• Benefizabend auf Hermannswerder: Potsdam hilft ukrainischem Gymnasium in Not

Benefizabend auf Hermannswerder : Potsdam hilft ukrainischem Gymnasium in Not

Eine Benefizaktion und eine Podiumsdiskussion zeigen: Die Unterstützung der Potsdamer für die Ukraine bleibt groß.

Für die gute Sache. Bei dem Benefizabend im Inselhotel traten auch geflüchtete Musiker aus der Ukraine auf.
Für die gute Sache. Bei dem Benefizabend im Inselhotel traten auch geflüchtete Musiker aus der Ukraine auf.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Mit einer Videobotschaft hat sich der Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, für einen Benefizabend im Inselhotel auf Hermannswerder bedankt. Derartige Hilfe sei wichtig – auch mit Blick auf die nötige Unterstützung durch die Bundesregierung, sagte Melnyk in dem Einspieler, der am Dienstagabend vor den mehr als 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gezeigt wurde. 

Für die Ukraine gehe es darum, ihre Gebiete von den russischen Besatzern „zu befreien“ und eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union zu erreichen, machte Melnyk deutlich – der wegen eines anderen Termins in Berlin nicht persönlich in dem Hotel anwesend sein konnte.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk bedankte sich per Videobotschaft. 
Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk bedankte sich per Videobotschaft. Foto: Ottmar Winter

Schulen sollen profitieren

Den Spendenabend hatte Hoteldirektor Burkhard Scholz zugunsten des Musikgymnasiums in Lwiw organisiert, dem Kruschelnitska Lyzeum. Dieses sei durch den Krieg, „ein barbarischer Feldzug gegen Freiheit und Demokratie“, in finanzielle Schwierigkeiten geraten, sagte Scholz. Mehrere Schüler von dort musizierten. Ihr Spiel wurde mittels Online-Liveschaltung übertragen. 

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Auch der Direktor des Gymnasiums in Lwiw wendete sich so an die Besucher - und teilte mit, dass man sich das eingenommene Geld des Abends solidarisch auch mit drei anderen Spezialmusikschulen in Kiew, Odessa und Charkiw teilen werde. Überdies traten geflüchtete Musiker aus der Ukraine im großen Saal des Hotels auf.

Mehr als 20 000 Euro Spenden

Schon im Vorfeld des Abends seien mehrere tausend Euro gespendet worden, hieß es. Spät am Abend teilte Scholz den PNN mit, es seien über 20 000 Euro zusammengekommen. Für Frieden betete vor Ort Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius in Deutschland und damit offizieller Diplomat der römisch-katholischen Kirche. 

Nikola Eterovic (l.) mit Hoteldirektor Burkhard Scholz.  
Nikola Eterovic (l.) mit Hoteldirektor Burkhard Scholz.  Foto: Ottmar Winter

Potsdams Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD) dankte Hoteliers wie Scholz dafür, dass man nach Beginn des Kriegs mehr als 600 Flüchtlinge kurzfristig in Hotels und Pensionen habe unterbringen können. Positiv sei, dass schon erste Flüchtlinge in der Branche eingestellt worden seien: „Integration kann gelingen.“

Eine Diskussion im Palais Lichtenau

Fast parallel zu der Spendengala fand eine hochkarätig besetzte Diskussionsveranstaltung im ausverkauften Palais Lichtenau in der Kurfürstenstraße statt. Dort sprach unter anderem der langjährige Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Dabei machte der frühere Diplomat deutlich: Auch er habe bis zum Beginn des Angriffskriegs geglaubt, Russlands Präsident Putin könne als „rational kalkulierender Machtpolitiker“ die Risiken einer solchen Attacke einschätzen. 

Im Inselhotel traten Musikerinnen und Musiker aus der Ukraine auf. 
Im Inselhotel traten Musikerinnen und Musiker aus der Ukraine auf. Foto: Ottmar Winter

Daher habe Ischinger so eine „aberwitzige Entscheidung“ nicht für möglich gehalten. Wichtig sei gleichwohl, zum Beispiel Kommunikationskanäle offenzuhalten, um Missverständnisse auszuschließen, die in einer solchen Krise eine weitere Eskalation zwischen dem Westen und Russland bedeuten könnten. Das sei eine Lehre des Kalten Kriegs, so Ischinger. 

Eingeladen zu dem Abend hatte unter anderem die Autorin Marianne Ludes, die Ticketeinnahmen sollen zugunsten humanitärer Hilfe verwendet werden. Ludes sagte, rund 2000 Euro würden an den Verein German-Polish-Ukrainian-Society (GPUS) gehen, der sich insbesondere für Waisen- und Straßenkinder einsetze. Unter den vielen Gästen waren auch bekannte bekannte Potsdamer Gesichter wie der Moderator Ulrich Meyer oder Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). 

Marianne Ludes im Park der von ihr und ihrem Mann nach historischem Vorbild neu errichteten Villa Jacobs. 
Marianne Ludes im Park der von ihr und ihrem Mann nach historischem Vorbild neu errichteten Villa Jacobs. Foto: Ottmar Winter

Weitere Spendenaktion in Babelsberg

In den nächsten Tagen sind weitere Spendenaktionen für die Ukraine geplant: So findet am Freitag ab 16 Uhr am Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion ein Musikfestival statt. Die Einnahmen gehen an die Initiative Drushba, die wie berichtet mehrfach Hilfsgüter in das Kriegsgebiet transportiert und Flüchtlinge von dort nach Potsdam gebracht hat. 

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