• Bauausschuss diskutiert Stadtentwicklung: Mehr Bäume, weniger Verkehr

Bauausschuss diskutiert Stadtentwicklung : Mehr Bäume, weniger Verkehr

Etwas mehr Grün im Lustgarten, Poller am Pfingstberg, Uferweg am Griebnitzsee und das neue Zentraldepot der Stadt: Der Bauausschuss hatte am Dienstagabend viele Themen zu besprechen.

Der Bauausschuss wünscht sich etwas mehr Grün vor dem Filmmuseum
Der Bauausschuss wünscht sich etwas mehr Grün vor dem FilmmuseumFoto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - An manchen Orten werden Bäume gefällt, an anderen sollen welche gepflanzt werden. Die PNN geben einen Überblick über die Themen aus dem Bauausschuss.

Grüne Inseln im Beton

Ausführlich haben sich die Ausschussmitglieder am Dienstagabend mit Plänen für ein knappes Dutzend Bäume am Lustgarten beschäftigt. Schon vor zwei Jahren hatten die Stadtverordneten die Verwaltung beauftragt, zu prüfen, wie das Areal vor dem Filmmuseum grüner werden kann. Dort gebe es kaum Schatten und es heize sich bei Sonnenschein stark auf. Schon damals galt das als schwierig, weil in dem Areal viele Leitungen unterirdisch verlaufen und die Gestaltung des Lustgartens Resultat eines Wettbewerb zur Bundesgartenschau 2001 war. 

Nun gibt es einen Vorschlag. Demzufolge könnten vor der Spielbank und in einem Dreieck vor der Zufahrt zum Hotel Mercure ein paar Bäume gepflanzt werden. Allerdings wies die Stadtverwaltung drauf hin, dass bisher im Haushalt kein Geld dafür eingestellt ist. Die Linke hatte zu dem Thema auch einen eigenen Antrag vorbereitet. Die Abstimmung wurde jedoch verschoben, um die Ergebnisse aus der Verwaltung noch einzuarbeiten.

Kurze Haltbarkeit

Auch im Bornstedter Feld auf dem Johan-Bouman-Platz wünscht sich der Bauausschuss weniger Beton und mehr Grün. Das Gremium stimmte am Dienstag einstimmig für einen Änderungsantrag der Linken zu einem ursprünglich von Linken, SPD und Grünen eingebrachten Antrag. Demnach soll die Stadtverwaltung Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität sowie einer nachhaltigen Entsiegelung und Begrünung einleiten. Akteure vor Ort sollen in die Planung einbezogen werden. "Mehr Grün, Wasserspender, Spielgeräte, Infotafeln und vor allem ein regelmäßiges Nutzungskonzept können aus dem Platz ein lebendiges Zentrum machen", so die Begründung.

Zu viel Beton? Die Verwaltung soll Vorschläge für mehr Grün am Bouman-Platz machen. 
Zu viel Beton? Die Verwaltung soll Vorschläge für mehr Grün am Bouman-Platz machen. Foto: Andreas Klaer

Der Platz war erst vor wenigen Jahren nach einem Wettbewerb für 400.000 Euro vom Entwicklungsträger gestaltet worden. Die Interessensvertretung Bornstedter Feld war auch Teil der Jury, die die Vorschläge bewertete. Damals hatte es geheißen, es gebe genug Grün in der Umgebung. Im September soll die Stadtverwaltung nun berichten, was sie verbessern will.

Verfahren für Zentraldepot kann starten

Die Stadt treibt die Pläne für einen neues Zentraldepot voran. Als neuen Standort für ein gemeinsames Depot für das Naturkundemuseum, die Bibliothek, das Stadtarchiv und die Denkmalpflege fasst die Stadt wie berichtet eine Fläche an der Bundesstraße 273 nahe des Sacrow-Paretzer Kanals ins Auge. Benötigt werden laut der Vorlage aus dem Rathaus knapp 10.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Die Kosten wurden zuletzt mit bis zu 29 Millionen Euro angegeben.

Der Bauausschuss stimmte am Dienstag ohne Gegenstimme für den Start eines entsprechenden Bebauungsplanverfahrens. Bisher wird das Areal mit Ausnahme einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete und der Schiffsbauversuchsanstalt nicht genutzt und liegt überwiegend brach. Der Flächennutzungsplan soll parallel geändert werden.

Poller oder Einbahnstraße

Kleingärtner in der Straße Am Pfingstberg können sich womöglich auf die von ihnen gewünschte Verkehrsberuhigung freuen. Im Ausschuss informierte die Stadtverwaltung über die Ergebnisse eines Ortstermins mit Kleingärtnern und Vertretern der CDU-Fraktion. Die Straße sei nicht für das heutige Verkehrsaufkommen ausgelegt und verfüge nicht einmal über Gehwege. Mögliche Lösungen sei eine Absperrung mit Pollern oder eine Einbahnstraße. Zunächst aber soll es eine Verkehrserhebung geben. Ergebnisse seien im Oktober zu erwarten. 

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Zuvor hatte ein Vertreter des Kleingartenvereins Bergauf die Zustände geschildert. Der Autoverkehr habe immer mehr zugenommen. Das sei ein Riesenproblem. Die Gartentore von vielen der 164 Parzellen des Kleingartenvereins führen direkt auf die Fahrbahn. Das sei unübersichtlich und gefährlich vor allem für Kinder.

Wohnungsbau in Zentrum-Ost

Die jahrelange Diskussion um ein Neubauprojekt in Zentrum Ost entlang der Nuthestraße neigt sich nun dem Ende zu. Der Ausschuss beschäftigte sich am Dienstagabend in erster Lesung mit dem Satzungsbeschluss für den dortigen Bebauungsplan und dem städtebaulichen Vertrag. Wie berichtet hatte es im Februar Protest gegen Baumfällungen gegeben. 

Ein Drittel der Ersatzpflanzungen sollen in dem Plangebiet am Humboldtring untergebracht werden, hieß es nun. Das Potsdamer Baulandmodell wird zwar angewendet, doch der abgeschöpfte Wertzuwachs von rund 1,5 Millionen Euro reicht wie berichtet nicht für eine einzige Sozialwohnung. Aber immerhin 987.000 Euro fließen in 26 Kita- und 17 Grundschulplätze.

Breites Mandat gesucht

Auch im Bau- und tags darauf im Hauptausschuss wurde ein dritter Anlauf der Stadt Potsdam für einen freien Uferweg am Griebnitzsee debattiert. Viel neue Argumente gab es nicht - allerdings schlug Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Stadtverordneten vor, in der noch einmal die genaue Verhandlungslinie mit den sperrenden Anwohnern definiert werden könne. 

Hintergrund dafür seien die verschiedenen Positionen in der Stadtpolitik: Von einer linken Mehrheit, die den Weg mit einem Bebauungsplan wiederherstellen will bis zur CDU, die vor einem Millionengrab für Steuerzahler warnt. Es gehe ihm um ein möglichst breites Verhandlungsmandat, sagte Schubert - ähnlich, wie dies schon beim Konflikt um die Garnisonkirche zumindest bisher gelungen sei. Allerdings könne dieser Weg auch scheitern, sagte er. Wie berichtet will Potsdam nach Niederlagen vor Gericht dennoch den Weg weiter zurückgewinnen, selbst die Aufstellung in viele kleine Bebauungspläne zur Sicherung des Wegs wird aktuell erwogen. 


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