• Aus dem GERICHTSSAAL: Falscher Polizist trifft echten

Aus dem GERICHTSSAAL : Falscher Polizist trifft echten

Anklage: Amtsanmaßung / Prozess wird fortgesetzt

Ronny R.* (28), arbeitsloser Lagerist und Möchtegern-Polizist, staunte nicht schlecht, als er am 27. Dezember 2008 bei einer „Amtshandlung“ auf einen echten Staatsdiener traf. Gegen 21.30 Uhr soll der Potsdamer einen Audi, in dem der Beamte als Beifahrer saß, in der Nedlitzer Straße mit einer „polizeitypischen Anhaltekelle“ gestoppt und sich als Ordnungshüter ausgegeben haben. Das brachte ihm jetzt eine Anklage wegen Amtsanmaßung ein. Darauf steht immerhin Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. „Ich wollte den Fahrer zur Rede stellen. Der hat wie ein Geisteskranker trotz Gegenverkehr überholt. Ich musste bremsen, sonst hätte es gekracht“, empörte sich Ronny R. gestern vor Gericht. „Ich habe ihm lediglich mit der Hand angedeutet, dass er rechts ran fahren soll. Eine Anhaltekelle hatte ich definitiv nicht dabei.“ Und als Polizeibeamter habe er sich auch nicht ausgegeben. Schließlich habe er in dem Beifahrer schnell seinen Nachbarn Detlev D. erkannt. „Dass der bei der Polizei ist, wusste ich ja“, so der Potsdamer.

Audi-Fahrer Niklas N.* (29) erinnerte sich im Zeugenstand: „Der Angeklagte fuhr sehr dicht auf. Ich fühlte mich genötigt und habe in Höhe Brücke des Friedens zwei Fahrzeuge überholt, um einen Puffer zwischen uns zu schaffen.“ Dennoch sei das Auto von Ronny R. bald wieder hinter ihm gewesen. „Im Rückspiegel habe ich dann einen roten Punkt auf seinem Armaturenbrett erkannt. Detlev D. hat mir geraten, rechts ranzufahren. Er meinte, es könne sich um ein Polizeifahrzeug handeln.“ Als er an der Tankstelle hielt und ausstieg, habe Ronny R. eine beleuchtete rot-weiße Kelle, wie sie die Polizei zum Anhalten von Fahrzeugen benutzt, innen an der Beifahrerseite hochgehalten, dann etwas „von Überholen und Abstand halten gefaselt“. „Ich dachte mir schon, der kann nicht echt sein“, erklärte der Zeuge. „Ich fragte den Mann mehrmals, ob er Polizist sei. Das hat er bejaht. Er hätte nur seinen Dienstausweis zu Hause vergessen“, erzählte der echte Beamte Detlev D.* (31) vor Gericht. „Weil mir sein Auftreten spanisch vorkam, habe ich mir die Kelle angeschaut. Die sah unseren zum Verwechseln ähnlich.“

Schon eine Woche zuvor soll Ronny R. versucht haben, in der Zeppelinstraße einen Autofahrer zu stoppen. Da dieser nicht anhielt, habe der Angeklagte den Mann bis in die Schlossstraße verfolgt, sich ebenfalls als Polizist ausgegeben und ihm ein Verfahren angedroht. Leider fehlte dieser Zeuge während der gestrigen Verhandlung unentschuldigt. Er kassierte ein Ordnungsgeld von 150 Euro. Ronny R. bestritt diesen Anklagepunkt energisch. Doch ohne die Aussage des Zeugen kann es kein Urteil geben. So wurde der Prozess auf den 23. Februar vertagt. (*Namen geändert.) Hoga

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