Potsdam : Außenrum statt obendrüber

Potsdam und das Umland bilden Einheitsfront gegen BBI-Überflüge

Außenherum. Die blaue Route (l.) ist jene, bei der die Flugzeuge den Südwesten Berlins nebst Potsdam am weiträumigsten umfliegen müssten. Diese Route wollen die Rathauschefs der betroffenen Gemeinden durchsetzen. Repro: A. Klaer
Außenherum. Die blaue Route (l.) ist jene, bei der die Flugzeuge den Südwesten Berlins nebst Potsdam am weiträumigsten umfliegen...

Die Allianz steht. Potsdam, den Landkreis Potsdam-Mittelmark, die Gemeinden Teltow, Stahnsdorf, Kleinmachnow und den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf eint dasselbe Ziel – die startenden Flugzeuge des Flughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) sollen weiträumig am gemeinsamen Ballungsraum vorbeifliegen, das Nachtflugverbot sei zu sichern. Das ist der Inhalt eines Antrags, den die Bürgermeister der genannten Kommunen am Montag in der nächsten Sitzung der Fluglärmkommission einbringen wollen.

Demnach sollen die von der Nordstartbahn in Richtung Westen abhebenden Flugzeuge künftig entlang des südwestlichen Berliner Rings (A 10) bis hinter Werder (Havel) fliegen und erst dann in ihre jeweiligen Zielrichtungen abschwenken dürfen. Als Flughöhe wollen die Städte und Gemeinden 10 000 Fuß, das sind etwa 3300 Meter, durchsetzen. Zwei für die Flieger kürzeren Alternativrouten lehnen die Gemeinden ab – eine würde über den Forschungsreaktor in Berlin-Wannsee führen, der nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert ist, bei der zweiten würde Potsdam überflogen.

Die favorisierte Strecke entlang des Autobahnrings bis hinter Werder ist zwar nicht neu – sie wurde bereits Ende Februar in der Fluglärmkommission diskutiert – doch gestern demonstrierten die Rathauschefs bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Potsdam noch einmal Geschlossenheit und Kampfeswillen. „Wir müssen unsere ganze Kraft in die Waagschale werfen“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und verwies auf den Bevölkerungsreichtum der Region südwestlich von Berlin. „Lärmschutz ist ein höheres Rechtsgut als Wirtschaftlichkeit.“ Thomas Schmidt (SPD), Bürgermeister von Teltow, beschwor ebenfalls das gemeinsame Ziel, „das eingefordert wird“. Auf den Punkt brachte dieses Ziel Bernd Albers (Bürger für Bürger), Bürgermeister von Stahnsdorf: „Außenrum statt obendrüber.“ Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) betonte, niemand wolle die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des BBI infrage stellen. Der Airport werde auch dann lukrativ sein, wenn die Flieger einen längeren Kurs um den Ballungsraum im Südwesten Berlins flögen. Es handele sich lediglich um 28 nautische Meilen – umgerechnet mache das weniger als einen Euro pro Fluggast aus, so Grubert.

Die Rathauschefs forderten Brandenburgs rot-rote Landesregierung auf, ihren Einfluss als Gesellschafterin des BBI geltend zu machen und die Bevölkerung vor Fluglärm zu schützen. Kritik an der Landesregierung übte Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Viele für die Bevölkerung rücksichtsvolle Flugrouten seien aus wirtschaftlichen Gründen bereits von vornherein ausgeschlossen worden. Dies lasse zwei Schlüsse zu: Entweder sei das Regierungsversprechen, die Bevölkerung vor Fluglärm zu schützen, „nur eine leere Worthülse“, oder der Einfluss als Gesellschafterin des BBI sei „außerordentlich gering“, so Blasig.

Der Bürgerinitiative Fluglärmfreie Havelseen geht der gemeinsame Antrag indes noch nicht weit genug. Die Route müsse hinter Ludwigsfelde sofort südlich der A 10 verlaufen, forderte BI-Sprecher Peter Kreilinger gestern. Andernfalls wären Nuthetal, Michendorf und der Süden Potsdams von Fluglärm betroffen.

Hinweis: Am heutigen Sonnabend wollen die Flugroutengegner aus Brandenburg und Berlin, wie berichtet, die Zu- und Abfahrt zum jetzigen Flughafen für etwa zehn Minuten durch eine Sitzblockade auf der Bundesstraße B 96a verhindern. Die Blockade sei eine Reaktion auf das jetzt bekannt gewordene Vorgehen der Behörden im Genehmigungsverfahren, die die erforderlichen Flugrouten vertuscht hätten, sagt Robert Nicolai von der Bürgerinitiative Schallschutz Rangsdorf, die die Demonstration mit der Sitzblockade organisiert. Beginn der Demonstration ist um 15 Uhr an der Dorfkirche in Schönefeld.