• Bergmann-Klinikum: Engpass auf der Milchbank

Bergmann-Klinikum : Engpass auf der Milchbank

Das Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum sucht Milchspenderinnen zur Versorgung der Frühgeborenen

Kleinste Patienten. Rund 150 Frühgeborene werden jedes Jahr am Bergmann-Klinikum betreut. 40 bis 60 von ihnen sind so klein, dass sie bei der Geburt weniger als anderthalb Kilogramm auf die Waage bringen. Für die optimale Versorgung in den ersten Lebenstagen hat das Klinikum eine Frauenmilchbank.
Kleinste Patienten. Rund 150 Frühgeborene werden jedes Jahr am Bergmann-Klinikum betreut. 40 bis 60 von ihnen sind so klein, dass...Foto: Imago

Innenstadt - Muttermilch ist die ideale Nahrung für Neugeborene – aber bei Frühchen, die viel früher als geplant zur Welt kommen, können die Mütter nicht sofort mit dem Stillen beginnen, weil der Körper noch nicht darauf vorbereitet ist. Für diese Fälle hat das städtische Bergmann-Klinikum eine sogenannte Frauenmilchbank – und sucht wegen einem Engpass dafür aktuell Spenderinnen.

Die Frauenmilch – von Muttermilch sprechen die Mediziner nur, wenn damit die leiblichen Kinder gestillt werden – sei für die Versorgung in den ersten zwei, drei Lebenstagen der Frühgeborenen besonders wichtig, erklärt Klinikumssprecherin Theresa Decker. Danach könnten die Mütter meist selbst mit dem Stillen beginnen. Zwar gebe es auch künstliche Ersatznahrung, diese erhöhe aber speziell für Frühchen das Risiko, an einem schweren Darmleiden zu erkranken, bei dem das Darmgewebe zerstört wird. Das Klinikum betreibe bereits seit 1966 die Frauenmilchbank – als eine von mittlerweile nur noch rund zehn ähnlichen Einrichtungen deutschlandweit.

Spenden können stillende Mütter, deren eigene Kinder höchstens vier Monate alt sind und die einen Milchüberschuss haben, sagt die Klinikumssprecherin. Bei älteren Kinder verändere sich die Zusammensetzung der Milch. Im Schnitt meldeten sich pro Jahr zwischen zehn und 13 Milchspenderinnen bei der Potsdamer Frauenmilchbank. In diesem Jahr seien es bisher allerdings erst vier gewesen. Noch könne man alle Frühgeborenen auf der Station versorgen: „Aber es reicht nicht mehr lange“, sagte die Sprecherin. „Natürlich wäre es schön, wenn grundsätzlich noch mehr Frauen spenden könnten.“

Wie viel Frauenmilch in der Arbeit auf der Frühgeborenenstation gebraucht werde, hänge stark davon ab, wie viele Frühchen es gibt. Das Klinikum geht von durchschnittlich maximal einem Liter am Tag aus. Derzeit werden neun Frühchen auf der Frühgeborenenstation des Klinikums betreut, sagte Theresa Decker. Insgesamt sind es den Angaben zufolge in einem Jahr im Durchschnitt rund 150 Kinder, davon 40 bis 60 extrem früh Geborene, die weniger als 1500 Gramm wiegen.

Die Spenderinnen müssten Nichtraucherinnen sein, erläutert Theresa Decker. Vor der Spende werde in einem Gespräch und per Blutuntersuchung sichergestellt, dass die Frauen gesund sind. Die Spenderin erhalte dann sterile Glasflaschen und besorge sich per Verordnung in einer Apotheke eine elektrische Milchpumpe. Die zu Hause selbst abgepumpte und eingefrorene Milch kann dann entweder im Klinikum vorbeigebracht oder von einem Boten abgeholt werden.

Die Milch werde sowohl bei der Abgabe als auch vor der Verwendung auf mögliche Keime untersucht und vor der Fütterung an die Frühchen zudem pasteurisiert. „Die Sicherheit wird – wie bei einer Blutspende – sehr groß geschrieben“, sagt die Sprecherin. Im Tiefkühlfach sei Frauenmilch bis zu sechs Monate lang haltbar. Als kleine Aufwandsentschädigung erhalten die Frauen 20 Euro für einen Liter gespendete Milch.

Die auf Frühstgeborene spezialisierte Station am Bergmann-Klinikum war mit 16 Brutkästen im Jahr 2008 eingeweiht worden. Schlagzeilen machte vor zwei Jahren die Zusammenlegung der Kinder- und Jugendabteilungen am Bergmann-Klinikum mit dem Klinikum Brandenburg/Havel zum neuen Klinikum Westbrandenburg, wie es heute offiziell heißt. Fachärzte der Potsdamer Frühgeborenenstation hatten damals die Stadtverordneten vor der zu hohen Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter und negativen Folgen für die Patienten, auch die Frühchen, gewarnt und eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung gefordert. Die Stadt hatte die Zusammenlegung, die 2013 in Kraft trat, unter anderem damit begründet, dass die Brandenburger Frühchenstation wegen geringerer Patientenzahlen mittelfristig in ihrer Existenz gefährdet sei.

Interessierte Frauen erreichen die Milchbank telefonisch unter der Nummer (0331) 241 59 27 oder im Klinikum in der Charlottenstraße im Haus F, auf der fünften Etage.

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