• Muster für Potsdamer Straßenschild für Sehbehinderte

Barrierefreiheit : Straßenschild für Sehbehinderte in Potsdam vorgestellt

Die Oberlin-Metallwerkstatt auf Hermannswerder hat einen Prototyp für ein Potsdamer Straßenschild für Sehbehinderte entwickelt.

Bald so? Andreas Paetsch, Leiter der Oberlin-Metallwerkstatt auf Hermannswerder, zeigt das Muster für ein Potsdamer Straßenschild für Sehbehinderte. 
Bald so? Andreas Paetsch, Leiter der Oberlin-Metallwerkstatt auf Hermannswerder, zeigt das Muster für ein Potsdamer Straßenschild...Sebastian Rost

Potsdam - Im Bemühen um mehr Barrierefreiheit bei der Orientierung in der Potsdamer Innenstadt hat jetzt die Oberlin-Metallwerkstatt auf Hermannswerder ihren Hut in den Ring geworfen. Nach dem Vorbild der zusätzlichen Straßenschilder für Sehbehinderte in der schleswig-holsteinischen Stadt Wedel hat die Einrichtung nun auch für Potsdam einen ersten Prototyp hergestellt. Einen entsprechenden Antrag dafür hatte wie berichtet der Linke-Stadtverordnete Sascha Krämer vor Kurzem in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Sollte sich die Idee durchsetzen, könnte die Metallwerkstatt die gesamte Produktion der Schilder übernehmen, bietet Werkstattleiter Andreas Paetsch an. „Wir sind gut aufgestellt und haben reichlich Erfahrung mit großen Stückzahlen.“

In Potsdam mit Brailleschrift

Derzeit arbeiten in der Oberlin-Werkstatt 35 Mitarbeiter mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Auf die Idee, ein erstes Muster zu entwickeln, ist die Einrichtung nach eigenen Angaben über den Artikel in den PNN gekommen. Der Prototyp wurde aus Kunststoff gefräst und – anders als sein Vorbild aus Schleswig-Holstein – zusätzlich mit der sogenannten Brailleschrift, der aus Punkten bestehenden Blindenschrift, versehen. Ansonsten ähnelt die Potsdamer Version bislang stark dem Wedeler Original. 

Das Original. In der schleswig-holsteinischen Stadt Wedel sind bereits mehr als 100 Schilder montiert.
Das Original. In der schleswig-holsteinischen Stadt Wedel sind bereits mehr als 100 Schilder montiert.Foto: picture alliance/dpa

Dabei handelt es sich um zwei aneinanderliegende schmale Bauklötze, an deren Stirnseiten die entsprechenden Straßennamen in erhabener Schrift zu lesen sind. Die Schilder sollen in einer Höhe von rund 1,40 Meter an wichtigen Straßenkreuzungen angebracht werden und somit sehbehinderten und blinden Menschen die Orientierung erleichtern. Später möchte Paetsch die Schilder allerdings aus pulverbeschichtetem Aluminium fertigen, die Ecken abrunden, Richtungspfeile anbringen und die Straßennamen kontrastreich farbig hervorheben.

In Wedel sind bereits mehr als 100 Schilder montiert

Erfunden hat das Original der 75-jährige Volker König, ein seit rund 50 Jahren blinder Ingenieur aus Wedel. In der 34.000-Einwohnerstadt im Kreis Pinneberg, wo bislang 118 solcher Schilder montiert sind, wurde bewusst auf die Brailleschrift verzichtet. Die Begründung: Mittlerweile würden nur noch rund zehn Prozent der Sehbehinderten Braille lesen können. Die Vorsitzende des Potsdamer Behindertenbeirats Manuela Kiss hatte aber in den PNN das Original als „noch nicht ganz ausgereift“ bezeichnet und für Potsdam eine Lösung mit der Brailleschrift gefordert.

Erste Schilder möglicherweise im Frühsommer

Laut Sascha Krämer soll der Antrag am 25. Februar zunächst im Bauausschuss diskutiert werden. Allerdings stünden seines Wissens nach die Fraktionen der Rathauskooperation bereits hinter dem Projekt. Sollte sein Antrag dann im März im Stadtparlament beschlossen werden und die Finanzierung stehen, könnten schon im Frühsommer die ersten Schilder montiert werden, hofft der Linke-Politiker.
Für die Finanzierung baut Krämer neben der Stadt selbst auf spendable Firmen oder Institutionen. In Wedel beläuft sich der Stückpreis wie berichtet auf rund 120 Euro. Das müsse auch in Potsdam veranschlagt werden, schätzt Krämer. Wenigstens rund 200 Stück wünsche er sich für den Start.

Werkstatt: Jedes Stück ein Unikat

Mengenrabatt aber ist nicht drin, meint Werkstattleiter Andreas Paetsch. „Durch die verschiedenen Straßennamen ist jedes Stück quasi ein Unikat. Außerdem sind sechs verschiedene Bearbeitungsschritte an der Fräse notwendig. Das kostet Zeit“, erklärt er. Indes wäre ein Zuschlag für seine Werkstatt für seine Mitarbeiter bestimmt eine sehr schöne Sache. Bereits jetzt seien sie für das Projekt Feuer und Flamme. Sonst würden in der Metallwerkstatt vor allem Einzelteile für die Industrie gefertigt. „Die Schilder sind ein Produkt, mit dem sie sich identifizieren können. Die würden dann überall in Potsdam zu sehen sein und jeder kann sagen: Das habe ich gemacht.“