• Bei der Defa schneiden gelernt: Monika Schindler bekommt Ehrenfilmpreis

Bei der Defa schneiden gelernt : Monika Schindler bekommt Ehrenfilmpreis

Mit Lola. Bereits 2000 bekam Monika Schindler einen deutschen Filmpreis.
Mit Lola. Bereits 2000 bekam Monika Schindler einen deutschen Filmpreis.Foto: dpa/lbn (Digitale Fotografie) Pool

An mehr als 100 Filmen war Monika Schindler als Schnittmeisterin beteiligt – ihr Handwerk hatte die Cutterin im Defa Studio für Spielfilme gelernt. Nun wird die 79-Jährige mit einer Ehrenlola ausgezeichnet. Am 28. April bekommt sie in Berlin den Deutschen Filmpreis für herausragende Verdienste um den Deutschen Film verliehen.

„Wenn man ihre Filmografie liest, müsste man vermuten, sie hätte die Hundert weit überschritten. Erlebt man sie bei ihrer Arbeit, sprüht sie vor jugendlicher Euphorie. Ost und West, Dokumentar- und Spielfilm, analog und digital – Monika Schindler hat so viel und vielseitige deutsche Filmgeschichte geschaffen, dass einem der Atem stockt“ , begründet Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie und Vorsitzende der Ehrenpreisjury, die Wahl.

Monika Schindlers Eltern möchten eigentlich, dass ihr Kind Lehrerin wird, aber die junge Frau hat andere Pläne. Sie beginnt 1955 eine Lehre als Filmfotografin in den Babelsberger Studios, lernt den Beruf von der Pike auf, im Kopierwerk, in den Bereichen Trickwerk und Schnitt. Danach absolviert sie ein Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg in der Fachrichtung Schnitt und kehrt nach dem Abschluss zur Defa ins Spielfilmstudio zurück. 1968 erhält sie ihren eigenen Schneideraum und wird bald zu einer angesehenen Fachkraft der Studios.

Es entwickeln sich intensive Arbeitsbeziehungen zu namhaften Regisseuren. Erster gemeinsamer Film mit Roland Gräf ist 1970 „Mein Lieber Robinson“, 1990 verfilmt sie mit ihm Christoph Heins Roman „Der Tangospieler“. Mit Herrmann Zschoche entsteht „Bürgschaft für ein Jahr“ (1981) und „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“, ein Film, der das DDR-Schulsystem kritisierte und erst nach der Wende gedreht werden konnte. Günter Reisch holt die Cutterin fünfmal an sein Set.

Monika Schindler gelingt es, auch nach dem Zusammenbruch der DDR im Filmgeschäft zu bleiben. Sie arbeitet weiterhin mit ehemaligen Defa-Regisseuren wie Egon Günther zusammen, für den sie 1965 „Wenn du groß bist, lieber Adam“ geschnitten hatte – und der dann von der DDR verboten wird und erst 1990 aus Fragmenten restauriert werden kann. In den 1990er-Jahren engagiert Günther die Cutterin für die Filme „Stein“ (1991) und „Die Braut“ (1999). Schindler gibt ihre Erfahrungen gleichzeitig an junge Regisseure des deutschen Films weiter, arbeitet unter anderen mit Andreas Dresen und Winfried Bonengel zusammen, ihr letzter Film ist „Brot“ aus dem Jahr 2011. spy

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