsserver.berlin-brandenburg.de lediglich einzeln abrufbar, ein Vergleich der Daten miteinander ist nur mit Hilfe vieler Mausklicks möglich.

Die Übersicht soll dabei auch als Hilfe im laufenden Ü7-Verfahren dienen, bei dem Hunderte Potsdamer Familien gerade entscheiden, wie es für ihre Sechstklässler schulisch weitergeht. Gerade Eltern, für deren Kinder eigentlich eine Gesamtschule infrage käme, hatten zuletzt beunruhigende Nachrichten erhalten: So sollen Grundschüler an den in Potsdam beliebten Gesamtschulen nach dem Wohnortprinzip aufgenommen werden, Neigungen und damit das gewünschte Profil der Einrichtungen sollen keine große Rolle mehr spielen. 

Die Zahlen zu Potsdams weiterführenden Schulen.
Die Zahlen zu Potsdams weiterführenden Schulen.Gitta Pieper-Meyer/PNN

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Prüfungsergebnisse

Als ein wichtiger Wert sind auf dem Bildungsserver die durchschnittlichen Prüfungsergebnisse in der zehnten Klasse und in den Leistungskursen zum Abitur aufgelistet – im Vergleich zum Landesschnitt. Dort erreicht zum Beispiel bei den Gesamtschulen die Steuben-Schule 2018 nur unterdurchschnittliche Werte. So lag bei der Prüfung am Ende der 10. Klasse der Landesschnitt im Fach Mathe bei der Note 2,8, an der Steuben-Schule dagegen bei 3,8. Wie berichtet war die Schule im vergangenen Jahr nach einem anonymen Brief in die Schlagzeilen geraten, in dem es hieß, dass sich unter anderem wegen Bedrohungen und Mobbing eine Angstkultur an der Gesamtschule etabliert habe. Inzwischen gibt es eine neue Schulleitung, zudem hatte das Bildungsministerium mit einem Maßnahmenplan reagiert – und zuletzt von einer „Aufbruchstimmung“ an der Schule geschwärmt, was auch Kreiselternratssprecher Markus Kobler den PNN bestätigte.

Auch andere Prüfergebnisse sind auffällig. So hat die neu gebaute Leonardo-Da-Vinci-Gesamtschule im Bornstedter Feld im vergangenen Jahr erstmals Zentralabiturprüfungen abgenommen – mit mäßigen Ergebnissen. Beispiel: der Leistungskurs Englisch, in dem die Schüler im Schnitt mit 5,6 von 15 Punkten abschnitten, was deutlich unter dem Landesschnitt liegt. Auch bei Deutsch und Mathe blieben die Ergebnisse unter dem Schnitt. Solche Werte registriert man auch im Bildungsministerium mit Aufmerksamkeit. „Alle Schulen müssen darstellen, welche Maßnahmen sie ergreifen, um die Ergebnisse im Abitur zu verbessern“, sagte Ministeriumssprecher Ralph Kotsch auf Anfrage. 

Insbesondere bei unterdurchschnittlichen Ergebnissen würden die Einrichtungen aktuell durch die Schulaufsicht bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen begleitet – zum Beispiel Fortbildungen für Lehrer. 

Noch nicht auf dem Bildungsserver direkt vergleichbar dargestellt ist auch die Entwicklung, wie sich bestimmte Prüfergebnisse in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Dazu muss man die einzelnen Jahreswerte umständlich nebeneinanderlegen. Positiv fällt dabei etwa auf, dass das Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Babelsberg bei den Deutschprüfungen der zehnten Klasse mit dem Notenschnitt 2,5 knapp über dem Landesschnitt liegt – im Vorjahr 2017 war man dort 0,8 Punkte schlechter. Auch an der Fontane-Oberschule lag der Schnitt bei Deutsch zuletzt bei 3,5 – im Jahr vorher dagegen schlechter bei 4,2.

Generell aber lagen die Ergebnisse der Zehntklässler in den Potsdamer Oberschulen – mit Ausnahme der Montessori-Oberschule – unter den Landeswerten. Durchgängig bessere Leistungen erreichten die Schüler 2018 wiederum in der Voltaire-Gesamtschule, am Helmholtz- sowie am Humboldt-Gymnasium. Unter den privaten Schulen stach erneut besonders das Evangelische Gymnasium der Hoffbauer-Stiftung hervor – während etwa die Werte des Schiller-Gymnasiums unter den Landesmargen lagen. 

