• Biergarten in Potsdam: Bürgershof soll Wohnhaus weichen

Biergarten in Potsdam : Bürgershof soll Wohnhaus weichen

Eigentümer bereitet Bauantrag vor - für ein Wohnhaus mit 25 Metern Breite.

Klein Glienicke - Nach dem Aus für den traditionsreichen Bürgershof, einer der schönsten Potsdamer Biergärten, will der Eigentümer dort nun neu bauen lassen. Derzeit bereite er einen Bauantrag vor, sagte Inhaber Gunnar Schnabel am Montag auf PNN-Anfrage. Es gehe um ein Wohnhaus mit 25 Metern Breite. Werde das nicht genehmigt, wolle er Amtshaftungsansprüche gegen die Potsdamer Denkmalbehörde geltend machen.

Mitte März hatte Schnabel die Schließung der Anlage mit 600 Sitzplätzen verkündet – dabei ist das Ausflugsziel gerade im Sommer beliebt, gelegen am Wasser direkt gegenüber dem von der Schlösserstiftung verwalteten Welterbepark Babelsberg. Die Schuld für das Aus gab der Berliner Anwalt dem aus seiner Sicht rechtswidrigen Agieren der Schlösserstiftung und der Stadt Potsdam. Bis heute habe er keine Genehmigung für die Umgestaltung der Außenanlage des Bürgershofes erhalten, monierte er am Montag. Die Stadtverwaltung hatte die Kritik zurückgewiesen (PNN berichteten).

Schnabel sagte, es hätten sich auch Stadtpolitiker wie der Bauausschusschef Ralf Jäkel (Linke) oder CDU-Oberbürgermeisterkandidat Götz Friederich bei ihm gemeldet. „Das war sehr nett, ist aber angesichts der Verweigerungshaltung der Stadt Potsdam wirkungslos.“

Ein Konflikt, der seit Jahren besteht

Der Konflikt schwelt seit Jahren. Schon vor zwei Jahren hatte der Eigentümer zwei Bauvorbescheidsanträge für zwei Mehrfamilienhäuser gestellt – damals hatte Schnabel die Pläne nur als Option dargestellt. Die städtische Denkmalschutzbehörde hatte damals zumindest den Teil der Baupläne für die Fläche der heutigen Stehbierhalle abgelehnt. Dagegen hat Schnabel aber Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht, einen Termin für das Verfahren gibt es aber noch nicht. Beantragen wolle er nun eine noch massivere Bauvariante – auch das sei nach entsprechenden Urteilen so möglich, gibt sich Schnabel sicher. Denn schon das Potsdamer Verwaltungsgericht habe 2008 festgestellt, dass für das Bürgershof-Areal kein Sichtachsenschutz bestehe. Die Potsdamer Denkmalpflege musste damals eine Erlaubnis für den – nie erfolgten – Wiederaufbau des Hotels Bürgershof erteilen, das 1971 für den DDR-Grenztodesstreifen gesprengt worden war. Schützenswerte Sichtbeziehungen in dem Bereich seien zerstört und könnten von einer angemessenen Bebauung nicht weiter beeinträchtigt werden, so der Tenor des Urteils aus Sicht von Schnabel. Seine Interessen an einer sinnvollen wirtschaftlichen Nutzung des Grundstücks würden überwiegen.

Bereits im vergangenen August war bekannt geworden, dass Schnabel den Vertrag mit dem langjährigen Pächter beendet hatte und das Lokal selbst bewirtschaften wollte. Danach mehrten sich die Hinweise über eine dauerhafte Schließung des Etablissements. 

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KOMMENTAR: Versuch - Henri Kramer über das bedauerliche Aus für den Bürgershof

Der Gaststätten-Standort Waldmüllerstraße an der Glienicker Lake hat eine lange Geschichte – wenige andere Stellen in Potsdam sind für einen Biergarten so geeignet. Doch mit dem Relaxen in Wasser- und Welterbeparknähe ist nun Schluss: Der Eigentümer des Bürgershofs hat sich mit der Stadtverwaltung heillos überworfen und plant dort nun stattdessen eine Wohnbebauung.

Das Vorgehen steht exemplarisch für Konflikte in einer wachsenden Stadt, wo es für Investoren im Zweifelsfall mehr Rendite bringt, in Wohnungen zu investieren als einen gerade im Sommer beliebten öffentlichen Treffpunkt zu erhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass sich bisher die Zahl der Wortmeldungen zu dem Vorgehen arg in Grenzen gehalten hat – nur der Bauausschusschef Ralf Jäkel sowie der CDU-Oberbürgermeisterkandidat Götz Friederich haben bisher versucht, mit dem Eigentümer zu reden.

Ein solch aktives Engagement hätte man sich auch aus dem Rathaus selbst gewünscht – schließlich geht es eben nicht um irgendeinen Treffpunkt, sondern um eines der schönsten Ausflugsziele für eine Sommer-Radtour. Natürlich hätten solche Schritte – ein Arbeitskreis mit dem Eigentümer, eine Mediation – scheitern können, ohne Frage. Aber zumindest einen Versuch wäre es wert gewesen.

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