Potsdam : Ausbau der Lepsiusvilla beginnt

Stiftungsgeneraldirektor Hartmut Dorgerloh: Pfingstberg wird wieder zur „ersten Adresse“

Nauener Vorstadt - Der wegen fehlender EU-Förderung verschobene Innenausbau der Lepsiusvilla am Pfingstberghang kann nun doch beginnen. Dies kündigte Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh als Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten an, die Eigentümer des Gebäudes ist. Die Gebäudehülle des 1772 errichteten, später zur Villa ausgebauten ehemaligen Weinmeisterhauses war von der Stiftung ab 2002 wieder hergestellt worden; Innenausbau und Einrichtung der Gedenkstätte für den Theologen Dr. Johannes Lepsius, der das Haus von 1907 - 1925 bewohnte, wurden dem von Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz geleiteten Förderverein Lepsius-Haus übertragen. Der Verein habe nunmehr Mittel eingeworben, die einen schrittweisem Ausbau ermöglichten, erklärte Dorgerloh.

Die Erinnerungs- und Begegnungsstätte, deren Eröffnung ursprünglich für Mitte 2006 vorgesehen war, sieht einen Ausstellung zu Leben und Wirken von Johannes Lepsius, die originalgerechte Wiedereinrichtung seines Arbeitszimmer, eine Bibliothek, ein Dokumenten- und Zeitschriftenarchiv sowie einen Konferenzraum vor. Lepsius hatte sich für die christlichen Armenier eingesetzt, die 1894/95 sowie 1909 in der Türkei Pogromen ausgesetzt und 1915/16 während des Ersten Weltkrieges vertrieben worden waren, wobei etwa 1,4 Millionen den Tod fanden. Die Türkei bestreitet, dass es sich dabei um einen Völkermord handelte und nennt die Verfolgung „kriegsbedingt”. Laut Geschäftsführer Peter Leinemann geht es dem Verein um eine Gesamtdarstellung des Lebens und Wirkens von Johannes Lepsius. Dabei könne allerdings das Engagement des Theologen für die verfolgten Armenier keineswegs ausgeklammert werden.

Dorgerloh wies darauf hin, dass als weiteres wichtiges Baudenkmal am Pfingstberghang bereits am nächsten Wochenende die Villa Quandt wieder eingeweiht wird. Das um 1802 für einen Militär errichtete und später vom Kaisersohn Prinz Oskar von Preußen genutzte klassizistische Gebäude wurde als „Haus der Literatur” zum neuen Domizil für das Fontane-Archiv sowie das Brandenburgische Literaturbüro ausgebaut. Die nach 1945 vom Sowjetischen Geheimdienst genutzte, schließlich wegen ihres schlechten Bauzustandes leer stehende Villa war 1996 der Stiftung übertragen worden. Fördermittel aus einem EU-Programm und eine Großspende der Hamburger Reemtsma-Stiftung von jeweils 1,6 Millionen Euro ermöglichten die Sanierung und Restaurierung.

Als Drittes nannte Dorgerloh die Gedenk- und Begegnungsstätte Ehemaliges KGB-Gefängnis in der Leistikowstraße 1. Für das 1,9-Millionen-Vorhaben soll bereits am 1. Oktober Richtfest gefeiert werden. Das einstige Pfarrhaus, in dem ab 1946 etwa 1000 Häftlinge durch den sowjetischen Geheimdienst unter menschenunwürdigen Bedingen eingekerkert, gequält und gefoltert wurden, wird nicht „schönrestauriert”, sondern bewahrt seine Authentizität als „Ort des Schreckens”. Hinzugefügt wird ein schlichtes Empfangsgebäude mit Aufenthaltsraum für die Besucher, Seminarraum, Bibliothek und Büros.

Mit dem Abschluss dieser Vorhaben, erklärte Hartmut Dorgerloh, werde der Pfingstberg, wo bereits Pomonatempel, Belvedere und das Gärtnerhaus der Lepsiusvilla wiederhergestellt wurden, in Potsdam zu einer „ersten Adresse” für die historische und politische Bildung, aber ebenso für den Tourismus. Am Hang des ehemaligen Weinberges warten nun nur noch das Landhaus Villa Schlieffen und das kleine Kutscherhaus der Villa Lepsius auf Sanierung und neue Nutzer.