• Ausstellung von Rechenzentrum-Künstlern: Versöhnliches im Rohbau der Garnisonkirche

Ausstellung von Rechenzentrum-Künstlern : Versöhnliches im Rohbau der Garnisonkirche

Künstler aus dem Rechenzentrums stellen Werke im Turm der Garnisonkirche aus. Es geht um eine künstlerische Begleitung des umstrittenen Projekts.

Chris Hinze inmitten seiner Installation.
Chris Hinze inmitten seiner Installation.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - In so trauter Einigkeit hat man die Vertreter des Rechenzentrums und der Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche selten erlebt: „Blickwinkel 1.0 - Stadträume, Sichtachsen und Positionen“ heißt das gemeinsame Kunstprojekt, das Ausstellungsorganisator Lars Kaiser und Stiftungssprecher Wieland Eschenburg am Freitag bei einem Pressetermin vorstellten. Vom 2. bis 4. Oktober werden 35 Künstler im Rohbau des Kirchturms Bilder, Fotos, Grafiken, Comics und Installationen ausstellen, darunter dreizehn Künstler aus dem Rechenzentrum, fünf, die früher im Rechenzentrum Mieter waren, und dreizehn freischaffende Künstler aus Potsdam.

„Wir wollten ganz bewusst keine Konfliktsituation beschreiben, sondern nach Gemeinsamkeiten suchen“, erläutert Eschenburg den Fokus der Ausstellung, die sich auf die neuen Blickbeziehungen und Perspektiven konzentrieren möchte, die durch das enge Nebeneinander von Turm und Rechenzentrum entstanden sind. „Das barocke Wahrzeichen in der Mitte Potsdams wird wiederbelebt mit kultureller und künstlerischer Freiheit und in einem toleranten Miteinander“, heißt es dazu auf der Webseite von Blickwinkel 1.0. „Manch einen wird die Selbstverständlichkeit überraschen, mit der wir hier zusammenarbeiten“, sagte Eschenburg.

Positiv, aber auch kritisch

Initiator des Projektes sind die Rechenzentrums-Künstler Lars Kaiser und Jeanne van Dijk, welche die Baustelle von Anfang an künstlerisch begleitet hatten: „Wir haben den Raumkörper des Turms ja immer mehr spüren können; es ist ein Ort mit positiver und negativer Energie“, sagt Kaiser. „Es macht einen Reiz für mich aus, mit der Kunst dorthin zu gehen, wo es Spannungen gibt.“ Die Kunstwerke, die im Oktober hier zu sehen sein sollen, würden sich sowohl positiv als auch kritisch mit der Garnisonkirche auseinandersetzen, sagt Kaiser: „Wir haben nichts zurückgezogen.“

Auf zwei der Kunstwerke, die beide von Chris Hinze stammen, konnte man am Freitag schon einen Blick werfen: Bei der Installation „Kreuzfahrt“ handelt es sich um zwölf in der Luft hängende Bootsrümpfe, in denen der Künstler Erinnerungen an seine ostdeutsche Jugend im Spreewald mit christlicher Motivik verbindet. Die Installation lasse eine Vielzahl an Assoziationen zu, so Hinze, es könne sowohl eine letzte Fahrt als auch ein Aufbruch sein. „Wir sollten vielleicht nicht so sehr in die Vergangenheit schauen, sondern auf die Gegenwart", sagt Hinze.

Die zweite Installation „Formverlust“ zeigt erneut zwölf schwebende Bootsrümpfe, nun jedoch wie erstarrt nach unten hängend und zum Teil völlig deformiert. Es gehe darum, das Alte loszulassen, so Hinze: „Die alte Form funktioniert nicht mehr.“

In der Baustelle der Garnisonkirche.
In der Baustelle der Garnisonkirche.Foto: Andreas Klaer

"Faszinierender Zustand"

Am Freitag entstand auch ein Gemälde von der Baustelle: Der Rechenzentrums-Künstler Sebastian Kommerell malte den Rohbau samt Kran. „Mit diesem Projekt begleiten wir die Ausstellung künstlerisch und freuen uns über das Miteinander an diesem besonderen Ort“, so Kaiser. Auch Wieland Eschenburg freute sich über das Gemälde: „Der Rohbau ist ein faszinierender Zustand und wir wollen gerne die verschiedenen Seelenzustände dieses Gebäudes dokumentieren.“ Auch einen neuen Kunstautomaten gibt es nun an der Baustelle: Laut Kaiser, der die Kunstautomaten-Idee 2007 ins Leben gerufen hatte, geht ein Zehntel der Einnahmen aus dem Automaten an die Garnisonkirchen-Stiftung.

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Gefördert wird die Ausstellung unter anderem von der Initiative Mitteschön, der Unternehmensberatung Centuros und der Baufirma Gabriel Dreßler. Dennoch erhält keiner der 35 Künstler ein Honorar: „Alle stellen freiwillig aus, weil dies einfach ein besonderer Ort ist, um seine Kunst zu präsentieren“, sagt Eschenburg.

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