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Bibliothek eröffnet : Ein Ort zum ungestörten Schmökern

Das Helmholtz-Gymnasium eröffnet eine Bibliothek – auch mit den Büchern eines ehemaligen Schülers

Sarah Stoffers
Leseratten. Bei der Eröffnung stöberten die Schüler des Helmholtz-Gymnasiums in den Büchern und probierten die neuen Laptops. Einige Regale stehen noch leer.
Leseratten. Bei der Eröffnung stöberten die Schüler des Helmholtz-Gymnasiums in den Büchern und probierten die neuen Laptops....Foto: Andreas Klaer

In einer langen Schlange stehen die Schüler an, um sich ihre Ausweise für ihre ganz eigene Bibliothek abzuholen. Einige der Regale in dem fensterlosen Raum sind bereits gut bestückt. Selbst eine Benutzerordnung hängt schon an der Tür und eine gemütliche Sitzecke lädt zum ungestörten Schmökern ein. Mit Unterstützung des Freundeskreises, des Fördervereins, von Schülern und Lehrern – und eines ehemaligen Potsdamers – konnte das Helmholtz-Gymnasium in seinem Gebäude nahe dem Nauener Tor am Mittwoch eine kleine Bibliothek eröffnen.

„Für mich ist das wie Heiligabend“, sagt die Schulleiterin Grit Steinbuch bei der Eröffnung. Schon vor vier, fünf Jahren habe eigentlich festgestanden, dass die Schule eine Bibliothek haben soll, so Steinbuch. „Wir haben wirklich viele Schüler, die sehr gerne lesen.“ So richtig ins Rollen kam die Idee aber erst 2015, als der ehemalige Schüler, Günter W. Zwanzig, dem Gymnasium seine umfangreiche Sammlung an Büchern überließ.

Der 85-Jährige ist in Potsdam aufgewachsen und besuchte in der Nachkriegszeit das Viktoria-Gymnasium, das 1946 nach einem der berühmtesten Schüler der Schule, Hermann von Helmholtz umbenannt wurde. Später ging Zwanzig nach Mühlheim an der Ruhr, studierte unter anderem in Erlangen, Bonn, Göttingen und Mainz Rechtswissenschaften. Von 1972 bis 1984 war er der Oberbürgermeister von Weißenburg in Mittelfranken. „Zwanzig hat wohl jedes Buch, jede Karte und jeden Heftchen über Potsdam gesammelt, die erschienen sind“, erzählt Birgit Malik, die mit im Vorstand des Freundeskreises sitzt. Die großzügige Spende war der Auftakt für die Bibliothek. Nach den Sanierungen an der Schule zwischen 2012 bis 2016 konnte das Projekt dann Gestalt annehmen.

Die Bibliothek wurde im ehemaligen Lehrerzimmer eingerichtet. Der Freundeskreis hat Buchpatenschaften ins Leben gerufen, um die Regale mit Büchern bestücken zu können. Auf der Webseite der Schule kann man aus einer Liste sein Lieblingswerk auswählen und mit einem Beitrag auf das Spendenkonto wird das Buch dann für die Bibliothek gekauft. Zu den vielen Unterstützern zählt neben dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport auch die Bundestagsabgeordnete Manja Schüle (SPD), die bei der Eröffnung dabei war. Im April hatte sie anlässlich des Unesco-Welttags des Buches bei einer Aktion SPD-Ortsvereine aufgerufen, in ihren Lieblingsbuchhandlungen Bücher zu kaufen. Die gingen dann als Spende unter anderem an das St. Josefs-Krankenhaus, die Bornstedter Kita „Neunmalklug“ und an das Helmholtz-Gymnasium, das bei der Aktion 30 Bücher geschenkt bekam.

Wie viele Bücher die Bibliothek insgesamt hat, kann der Freundeskreis nicht genau sagen. Weit über tausend dürften es mittlerweile sein. Mit der Zeit sollen weitere Bücher dazu kommen und einige digital zugänglich sein. Zum Arbeiten wurden Laptops angeschafft. Und für den Schulhof soll es außerdem bald eine Mitnahme-Bibliothek geben. Die soll in einer Telefonzelle untergebracht werden, die der Förderverein gerade erst ausfindig gemacht hat.

Neben Lehr- und Fachbüchern, wie etwa zu Geschichte, Mathematik oder Französisch sind auch belletristische Werke dabei. Und auch ein von Manja Schüle gespendetes Buch steht im Regal: Ein Band der bekannten Fantasy-Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin. Im Januar lädt Schüle eine Klasse des Gymnasiums zu sich in den Bundestag ein. „Dann spende ich der Bibliothek ’Mit Rechten reden. Ein Leitfaden’“, verspricht Schüle.

Auch die Schüler haben fleißig beim Aufbau der Bibliothek mitgeholfen. Der Kunstkurs hat Karten angefertigt, um Werbung für die Patenschaft-Aktion zu machen. Friederike Ganster hat zusammen mit anderen Mitschülern die AG Bibliothek ins Leben gerufen. In einem Workshop haben sie die Einrichtung der Schul-Mediathek vorbereitet. Sie haben die Bücher katalogisiert, in den letzten Tagen die Benutzerordnung erarbeitet und für alle etwa 720 Schüler des Gymnasiums Ausleihausweise erstellt, die sehr professionell aussehen.

Friederike hat für die Fachbücher im Bereich Chemie gesorgt. Das Fach möchte die 17-Jährige später einmal studieren. „Ich finde, eine Bibliothek gehört in einer Schule dazu. Es ist wichtig, dass wir einen Raum haben, um zu arbeiten und wo wir auch die Möglichkeit haben, uns auszuruhen.“ Die fünf, sechs Schüler der AG werden, unterstützt von Lehrern, in den Pausen und Freistunden in der Bibliothek aufpassen und die Ausleihe übernehmen.