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Bergmann-Klinikum in Potsdam : Zweistellige Millionenverluste drohen

Die Finanzmisere im Bergmann-Klinikum ist groß. Die Stadtverordneten im Hauptausschuss erfuhren am Mittwochabend hinter verschlossenen Türen das Ausmaß der Krise. Das Bürgerbündnis fordert städtische Hilfe.

Das Klinikum Ernst von Bergmann.
Das Klinikum Ernst von Bergmann.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Die Finanzkrise des von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Klinikums „Ernst von Bergmann“ nimmt bedrohliche Ausmaße an. Im nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses nannte Interims-Chef Hans-Ulrich Schmidt ein mögliches Minus von bis zu 18 Millionen Euro, wenn das Bergmann im vierten Quartal 2020 weiter mit 20 Prozent weniger Betten und dann ohne Ausgleichszahlungen des Bundes operieren muss. In der Rechnung sind auch allein für dieses Jahr rund vier Millionen Euro für die angelaufene Rückkehr des Klinikums zum Tarifsystem des öffentlichen Dienstes, was die Stadtverordneten im Frühsommer beschlossen und per Gesellschafterbeschluss angewiesen hatten.

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Bereits am Mittwoch hatte die Geschäftsführung des Hauses im PNN-Interview vor einer finanziellen Schieflage gewarnt. So könnte ab Oktober ein Liquiditätsengpass drohen, so dass möglicherweise die Gehaltszahlungen über Kredite finanziert werden müssten. Offen ist laut Teilnehmern der Sitzung, inwiefern die Stadt dem Haus helfen kann – mögliche Hilfezahlungen würden noch geprüft, hieß es von der Rathausseite. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte jedoch wiederholt betont, dass er die Stadt in Verantwortung sieht, für die Kosten der Tarifrückkehr aufzukommen: "Wer A sagt, muss auch B sagen", so Schubert. Er hatte zudem jüngst bereits klar gestellt, dass ein Verkauf des kommunalen Hauses nicht zur Debatte stehe. Auch sei das Bergmann nicht das einzige Krankenhaus, das wegen der Corona-Krise in Finanznöten sei.

Keine Rolle spielten bei der Sitzung die Überlegungen der Klinikdoppelspitze für einen Krankenhausneubau „auf der grünen Wiese“, die sie gegenüber den PNN offen gelegt hatten. Auf dem alten Gebäudekomplex im Potsdamer Zentrum könne man baulich nur Flickschusterei betreiben und somit keinen wirtschaftlichen Krankenhausbetrieb sichern, so ihre Begründung.

Bürgerbündnis fordert Millionenhilfen

Indes wird das Thema auch die Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch (19.8.) beschäftigen. Denn das Bürgerbündnis hat einen Antrag gestellt, wonach „Corona bedingte Unterdeckungen“ im Klinikum in diesem Jahr durch den Gesellschafter ausgeglichen werden – also durch die Stadt. Laut einem weiteren Bürgerbündnis-Antrag soll die Stadt mit dem Klinikum einen Vertrag schließen, der einen jährlichen Zuschuss von acht Millionen Euro garantiert und festlegt, dass die Stadt für das Klinikum auch Garantien für Investitionskredite übernimmt. Dies soll solange gelten, solange die Finanzierung durch Krankenkasse und Land so unzureichend bleibt wie bisher. So könne ein Verkauf oder eine Insolvenz abgewendet werden, so das Bürgerbündnis.

CDU will mehr Transparenz

Am Mittwochnachmittag meldete sich auch die CDU-Fraktion zu Wort. Deren Fraktionsspitze erklärte, über die Lage des Klinikums müsse die der Oberbürgermeister transparenter informieren. Das Kommunalrecht mache da klare Vorgaben.

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