• Bevölkerungsprognose: Wo Potsdam wächst - und wo nicht

Bevölkerungsprognose : Wo Potsdam wächst - und wo nicht

Die kleinteilige Bevölkerungsprognose zeigt, wie unterschiedlich sich Stadtteile in der Landeshauptstadt entwickeln.

Alternde Stadt. Der demografische Wandel verändert die Altersstruktur Potsdams. Bis 2035 wird der Anteil der über 65-Jährigen der neuen Prognose zufolge von derzeit 19,8 auf 21,6 Prozent der Gesamtbevölkerung wachsen. Besonders deutlich ist die Zunahme bei den über 80-Jährigen.
Alternde Stadt. Der demografische Wandel verändert die Altersstruktur Potsdams. Bis 2035 wird der Anteil der über 65-Jährigen der...Foto: Andreas Klaer

Potsdam wächst – allerdings nicht gleichmäßig. Die aktuelle Bevölkerungsprognose zeigt, dass einige Viertel in den kommenden Jahren sogar leicht schrumpfen werden, während andere stark wachsen. Zugleich wandelt sich die Altersstruktur der Kieze zum Teil beachtlich. Die kleinräumige Prognose stellte der Bereich Statistik und Wahlen der Stadt am gestrigen Mittwoch vor. Die Zahlen sollen unter anderem für die Planung der Infrastruktur genutzt werden. Ein Überblick.

Gesamtbevölkerung

Die städtischen Statistiker gehen davon aus, dass die Potsdamer Bevölkerung von 171 600 im Jahr 2016 auf rund 220 100 im Jahr 2035 wächst. Das bedeutet im Vergleich zum Ausgangspunkt der Berechnungen 48 000 Personen mehr, also eine Zunahme von 28,3 Prozent. Die 200 000er-Marke würde demnach wohl 2027 geknackt. Diese Zahlen hatte die Stadt bereits im Januar veröffentlicht und damit ihre letzte Prognose deutlich nach oben korrigiert. Bis dahin hatte die Verwaltung für 2035 mit rund 198 000 Einwohnern gerechnet. „Die Wanderungsbewegungen sind noch dynamischer, als wir angenommen hatten“, erklärte Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) bei der Pressekonferenz. Nach derzeitigem Planungsstand entstehen parallel zu diesem Wachstum bis 2025 neue Wohnungen für etwa 34 000 Einwohner.

Die Prognose stützt sich zum einen auf die Annahme eines positiven Wanderungssaldos, wie es auch in den letzten Jahren stets der Fall war. Das heißt, es ziehen mehr Menschen nach Potsdam als aus der Stadt weg. Die Statistiker gehen von einem Plus von 2400 bis 3800 Einwohnern pro Jahr aus. Auch in Potsdam selbst gibt es starke Bewegung: Rund 12 000 Umzüge gibt es pro Jahr innerhalb der Stadtgrenzen.

Zum anderen gibt es derzeit noch einen Geburtenüberschuss. Es werden also mehr Potsdamer geboren als sterben. „Das bleibt aber nicht so, wir rechnen damit, dass die Situation etwa 2021 kippt“, sagte Exner. Grund für diese Veränderung, so erklärte der Leiter des Verwaltungsmanagements, Reiner Pokorny, sei der „Wendeknick“. Nach der Wende wurden weniger Kinder geboren, was sich dann als Abnahme der Zahl von potenziellen Müttern bemerkbar macht.

Wachsende Stadtteile

Das stärkste Wachstumspotenzial hat der Potsdamer Norden, auch schon kurzfristig. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird der nördlichste Planungsbezirk um Fahrland und Marquardt schon um 38,6 Prozent wachsen. Grund dafür ist das Entwicklungsgebiet Krampnitz, wo einmal rund 10 000 Menschen leben sollen und wo derzeit die Vorbereitungen für den Bau laufen (PNN berichteten). Deshalb wird der Stadtteil auch bis 2035 stabil weiterwachsen.

Das Gebiet um Hauptbahnhof, Brauhausberg, Templiner und Teltower Vorstadt gehört mit seinen Bauprojekten ebenfalls zu den stark wachsenden Vierteln. Auch Babelsberg Süd, das Gebiet um Bornim und Bornstedt sowie Eiche, Grube und Golm sollen weiter wachsen.

Schrumpfende Stadtteile

Je nachdem, wann die Viertel entstanden sind, haben sie eine bestimmte Altersstruktur. Die Statistiker sprechen von Lebenszyklen: In ein Neubaugebiet ziehen oft junge Menschen und Familien mit Kindern – die dann, abgesehen von Fluktuation durch Weg- und Zuzug, gemeinsam altern. Irgendwann stirbt eine Generation, in die frei werdenden Wohnungen ziehen wiederum Jüngere ein – wodurch auch die Geburten zunehmen. „Wir rechnen mit Zyklen von etwa 30 bis 35 Jahren“, erklärte Pokorny. Am Ende eines solchen Zyklus mit einem hohen Anteil an älteren Einwohnern stehen Drewitz, Zentrum Ost, Am Stern, Brandenburger, Nauener und Berliner Vorstadt. Die Bevölkerung dieser Viertel wird bis 2021 um bis zu fünf Prozent schrumpfen. Das hält aber nicht an, denn der Zyklus geht weiter. So rechnet die Prognose für diese Gebiete, mit Ausnahme von Nauener und Berliner Vorstadt schon für den Zeitraum von 2022 bis 2028 wieder mit Wachstum.

Altersstruktur

Der demografische Wandel macht sich auch in Potsdam bemerkbar – die Bevölkerung wird älter. Besonders deutlich wird das an einer Zahl: Bis 2035 wird die Zahl der über 80-Jährigen in der Stadt um 46,6 Prozent zunehmen. Statt derzeit 10 700 werden dann 14 700 Hochbetagte in Potsdam leben. Zwar wachsen alle Altersgruppen in absoluten Zahlen, aber das Verhältnis verschiebt sich von der mittleren hin zur oberen Altersgruppe. Drewitz, Babelsberg Nord und Groß Glienicke gehören zu den Gebieten mit einer starken Zunahme im Seniorenbereich und einer Abnahme bei den Jüngeren. Waldstadt I und Am Stern mit einem derzeit hohen Anteil Älterer dagegen werden im Zyklus fortschreiten. Bis 2035 rechnen die Statistiker dort mit einer Abnahme der älteren und einer starken Zunahme der jüngeren Bevölkerung.

Verlässlichkeit der Daten

„Es gibt keine richtige oder falsche Prognose“, betonte Pokorny. Statistiker stützen sich auf die Daten der vergangenen Jahre. Mit Entwicklungen wie dem Flüchtlingszuzug ab 2015 habe man nicht rechnen können, es gebe immer Ungenauigkeiten. Deshalb soll ein sogenanntes Raumbeobachtungssystem die Prognose nun vierteljährlich mit den realen Daten abgleichen und wenn nötig korrigieren.

Was mit den Zahlen passiert

Welches Viertel braucht wann wie viele Kita-, Schul oder Spielplätze? Wann muss für eine ältere Bevölkerung die Kapazität der medizinischen Versorgung steigen? „Diese Prognosen sind das Fundament der Fachplanung für soziale und technische Infrastruktur“, sagte Bürgermeister Exner. „Sie ist zentral für die Tragfähigkeit und Zukunftssicherheit der Investitionen“, betonte Pokorny. Auch die Privatwirtschaft beobachte das sehr interessiert – wo mehr Menschen leben, wollen auch mehr einkaufen.