• Bilanz des Gründflächenamts: 490 neu gepflanzte Bäume gegen 765 Fällungen

Bilanz des Gründflächenamts : 490 neu gepflanzte Bäume gegen 765 Fällungen

Die Stadt Potsdam hat wegen großer Trockenheit so viel neugepflanzt wie seit Jahren nicht mehr.

Letzter Baum der Pflanzperiode: Eine Stechpalme wurde in die Erde gesetzt von Umweltdezernent Rubelt und Lars Schmäh (r.) vom Grünflächenamt.
Letzter Baum der Pflanzperiode: Eine Stechpalme wurde in die Erde gesetzt von Umweltdezernent Rubelt und Lars Schmäh (r.) vom...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Es war eine ungewöhnlich späte Pflanzung für diese Saison: Am Freitag brachte Potsdams Umweltbeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) in der Mövenstraße in Klein Glienicke eine Europäische Stechpalme, den Baum des Jahres 2021, in die Erde. „Normalerweise pflanzen wir nur von Oktober bis April, aber da der April so kühl war, waren wir diesmal etwas länger aktiv“, sagt Lars Schmäh, kommissarischer Fachbereichsleiter Klima, Umwelt und Grünflächen. Die immergrüne Stechpalme ist besonders geschützt und wächst in unseren Breiten eher strauchartig, vor allem in Laubwäldern. Meist wird sie zwei bis fünf Meter groß, unter besonderen Bedingungen kann sie aber auch eine Höhe von bis zu 15 Metern erreichen.

Straßenbäume müssen besonders widerstandsfähig sein

Die Stechpalme gehört nur zum Teil zu den klimaresistenten Gewächsen: Klimatische Extreme verträgt sie schlecht, allerdings gilt sie als recht zählebig, wenn die örtliche Früh- und Spätfrostgefahr nicht zu extrem ist und der Boden nicht allzu sehr austrocknet. Aufgrund der zunehmend milderen Winter kann sie hierzulande mehr Verbreitung finden. Und sie ist sehr vogel- und insektenfreundlich.

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Die Stechpalme ist einer von 490 Bäumen, die die Stadtverwaltung seit dem Herbst neu gepflanzt hat. Ein Schwerpunkt lag dabei auf Straßenbäumen, die laut Schmäh besonders widerstandsfähig sein müssen: „Die Bäume sind Streusalz, Vandalismus und Hunde-Urin ausgesetzt; wenn ein Straßenbaum hundert Jahre alt wird, ist das schon beachtlich.“


Gepflanzt wurden unter anderem besonders trockenresistente Ulmen und Zerreichen. Auch viele Platanen, Robinien, Japanische Schnurbäume, etwa in der Behringstraße, und Baummagnolien wurden gepflanzt, von letzteren allein 30 Stück in der Babelsberger Turnstraße.

Straßenbäume müssen besonders robust und widerstandsfähig sein.
Straßenbäume müssen besonders robust und widerstandsfähig sein.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Überhaupt lag der Fokus des Grünflächenamtes stark auf dem Stadtteil Babelsberg: Dort wurden 183 Pflanzungen vorgenommen, gefolgt von der Teltower Vorstadt mit 85 Bäumen, dem Bornstedter Feld mit 59 Bäumen, der Innenstadt mit 51 Bäumen und Potsdam West mit 21 Bäumen. Auch am Campus Jungfernsee wurden viele neue Bäume gepflanzt, vor allem Robinien. Den Neupflanzungen stehen allerdings 765 Baumfällungen gegenüber, die im Jahr 2020 vorgenommen werden mussten – zur Verkehrssicherung, aber auch wegen Rodungen für Bauprojekte.

Die hohe Zahl der Fällungen ist laut Stadtverwaltung besonders auf die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre zurückzuführen: Die Sommer 2018, 2019 und 2020 waren geprägt durch extrem hohe Temperaturen bei gleichzeitig extrem geringen Niederschlägen. Das haben viele Bäume nicht verkraftet. „Die Versorgung mit schattenspendenden und nachhaltig temperaturregulierenden Bäumen wird mit der erwarteten weiteren Zunahme von Hitzetagen in unserer Stadt immer wichtiger und darauf müssen wir als Landeshauptstadt reagieren“, sagte der Beigeordnete Rubelt.

765 Bäume wurden im vergangenen Jahr gefällt

Die 490 Neupflanzungen können zwar die zuletzt 765 Fällungen nicht aufwiegen, dennoch sei es im Vergleich zu den Vorjahren ein großer Schritt nach vorne: „In den letzten Jahren hatten wir vielleicht 100, 200 oder 300 Neupflanzungen pro Saison“, sagt Schmäh. „Aber wir haben auch wegen der Trockenheit viel nachzuholen aus den vergangenen Jahren.“ Die Verwaltung wolle daher das Level von 490 Neupflanzungen jährlich halten. Dazu kommt der Plan, in den nächsten drei Jahren zusätzlich 1000 neue Bäume in Potsdam zu pflanzen: Die Stadtverordneten hatten im Mai einem entsprechenden Antrag der Grünen zugestimmt, damit würden bis 2024 pro Jahr 333 weitere Bäume zu den Neupflanzungen hinzukommen.

Die Kosten pro Baum liegen bei 2000 Euro

„Ich bin froh, dass die Stadtverordneten das beschlossen haben, auch wenn die Finanzierung schwierig wird“, sagte Andreas Walter, Geschäftsführer der Stadtfraktion der Grünen. Pro Baum müssten rund 2000 Euro gerechnet werden, sagte Schmäh, die Stadt geht daher pro Jahr von zusätzlichen Kosten von rund 670 000 Euro aus.

Dies müsse bei den Haushaltsverhandlungen abgewogen werden, so Rubelt, gab aber auch zu bedenken, dass die Neupflanzungen eine Investition in die Zukunft seien: „Der Klimawert eines Baumes – als Schatten, Kühlung, Sauerstoffproduktion – rechnet sich erst nach fünf bis zehn Jahren“, sagte Rubelt.

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