• Baustelle am Campus Jungfernsee: Einladung zum Umsteigen

Baustelle am Campus Jungfernsee : Einladung zum Umsteigen

Am Campus Jungfernsee sollen nach dem derzeit laufenden Ausbau der Tramstrecke nicht nur Bus-Fahrgäste, sondern auch Autofahrer in die Bahn wechseln.

Neue Endstation. Am Campus Jungfernsee entsteht ein Pendler-Parkplatz.
Neue Endstation. Am Campus Jungfernsee entsteht ein Pendler-Parkplatz.Foto: S. Gabsch

Nedlitz - Die Planungen für die Verkehrsanbindung des Potsdamer Nordens gehen weiter: Ende der Woche will der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) die EU-weite Ausschreibung für die Planung der Tramverlängerung in Richtung Krampnitz starten. Das sagte ViP-Geschäftsführer Oliver Glaser am Montag am Campus Jungfernsee. Dort war Baustart für den neuen Park-and-ride-Parkplatz (P+R). An der neuen Tram-Endhaltestelle soll wie berichtet ein zentraler Umsteigepunkt für Pendler entstehen – Busse aus dem Norden sollen dort enden und starten, Fahrgäste entsprechend in die Tram wechseln. Mit dem neuen Parkplatz will man auch Autofahrer zum Umstieg bewegen, wie Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) sagte. Um das möglichst einfach zu gestalten, soll auf der Nedlitzer Straße auch eine Linksabbiegerspur eingerichtet werden. Man wolle „Menschen vom Nahverkehr überzeugen, nicht dazu zwingen“, sagte ViP-Chef Glaser.

Platz für 92 Autos und überdachte Abstellanlagen für 28 Fahrräder soll der neue Parkplatz an der neuen Tram-Wendeschleife bieten. Die Nutzung soll laut Stadt kostenlos sein. Wenn die neue Tramstrecke zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember ans Netz geht, soll der Platz fertig sein, sagte ViP-Chef Glaser. Die Tram-Baustelle liege im Übrigen sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen, betonte er. Zur Eröffnung im Dezember soll es am Campus Jungfernsee ein Fest für die Bürger geben, kündigte er an.

Campus Jungfernsee soll Potsdams siebter P+R-Standort werden

Die Stadt investiert in den Parkplatz den Angaben zufolge 864 000 Euro, ein Großteil davon – 592 000 Euro – sind Fördergelder des Landesinfrastrukturministeriums. Das Geld fließe als Teil der Mobilitätsstrategie des Landes, erklärte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Vom insgesamt 20 Millionen Euro umfassenden kommunalen Investitionsprogramm seien bereits zehn Millionen Euro für Projekte wie dieses bewilligt.

Für Potsdam wird es der siebente P+R-Standort. Ähnliche Umstiegsangebote gibt es bislang schon am Bahnhof Potsdam-Pirschheide, am Bahnhof Griebnitzsee, am Bahnhof Potsdam-Rehbrücke, am Bahnhof Golm, am Bahnhof Marquardt sowie am Johannes-Kepler-Platz im Stadtteil Am Stern. Laut einer Erhebung für das städtische P+R-Konzept, das das Rathaus vor zwei Jahren vorgelegt hat, werden die Angebote aber teils nur gering von Pendlern genutzt. An den Standorten Golm, Pirschheide und Griebnitzsee etwa stellte sich heraus, dass ein Großteil der dort parkenden Autofahrer nicht in den Nahverkehr wechselt, sondern den Arbeits- oder Zielort in unmittelbarer Nähe aufsucht. Immerhin auf maximal 75 Prozent Auslastung tagsüber kam damals der P+R-Platz am Bahnhof Rehbrücke mit 125 Stellplätzen. In Marquardt, wo es 24 Stellplätze gibt, wurden dagegen nur maximal 39 Prozent Auslastung beobachtet. Der Johannes-Kepler-Platz wurde von den städtischen Planern wegen zu untergeordneter Bedeutung für den Pendlerverkehr gleich ganz von den Betrachtungen ausgenommen.

Im Norden wird für Potsdam ein größerer Bedarf im Nahverkehrsangebot prognostiziert

Das Konzept sieht den schrittweisen Ausbau der vorhandenen P+R-Angebotes, drei neue Plätze im Bornstedter Feld und in der Wetzlarer Straße und die Prüfung zur Schaffung weiterer zusätzlicher 800 Plätze vor. Als besonders wichtig werden neben dem Campus Jungfernsee dabei auch die Standorte Wetzlarer Straße und Kirschallee bewertet. Erwogen wird auch die Einführung von Parkgebühren, eventuell in Kombination mit einem ViP-Ticket. So könne die Nachfrage im öffentlichen Nahverkehr gesteuert werden, heißt es im Konzept.

Insgesamt ging die Stadt in dem Konzept von rund 27 000 Pendlern täglich aus – das entspricht etwa einem Drittel des Verkehrs in die Stadt. Im Norden wird künftig zusätzlicher Bedarf prognostiziert. Dabei spielt vor allem die frühere Kaserne Krampnitz eine Rolle: Das Areal soll zum neuen Stadtteil mit Wohnungen für bis zu 7000 Potsdamer werden.