Potsdam : Baukultur wieder hoffähig gemacht

Der Architekt und Stadtplaner Reiner Nagel durfte vor dem blu einen Ginko pflanzen – als Auszeichnung

Eingepflanzt. Reiner Nagel, Jann Jakobs und Gero Bergmann (v.l.) am Ginko. F.: Klaer
Eingepflanzt. Reiner Nagel, Jann Jakobs und Gero Bergmann (v.l.) am Ginko. F.: Klaer

Innenstadt - Mit einem sechs Meter hohen Ginkobaum hat sich Reiner Nagel, Chef der in Potsdam ansässigen Bundesstiftung Baukultur, vor dem Schwimmbad blu verewigt. Gemeinsam mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) pflanzte Nagel am gestrigen Montag den symbolträchtigen Baum. Auf einem Rasenstück links vom Eingang des Bades soll der Ginko, der aus der havelländischen Baumschule Lorberg stammt, künftig wachsen. Die Baumpflanzung war Teil eines Preises, der Nagel bereits im Jahre 2016 vom Urban Land Institute Germany (ULI) verliehen wurde. Der Architekt hatte den Leadership Award in der Kategorie „öffentliche Hand“ für sein Wirken auf dem Gebiet der Baukultur erhalten.

Als Nagel und Jakobs am Montagnachmittag einige Häufchen Erde um den Ginko herum mit dem Spaten verteilten, stand der Baum freilich schon längst fest in der Erde. Aber ein wenig Pflanzsymbolik durfte eben doch nicht fehlen. Beim anschließenden Angießen aus geradezu niedlich kleinen Kannen merkte Nagel angesichts der kalten Temperaturen an: „Wir können ja froh sein, dass hier keine Eiswürfel rauskommen.“ Seine Prognose zur Zukunft des Ginkos vor dem blu: „Der Baum wird es laut haben.“ Und in der Tat: Während der kleinen Zeremonie war der Verkehrslärm vom Leipziger Dreieck her, das in den nächsten Jahren umgebaut werden soll, wirklich unüberhörbar kräftig.

Der Preisträger begründete die von ihm selbst getroffene Wahl des Standorts für den Ginko nahe am blu unter anderem damit, dass es sich um eine Fläche handele, um die herum in den nächsten Jahren aus städtebaulicher Sicht viel passieren werde. Nagel spielte damit auf die geplante Bebauung am Brauhausberg an. Für den ersten großen Neubau am Platz, das Schwimmbad blu, fand Nagel lobende Worte. Zu dem Vorwurf, der Bau behindere die Sicht auf den Brauhausberg, sagte er: „Verstellen kann man nur einen Blick, wenn es einen zentralen Standort gibt, von dem alle gucken.“ Das sei hier gerade nicht der Fall. Im Übrigen werde sich das Gesicht des Berghangs ja ohnehin durch die künftige Bebauung noch deutlich verändern.

Gero Bergmann von der ULI begründete die Preisverleihung an Nagel unter anderem damit, dass der Architekt das Thema Baukultur „wieder hoffähig gemacht" habe. Dem Preisträger sei es mit zu verdanken, dass Fragen der Baukultur ein starkes Gewicht bekommen hätten. Nagel ist allerdings auch selbst beim ULI tätig, jenem Institut, das ihm den Preis verliehen hat. „Herr Nagel ist einer der führenden Köpfe, die sich für ULI in Deutschland engagieren“, sagte Bergmann. So gehöre Nagel dem Beirat der regionalen Abteilung des ULI an. Das Institut versteht sich selbst als ein Netzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, nachhaltige Stadtentwicklung voranzutreiben. Mitglieder des ULI sind unter anderem Projektentwickler, Architekten, Rechtsanwälte, aber auch Vertreter der öffentlichen Hand.

Oberbürgermeister Jakobs betonte in seiner kurzen Ansprache die Bedeutung der Bundesstiftung Baukultur mit ihrem Chef Reiner Nagel. „Hier wird sozusagen Zukunft geplant und umgesetzt.“ Die Stiftung leiste geradezu Pionierarbeit. Jakobs beschrieb den Preisträger als jemanden, der nicht theoretisiere, sondern in seiner Arbeit einen pragmatischen Ansatz pflege. Holger Catenhusen

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