• Bauprojekt am Park Babelsberg: Stadt riskiert Zoff am Welterbe

Bauprojekt am Park Babelsberg : Stadt riskiert Zoff am Welterbe

Im Streit um ein Bauprojekt am Park Babelsberg riskiert die Stadt Rechtsstreit mit der Schlösserstiftung.

Streitobjekt. Wo an der Nuthestraße (rechts) jetzt noch Bäume wachsen, sollen mehrere Mehrgeschosser gebaut werden. Das planen ein Investor und die Stadt.
Streitobjekt. Wo an der Nuthestraße (rechts) jetzt noch Bäume wachsen, sollen mehrere Mehrgeschosser gebaut werden. Das planen ein...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Nach der Stadtverwaltung gehen nun auch die Stadtverordneten auf Konfrontationskurs mit der Schlösserstiftung und dem Landesdenkmalamt. Am Dienstagabend stimmte der Bauausschuss nach kontroverser Diskussion mehrheitlich für die Auslegung eines Bebauungsplans, der die Errichtung von mehreren Mehrgeschossern in der engeren Pufferzone des Welterbeparks Babelsberg vorsieht. Mit dem Vorhaben beschäftigen sich bekanntlich schon die Unesco-Welterbehüter von Icomos. Gibt es keinen Kompromiss, muss der Konflikt wohl vom Kulturministerium entschieden werden.

Bei dem Streit geht es um Pläne für die Bebauung einer etwa 30 000 Quadratmeter große Fläche zwischen Humboldtring und Havel. Der Investor, die Firma BMP Immobilienentwicklung Berlin, will auf der Brache etwa 270 Wohnungen bauen. Die Stadtverwaltung befürwortet das Vorhaben mit Verweis auf den großen Bedarf nach Wohnungen in Potsdam. Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt kritisieren, dass die neuen Wohnblöcke entlang der Nuthestraße den letzten Rest eines freien Blickes vom Park Babelsberg Richtung Innenstadt verstellen würden.

Im Bauausschuss prallten die verschiedenen Vorstellungen aufeinander. Vertreter von Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt beklagten, die Bebauung würde einen Riegel bis zum Havelufer schließen. Als Kompromiss schlugen sie vor, nur die Gebäude Richtung Humboldtring zu errichten und auf den Bauabschnitt am Havelufer zu verzichten. Man sei nicht generell gegen eine Bebauung, aber die Belange des Welterbes müssten stärker berücksichtigt werden.

Die Signale kamen bei der Stadtverwaltung und bei der Mehrheit im Bauausschuss jedoch nicht an. Stadtplanungschef Andreas Goetzmann sagte, er sei über den Standpunkt von Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt enttäuscht. Offenbar würden die Ergebnisse einer Simulation der Gebäudedimensionen völlig anders bewertet. SPD-Fraktionschef Pete Heuer sprach sogar davon, dass die Darstellung von Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt manipulativ sei. Er erwarte von Vertretern öffentlicher Institutionen Wahrhaftigkeit. CDU-Fraktionschef Matthias Finken sagte, es werde trotz der Bebauung ein beträchtlicher Grünstreifen bleiben. Potsdam brauche als wachsende Stadt eine bauliche Verdichtung im innerstädtischen Bereich. Man könne neue Wohnungen nicht nur am Stadtrand bauen, sonst schaffe man immer mehr Verkehr. Der Ausschussvorsitzende Ralf Jäkel (Linke) bezeichnete den Vorschlag der Verwaltung als vertretbaren Kompromiss, da das umstrittenste Baufeld im Unterschied zum ersten Entwurf bereits weiter von der Nuthestraße entfernt geplant werde.

Allerdings gab es im Gremium auch gegensätzliche Standpunkte: Einen Verzicht auf den Bauabschnitt nahe des Havelufers forderte der FDP-Stadtverordnete Johannes von der Osten-Sacken. Die Ansicht der Stadtverwaltung, hinter der Vegetation seien die Neubauten nicht zu sehen, bezeichnete er als Buschtrick. Entschieden gegen das Projekt in dieser Form äußerte sich Saskia Hüneke (Grüne): „Das Landschaftsbild wird beeinträchtigt.“ Es sei schon ein riesiger Kompromiss, überhaupt Neubauten entlang der Nuthestraße zuzulassen. Auch Vertreter der Fraktion Die Andere lehnten die Abholzung ab.

Neu sind die Bedenken indes nicht: Erste Pläne hatte die Stadtverwaltung im Jahr 2014 vorgestellt. Demnach sollten fünf je drei- bis fünfgeschossige Wohnblocks entstehen zuzüglich mehrerer kleinerer Gebäude in der Nähe des Havelufers. Neben einem Bebauungsplan wollte die Stadtverwaltung auch den Flächennutzungsplan ändern, weil einige Gebäude auf Grundstücken stehen, die als Wald festgelegt sind. Für die Umwandlung von Wald in wertvolles Bauland sollte der Investor im Gegenzug zehn Prozent der Wohnungen als Sozialwohnungen vermieten. Schon früh hatten Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt Einwände geäußert. Ohne Erfolg.

In der übernächsten Woche muss sich nun erstmal der Umweltausschuss mit dem Thema beschäftigen bevor die Stadtverordnetenversammlung eine Entscheidung trifft. Bleibt es bei der Mehrheit für den Vorschlag aus dem Rathaus, könnte es zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen. Die Schlösserstiftung werde prüfen, Rechtsmittel einzulegen, sagte Stiftungssprecher Frank Kallensee den PNN.

Gegenwind bekommt die Stadt auch aus anderer Richtung. Der Landesdenkmalbeirat meldete sich am Mittwoch zu Wort. Durch das Projekt ergebe sich eine erhebliche Beeinträchtigung des Park Babelsberg als Teil des Unesco-Weltkulturerbes, hieß es in einer Stellungsnahme. Interessant an der Position des Beirates ist, dass er Kulturministerin Martina Münch (SPD) berät. Und die müsste im Fall eines Dissens zwischen Stadt und Schlösserstiftug entscheiden.

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