• Das Potsdamer Planetarium hat alle Vorstellungen abgesagt
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Beamer ausgefallen : Das Potsdamer Planetarium liegt lahm

Bereits Anfang des Jahres hatte das Planetarium Alarm geschlagen, nun ist es passiert: Es gibt einen kompletten Ausfall aller Vorstellungen.

Das Planetarium in Potsdam.
Das Planetarium in Potsdam.Foto: PNN / Ottmar Winter

Potsdam - Planetariumsleiter Simon Plate hatte bereits Anfang Februar gewarnt: Die Technik im Potsdamer Planetarium muss überholt werden, ansonsten habe er große Befürchtungen. Nun meldet das Potsdamer Planetarium, dass vorerst alle Vorstellungen abgesagt sind – weil zwei Beamer des sogenannten Full-Dome-Systems kaputtgegangen sind. Damit sind 360-Grad-Projektionen nicht mehr möglich. „Nächste Woche kommt ein Zeiss-Techniker“, bestätigte Planetariums-Mitarbeiter Jens Köhler den Ausfall auf PNN-Anfrage. Die Reparaturkosten belaufen sich laut seinen Schätzungen auf rund 5000 Euro – und das, obwohl erst vor einem Jahr das System gewartet worden ist. „Es ist auch die Hitze, die die Beamer belastet“, sagt Köhler. Denn das Planetarium hat keine Klimaanlage und liegt unterm Dach. Bis die Schäden behoben sind, können nur noch Veranstaltungen stattfinden, die mit dem analogen Sternenprojektor und ohne Beamer funktionieren – der Großteil muss abgesagt werden.

Simon Plate, Leiter des Urania-Planetariums.
Simon Plate, Leiter des Urania-Planetariums.Foto: Ottmar Winter

Die Problematik ist schon seit Jahren bekannt. Die in Sommermonaten extrem hohen Temperaturen im Kuppelsaal von oft über 30 Grad führen immer wieder zu massiven Ausfällen der Beamer und anderer Hardware“, heißt es in einer Pressemitteilung des Planetariums. Schon im April habe man das veraltete digitale System reparieren lassen müssen. Nun seien zwei weitere Beamer vollständig ausgefallen. Bei den hohen Temperaturen im Sommer sind die Beamer oftmals so überhitzt, dass sie nicht mehr funktionieren oder gleich ganz kaputt gehen. Im vergangenen Sommer habe man Shows nur eingeschränkt durchführen können, weil die Beamer zum Teil schlicht abkühlen mussten, bevor sie wieder funktionsfähig waren, hatte Plate damals berichtet. Nun funktioniert nichts mehr. 

In einem Zukunftskonzept, das einem im vergangenen April im Hauptausschuss entsprechenden angenommenen Antrag der Grünen-Fraktion anhing, hatte Simon Plate Geld für einen neuen Sternenprojektor, neue Beamer, IT-Technik und mehr Personal gefordert. Derzeit ist neben Plate als Leiter des Planetariums noch eine halbe Stelle für Buchhaltung und Terminabsprachen finanziert, außerdem gibt es ein Budget für Honorarkräfte.

Laut dem Antrag sind rund 872.000 Euro notwendig, die der Oberbürgermeister in den nächsten Haushalt einplanen soll. Notwendig sind 750.000 Euro für einen neuen Sternenprojektor und 122.000 für zwei zusätzliche Mitarbeiter. Auch mögliche Fördermittel sollen vom Rathaus geprüft werden. Bis September dieses Jahres soll über das Prüfergebnis in der Stadtverordnetenversammlung berichtet werden.

Das digitale Full-Dome-System, sei bereits neun Jahre alt, sagt Planetariums-Mitarbeiter Köhler. „Das hört sich erstmal nicht viel an. Das ist aber wie bei einem Computer“, erklärt er. Das System ist schlicht nicht mehr auf dem neuesten Stand. Auch der analoge Projektor ist veraltet: Der sogenannte „ZKP 2“ (Zeiss Kleinplanetarium 2) ist bereits 40 Jahre alt. Das Problem: Für beide Systeme ist es kaum noch möglich, Ersatzteile zu bekommen. Für den ZKP 2 werden Ersatzteile schon gar nicht mehr hergestellt, lediglich ein Techniker aus Sachsen-Anhalt hat noch Ersatz. 

Bisher wird das Planetarium jährlich vom Potsdamer Jugendamt gefördert. Mit dem Grünen-Antrag hofft man, dass noch weitere Fördertöpfe angezapft werden können. Allein die jährlichen Wartungskosten betragen rund 4000 Euro für die Beamer. 4000 bis 5000 Euro kostet die Reparatur – auch, weil die Anfahrtswege der Techniker weit sind. 

Das Urania-Planetarium in Potsdam gehört zu einem nur noch kleinen Teil der Planetarien in Deutschland, die mit so alter Technik arbeiten. Dabei hat Potsdam einen Astronomieschwerpunkt mit weltweit führenden Forschungsinstituten. Und auch die Zahlen sprechen für das Planetarium: Denn in den vergangenen Jahren sind immer mehr Besucher in das Haus in der Gutenbergstraße gekommen, gerade mit Schulklassen arbeitet Plate und sein Team viel zusammen. Rund 16.000 Besucher verzeichnete das Planetarium 2018, das sind etwa 700 Menschen mehr, als im Jahr zuvor. 2016 waren es 13.200 Besucher. Laut Schätzungen von Plate vom Februar könnten es mit besserer Finanzierung und mehr Angeboten sogar bis zu 30.000 Besuchern sein.