• Bibliotheken: Vom Bücherverwalter zum „Problemlöser“

Bibliotheken : Vom Bücherverwalter zum „Problemlöser“

Landesprojekt zur Zukunft der Bibliotheken: Stadt- und Landesbibliothek erarbeitet Aufgabenkatalog

Kräne drehen sich über der Bodenplatte des zukünftigen Landtages auf dem Alten Markt. Das Untergeschoss soll Anfang August 2011 fertiggestellt sein.
Kräne drehen sich über der Bodenplatte des zukünftigen Landtages auf dem Alten Markt. Das Untergeschoss soll Anfang August 2011...Foto: Bernd Settnik

Innenstadt - Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan: Die Stadt- und Landesbibliothek werde „planmäßig Anfang 2013“ im neuen, alten Domizil Am Kanal eröffnen können. „Es geht Stein um Stein voran“, sagte Bibliotheksleiterin Marion Mattekat gestern am Rande eines Zukunftstreffens der brandenburgischen Bibliotheken. Wie berichtet wird die Bibliothek den neuen „Wissensspeicher“ gemeinsam mit der Volkshochschule beziehen. Der Umbau des 1974 eröffneten Gebäudes kostet früheren Angaben zufolge etwa 11,2 Millionen Euro, 6,1 Millionen davon übernehmen die Stadt und der Kommunale Immobilien Service (KIS), der Rest des Geldes kommt aus EU- und Bundesfördertöpfen.

Aber nicht nur die Schale des Baus am Platz der Einheit soll moderner werden, auch inhaltlich orientiert sich die Bibliothek neu – bereits vor dem Umzug: So soll noch in diesem Jahr die sogenannte „Onleihe“ angeboten werden, bei der die Bibliotheksnutzer E-Books ausleihen können, wie Mattekat erklärte.

In den vergangenen Monaten entwickelte die Bibliotheksleiterin mit ihrem 30-köpfigen Team zudem ein neues Leitbild für das Haus: Als eine von brandenburgweit 21 Bibliotheken nahm die Stadt- und Landesbibliothek an dem Programm „Zukunftskonzepte für öffentliche Bibliotheken“ teil, das am gestrigen Dienstag mit einer Tagung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) am Neuen Markt seinen vorläufigen Abschluss fand. Dabei haben die Bibliotheken unter professioneller Begleitung Konzepte für die zukünftige Ausrichtung erarbeitet. Der Grundtenor: Bibliotheken sollen über Ausleih- und Medienangebote hinaus ihre Funktion als „Problemlöser im kommunalen Bereich“ finden oder ausbauen.

Die Potsdamer Bibliothek will dabei vier Schwerpunkte setzen, sagte Mattekat: So soll es zur Leseförderung verstärkt Kooperationen mit Grundschulen und Kitas geben. Der Ausbau der Medienkompetenz sei ein zweiter Schwerpunkt. Durch die geplante Verknüpfung mit der Volkshochschule soll das Thema „lebenslanges Lernen“ in den Fokus rücken, zudem soll die Bibliothek ein „Ort der kulturellen Bildung“ und „generationenübergreifender Treffpunkt“ sein, zitierte die Direktorin aus dem 60-seitigen internen Zukunftspapier, das in den kommenden Monaten noch in der Verwaltung diskutiert werden soll, ehe es öffentlich vorgestellt wird.

„Vieles davon machen wir jetzt schon“, erklärte Mattekat. Mit dem neuen Papier soll ihr Haus aber erstmals einen klaren Aufgabenkatalog mit messbaren Zielen bekommen.

Denn genau an einem klaren Auftrag fehle es momentan vielerorts, kritisierte Meinhard Motzko von der Organisations- und Projektentwicklung Bremen, der bereits bundesweit 200 Bibliotheken bei der Konzeptfindung begleitet hat. Er plädierte dafür, Zielgruppen und Ziele der Arbeit klar zu definieren. Voraussetzung dafür seien genaue Daten und Fakten über das Einzugsgebiet und eine Evaluierung der beschlossenen Maßnahmen.

Brandenburgweit gibt es 140 hauptamtliche und 80 nebenamtliche Bibliotheken, sagte Hajo Cornel, Abteilungsleiter im Kulturministerium. Mit jährlich gut 2,75 Millionen Besuchen und mehr als neun Millionen Ausleihen handele es sich um die „am meisten nachgefragten Kultureinrichtungen“.

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