• Bauland und Wohnhäuser in Brandenburg: Preise deutlich gestiegen

Bauland und Wohnhäuser in Brandenburg : Preise deutlich gestiegen

Potsdams Immobilienmarkt ist in Brandenburg an der Spitze. Doch auch landesweit klettern die Preise. Land fordert vom Bund, gegen Share Deals vorzugehen.

Wer in Potsdam Wohnraum erwerben will, muss sich das vergleichsweise viel kosten lassen. (Symbolbild)
Wer in Potsdam Wohnraum erwerben will, muss sich das vergleichsweise viel kosten lassen. (Symbolbild)Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - 8,3 Millionen Euro für die „ausbaufähige Wohnanlage mit Mietsteigerungspotenzial in aufstrebender Lage Potsdams“ – dem womöglich ersten Milieuschutzgebiet Teltower Vorstadt. Oder fünf Millionen Euro ein freistehendes Einfamilienhaus mit tollem Seeblick und „Ausbau- und Sanierungspotenzial in bester Lage in Neubabelsberg“. Wer große Zahlen mag, wird sich über solche Inserate für Potsdamer Häuser auf Immobilienplattformen freuen. Viele davon werden mittlerweile diskret inseriert – also ohne Foto oder genaue Ortsangabe.

Potsdams Immobilienmarkt nimmt in Brandenburg eine Sonderstellung ein, wie am Freitag bei der Vorstellung des Brandenburger Grundstücksmarktberichts 2020 in der Staatskanzlei deutlich wurde. In Potsdam werden mit Abstand die meisten Kaufverträge geschlossen und auch mit Abstand der meiste Umsatz generiert. Schon seit vielen Jahren steigen die Preise für Bauland, Eigentumswohnungen und Reihenhäuser.

Eine Ausnahme bildeten 2020 die freistehenden Einfamilienhäuser. In dieser Kategorie fiel der durchschnittliche Preis von 792.000 im Jahr 2019 auf 703.000 Euro im Jahr 2020. Allerdings verstecke sich dahinter kein Trend, wie der Vorsitzende des Obersten Gutachterausschusses Jürgen Kuse erläuterte. Im Vorjahr seien in Potsdam schlicht einige sehr teure Objekte verkauft worden und 2020 nicht. Bei der Masse der Einfamilienhäuser seien die Preise nicht gefallen. Potsdam hatte seinen Grundstücksmarktbericht bereits im Mai vorgelegt.

14 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr

Die Daten für den Brandenburger Grundstücksmarktbericht stammen von Notaren, die die Verkäufe melden müssen. Anders als bei den Marktauswertungen von Immobilienportalen handelt es sich also um tatsächlich erzielte Preise und nicht um die Wunschvorstellungen von Inserenten. 

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Und umgesetzt wurde eine Menge: Mit acht Milliarden Euro ist der Umsatz im Vergleich zum Jahr 2019 noch mal um 14 Prozent gewachsen. Nicht gemeldet wird, wer an wen verkauft. Es bleibt also im Dunkeln, woher das viele Geld kommt. Da die Zahl der Kaufverträge stabil blieb, stiegen die Preise entsprechend an – und zwar nicht nur im Berliner Speckgürtel, sondern auch im ferneren ländlichen Raum.

Die Preise für Eigenheime stiegen gegenüber 2019 landesweit um 13 Prozent von 245.000 Euro im Jahr 2019 auf durchschnittlich 311.000 Euro. Die höchsten Durchschnittspreise wurden vergangenes Jahr in Kleinmachnow mit 922.000 Euro erzielt. Der Durchschnittspreis für Eigentumswohnungen im Erstverkauf stieg um 5 Prozent auf 335.000 Euro.

Geringes Angebot im Berliner Umland

Wohnbauland kostete im Speckgürtel durchschnittlich 309 Euro pro Quadratmeter und in den berlinferneren Regionen 79 Euro pro Quadratmeter. „Bei diesen Preisen nehmen gerade in Zeiten mit zunehmendem Homeoffice Käufer eher weitere Strecken zum Arbeitsplatz in Kauf“, sagte Kuse. 

Hintergrund für die steigenden Preise auch in den berlinferneren Regionen sei die Tatsache, dass der hohen Nachfrage im Berliner Umland nur ein geringes Angebot gegenüberstehe, sagte Kuse. Die Gefahr einer Blase auf dem Markt sieht der Experte aber noch nicht. „Dies wäre erst dann zu befürchten, wenn die Preise auf dem Land ein ähnliches Niveau wie im Speckgürtel schießen würden“, erläuterte er.

Auffällig sei ein besonders hoher Flächenumsatz mit 470 Hektar im Landkreis Oder-Spree, wo der US-Elektroautobauer Tesla sein Werk errichtet, und mit 299 Hektar im Landkreis Dahme-Spreewald mit dem neuen Hauptstadtflughafen. „Da decken sich Investoren vorsorglich ein“, vermutete Kruse.

Durch Share Deals entgehen dem Land Einnahmen

Auch für den Landeshaushalt ist der Grundstücksmarkt lukrativ, denn auf die Umsätze werden in der Regel 6,5 Prozent Grunderwerbssteuer fällig. Allerdings werden besonders bei großen Immobiliendeals häufig nicht das Grundstück selbst, sondern lediglich Anteile an der Eigentümerfirma verkauft. Durch diese sogenannten Share Deals wird die Grunderwerbsteuer umgangen. 

Beispielsweise gehören dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen in Potsdam rund 2000 Wohnungen, die bei der bislang angestrebten Übernahme durch den Konzern Vonovia den Besitzer wechseln würden. Das Thema hat nun auch die Landesregierung entdeckt und will beim Bund Druck machen, wie Innenstaatssekretär Uwe Schüler (CDU) sagte. 

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