Potsdam : Baubeginn nach 23 Jahren Leerstand

Das Brockessche Palais steht vor seiner Rettung: In dem Barockgebäude sollen 100 Wohnungen entstehen

Ingmar Höfgen
Bald wieder prachtvoll: An der Fassade des Brockesschen Palais sind noch Einschüsse und Einschläge von Granatsplittern aus dem Zweiten Weltkrieg zu erkennen. In dem Haus in der Yorckstraße sollen nun rund 100 Wohnungen entstehen.
Bald wieder prachtvoll: An der Fassade des Brockesschen Palais sind noch Einschüsse und Einschläge von Granatsplittern aus dem...Foto: Manfred Thomas

Innenstadt - Im halb verfallenden Brockesschen Palais am ehemaligen Stadtkanal könnten bereits im nächsten Jahr neue Wohnungen entstehen. Eine entsprechende Ankündigung hat die Stadt Potsdam vom Bauherren erhalten. Das barocke Stadtpalais und das umliegende Grundstück gehören zur Asset-Firmengruppe, die das Palais mit weiteren Neubauten, darunter einer Neuinterpretation des Langen Stalles, verbinden will – 40 Meter des ehemaligen Langen Stalles, früher ein Reit- und Exerzierhauses, liegen auf dem Gelände, das dem Unternehmen gehört. Ursprünglich sollte bereits seit Sommer dieses Jahres gebaut werden.

Flankiert werden soll das Brockessche Palais, das derzeit nur unter einem schützenden Tunnel passiert werden kann, künftig an beiden Seiten von weiteren Gebäuden. Hinter dem Fassadenkomplex ergänzen zwei neue Seitenflügel und eine bereits bestehende Remise das Ensemble. Rund 100 Wohnungen sollen laut Angaben der Stadt dort entstehen. Stellplätze sollen es in einer Tiefgarage im rückwärtigen Grundstücksteil geben.

In der Potsdamer Stadtverwaltung ist man über den in Aussicht gestellten Baubeginn hocherfreut. „Nach 23 Jahren Leerstand und entsprechendem Verfall der Bausubstanz begrüßt die Landeshauptstadt Potsdam die bevorstehende Rettung und Wiedernutzung des Palais durch den neuen Eigentümer außerordentlich“, teilte Stadtsprecherin Christine Weber mit. „Der denkmalgerechte Umbau des Brockesschen Palais zum Wohnhaus sowie der ebenfalls für Wohnen vorgesehenen Anbauten entspricht dem Sanierungsziel zur Stärkung der Wohnfunktion der Innenstadt.“ Derzeit ist das Haus, das in die Denkmalliste eingetragen ist, in einem erbärmlichen Zustand. Offen stehende oder mit Holzplatten vernagelte Fenster zeugen davon, dass in den vergangenen Jahren wenig von den verschiedenen Eigentümern in Sicherung und Substanz investiert worden ist.

Vor den Beginn der Bauarbeiten scheinen aber nicht alle Details geklärt. Zwar verfügt der Eigentümer, der auf telefonische und schriftliche Anfragen der PNN nicht reagierte, laut Stadtsprecherin Weber schon seit einigen Monaten über eine Baugenehmigung. Einige Nachträge befänden sich laut Stadtverwaltung derzeit im Genehmigungsverfahren.

Ein alter Streitpunkt ist dabei offensichtlich ausgeräumt worden. Ein riesiger Saal in der ersten Etage sollte ursprünglich geteilt werden, wogegen die Denkmalschützer Einwände erhoben. In der aktuellen Planung gehört der Raum zu einer rund 300 Quadratmeter großen Wohnung, die ein Käufer aus Hamburg reserviert habe, sagte Theodor Tantzen, Vorstand der Prinz von Preussen AG, die das aus dem Jahr 1776 stammende Haus vermarktet hat. Tantzen sprach gegenüber den PNN von einem Quadratmeterpreis von etwa 4600 Euro für die dort entstehenden Wohnungen. Auf der Internetseite, auf der Wohnungen in dem Ensemble vermarktet werden sollen, prangt für die Wohnungen bereits ein „Verkauft“-Schild.

Das Brockessche Palais, das Friedrich der Große durch Carl von Gontard für den königlichen Glasschleifer Johann Christoph Brockes errichten ließ, hat als erhalten gebliebenes barockes Stadtpalais dieser Größe in der Potsdamer Innenstadt für die Landeshauptstadt einen besonderen Wert. Durch den Anbau der beiden straßenseitigen Wohn- und Geschäftshäuser kann erstmals nach der Zerstörung 1945 die Straßenfront zur Yorckstraße zwischen Siefertstraße und Plantage wieder geschlossen und damit der historische Stadtgrundriss an dieser Stelle wiederhergestellt werden. Der letzte Nutzer war die Telekom, zwischenzeitlich war das Gebäude als Sitz des Potsdam-Museums im Gespräch.