• Bands in Potsdam: Proberäume in der Schiffbauergasse geplant
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Bands in Potsdam : Proberäume in der Schiffbauergasse geplant

Das Rathaus bereitet offenbar eine Ausschreibung vor, doch die Potsdamer Musiker sind skeptisch - vor allem ein Wort stört sie an der Ausschreibung.

Andrea Lütkewitz
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Potsdam - Nach knapp zwei Jahren ist erst mal wieder Schluss mit einem Proberaum. Erst im Sommer 2017 war die Band 14-4 Liquor Store mit ihren Instrumenten in die ehemalige Ketchup-Fabrik in Werder gezogen, jetzt flatterte die Kündigung ins Haus. Der Grund: Eigenbedarf. „Werder Feinkost“ will die Fabrik sanieren und wieder selbst nutzen. „Ende Juni müssen wir unsere Sachen packen und ausziehen. Eine Alternative haben wir nicht“, sagt Mick Splisteser, Bassist der Band. Im Dezember 2018 berichteten die PNN über den 29-Jährigen und seine Bandkollegen sowie weitere Bands aus Potsdam – exemplarisch für die schwierige Situation von Musikern in der Landeshauptstadt.

Alles voll

Seit Jahren ist bekannt, dass es für lokale Bands zu wenige adäquate und bezahlbare Proberäume gibt – und deswegen immer mehr von ihnen ins Umland oder nach Berlin ausweichen. Doch auch dort scheint es keine Sicherheiten zu geben, wie an der alten Ketchup-Fabrik zu sehen ist. Insgesamt werden hier acht Proberäume wegfallen, so Splisteser – ein Problem für ebensoviele Bands. Neben 14-4 Liquor Store probten hier bislang unter anderem auch die Potsdamer Bands Purple People Eater oder Sunna Sepdoom. Zwar würden im Kulturzentrum Freiland aktuell sechs Proberäume ausgebaut, doch das würde noch einige Zeit dauern, da dort andere Baustellen gerade wichtiger sind, sagt Splisteser. Eine Anfrage seiner Band auf Raumnutzung ergebe darum derzeit wenig Sinn. „Es steht also nach wie vor schlecht um Proberäume“, sagt er. Mit Glück kämen 14-4 Liquor Store erst mal bei einem Freund unter – Zukunft ungewiss. Am liebsten allerdings würde die Band wieder in Potsdam proben können – nicht nur auf Zeit.

Wann und in welcher Form sich derartige Situationen für Musiker ändern, das vermag auch das Potsdamer Rathaus nicht zu beantworten. Als Ende letzten Jahres bekannt wurde, dass es ein Angebot der Deutschen Rockmusik-Stiftung gibt, in Potsdam ein Musikzentrum mit Proberäumen und Tonstudios zu bauen, war das ein Hoffnungsschimmer für die Szene. Der Vorsitzende der Stiftung, Holger Maack, hatte gegenüber den PNN erklärt, die Stiftung sei bereit, rund 500.000 Euro in ein solches Projekt zu investieren. Als Standort war die Schiffbauergasse im Gespräch, im Januar 2019 sollten die Gespräche konkreter werden. „Bislang ist aber nichts passiert“, sagt Maack, weitere Treffen hätte es nicht gegeben.

Bau eines Musikzentrums geplant

Auf Nachfrage im Rathaus nach dem Grund der ausbleibenden Verhandlungen mit der Stiftung teilte die Pressestelle jetzt überraschend mit, dass der Bau eines Musikzentrums öffentlich ausgeschrieben werden soll – und die Rockmusik-Stiftung sich neben anderen potenziellen Investoren darauf bewerben könne. „Im Ergebnis einer intensiven Prüfung stellt die Schiffbauergasse einen möglichen Standort für ein Bandprobenhaus dar." Die verwaltungsinterne Abstimmung sowie die Abstimmung mit den Kulturträgern des Internationalen Kunst- und Kulturquartiers Schiffbauergasse hätten ergeben, dass am Standort ein Grundstück für einen derartigen Neubau genutzt werden solle, heißt es. Und: „Da wir aber gerade die entsprechende Ausschreibung für die Vergabe erst vorbereiten, können wir aktuell leider keine detaillierteren Informationen herausgeben.“ Es bleibt also zunächst unbekannt, wann die Ausschreibung startet, wo genau in der Schiffbauergasse gebaut werden soll, wie hoch der Eigenanteil des Investors sein muss und welches Konzept dabei genau verfolgt wird.

Skepsis bei Musikern

Zwar verkündete Pressesprecherin Christina Homann auf weitere Nachfrage, dass „ein Grundstücksverkauf im Rahmen einer Konzeptvergabe (das heißt nicht im Höchstgebotsverfahren)“ angestrebt werde, doch sowohl die Rockmusik-Stiftung als auch Potsdamer Musiker äußerten sich gegenüber dieser Zeitung darüber zunächst skeptisch. Holger Maack zeigt sich über diese Entwicklung enttäuscht, will aber die Ausschreibung abwarten. „Allerdings müssen wir schauen, ob sich eine Bewerbung dann lohnt, ob wir die Anforderungen erfüllen können“, sagt er. Und Splisteser meint: „Das klingt gut – für einige Kreativschaffende in der Stadt.“ Er frage sich allerdings, wenn er das Wort „Investor“ höre, ob am Ende auch die Mieten bezahlbar seien. Zudem würden recht viele Räume gebraucht.

Auch Thomas Marks, Gitarrist der Band Red Cardinal, die ebenfalls wie im Dezember berichtet vor zwei Jahren ungewollt zum Proben nach Werder ausweichen musste, sieht das ähnlich. „Ich verstehe nicht, warum die Stadt nichts zum Konzept verraten will“, sagt er. Besonders mit Blick auf das geplante Kreativhaus in Potsdams Mitte, in das perspektivisch die aktuellen Mieter des Rechenzentrums einziehen sollen, sei er misstrauisch hinsichtlich der geplanten Ausschreibung. Denn hier solle eine Miete in Höhe von zwölf Euro pro Quadratmeter verlangt werden – zu viel für viele Kreative. Und dass hier nach wie vor keine Proberäume für Musiker mitgeplant würden, könne er auch nicht verstehen. „Zudem hatte ich in den letzten Jahren nicht das Gefühl, dass die Stadt sich sonderlich um die Probleme ihrer Musiker schert“, sagt er.

Die Projektleiterin für die Popularmusikerszene in Brandenburg, Franziska Pollin, begrüßt grundsätzlich die Bestrebungen der Stadt, „die prekäre Proberaumsituation nun endlich konkret anzugehen“. Doch auch sie sagt: „Für die Bands und Musiker sind vor allem zwei Faktoren wichtig: der gewählte Standort für das neue Proberaumzentrum muss zentral gelegen und die Raummieten müssen bezahlbar sein.“

Korrektur, 17.06.2019, 14.55 Uhr: In einer vorherigen Version des Artikels hieß es, dass das Freiland im Jahr 2017 die Anfrage der Band 14-4 Liquor Store nach einem Proberaum abgelehnt habe, weil die Räume schon vergeben seien. In diesem Punkt korrigierte sich Mick Splisteser anschließend. Die Räume würden lediglich nicht zeitnah fertig, teilte ihm das Freiland damals mit.