Abiturberechtigung

Erhebliche Unterschiede gibt es weiterhin bei dem Wert, wie viel Prozent der Zehntklässler an einer Schule überhaupt die Berechtigung erhalten, in der Sekundarstufe II das Abitur abzulegen. Gerade bei den Gesamtschulen sind die Abweichungen auch 2018 groß: Während etwa an der Voltaire-Schule überdurchschnittlich viele Schüler die Sekundarstufe II erreichten, lagen diese Anteile an der Gesamtschule am Schilfhof und der Steuben-Schule unter den Landeswerten, ebenso in etwas geringerem Maße die Da-Vinci-Gesamtschule. Bemerkenswert: In der Lenné-Schule waren 2017 noch 79,4 Prozent der Schüler abiturberechtigt, jetzt waren es noch 61,4 Prozent.

Bei den Oberschulen hat lediglich die Montessori-Schule überdurchschnittlich gute Daten, die auslaufende Coubertin-Schule fällt besonders ab. Die Gymnasien und auch die Elite-Sportschule brachten jeweils fast 100 Prozent ihrer Schüler in die Abiturstufe. Nicht beantwortet wird bei der Aufstellung allerdings die Frage, wie viele der etwa an einem Gymnasium beschulten Schüler dann wirklich das Abitur ablegen – oder ob sie unterwegs auf der Strecke bleiben. 

Computerausstattung

Differenzen bleiben auch bei der Computerausstattung in den Schulen. Die meisten Computer pro Schüler können die Elite-Sportschule und die Gesamtschule am Schilfhof anbieten: Dort können sich drei Schüler einen mit dem Internet verbundenen Rechner teilen. Erhebliche Unterschiede gibt es weiterhin bei den Oberschulen: Kollwitz- und Coubertin-Schule sind laut den Daten des Bildungsservers gut ausgerüstet, die Fontane- und besonders die Montessori-Oberschule, auch wegen ihres Profils, dagegen wesentlich schlechter. Zuständig für die IT-Technik ist bei den öffentlichen Schulen die Stadt Potsdam, die aufgrund Personalmangels zuletzt Probleme hatte, selbst neue Technik anzuschließen. Nicht im Bildungsserver enthalten sind zum Beispiel Angaben, wie modern die Klassenzimmer tatsächlich ausgerüstet sind – beispielsweise mit Whiteboards. Auch die Qualität der Fachkabinette für Chemie oder Physik wird dort nicht erfasst. 

Ausfallstunden

Laut den Daten des Bildungsservers gab es im vergangenen Jahr die wenigsten Ausfallstunden für Schüler an der Montessori- und der Voltaire-Schule, ebenso am Hannah-Arendt-Gymnasium. Vergleichsweise hoch dagegen war der Anteil der Ausfallstunden an der Gesamtschule am Schlaatz. Auffällig sind ferner die hohen Anteile an Stunden, die an der Steuben-Schule, aber auch an der Kollwitz-Schule oder am Suttner-Gymnasium vertreten werden mussten – vor allem aus Krankheitsgründen, aber auch etwa wegen Fortbildungen der Lehrer. Die Schulen in privater Trägerschaft veröffentlichten solche Daten nicht – die Selbsteinträge der Schulen auf dem Bildungsserver Brandenburg sind freiwillig.

Klassenstärke

Die Durchschnittsgröße der Klassen in den Schulen ist im Bildungsserver nur in Einzelfällen ausgewiesen. Vom Ministerium hieß es auf Anfrage, die Mehrzahl der Potsdamer Klassen habe weniger Schüler als möglich oder genauso viel. Im weiterführenden Bereich liegt die empfohlene Spanne zwischen 25 und 27 Schülern pro Klasse. 

152 Klassen liegen in diesem Bereich und davon in mehr als 70 Fällen sogar darunter. In 75 Klassen waren zum Stichtag im vergangenen Sommer genau 28 Schüler, 23 Klassen hatten sogar bis zu 30 Kinder.