Potsdam : Auf den Anfang kommt es an

Ausstellung „La vela del sole“ in der Paritätischen Galerie „ARTSozial“ / Bildungsfachtag am 3. Juni

Astrid Priebs-Tröger

Zusammengeknüllte blaue Mülltüten liegen neben der Eingangstür. Von Weitem sehen sie aus wie Reste, die zufällig von den Ausstellungsmachern vergessen wurden. Doch dann erblickt der aufmerksame Betrachter kleine braune Gebilde mit sechs Beinen, manche mit Flügeln oder Fühlern versehen, auf und unter der aufgetürmten Folie. „Käferberg“ heißt das skurrile Gebilde, und Kinder der Kita Havelstraße aus Brandenburg haben es gestaltet. Man spürt genau, mit wie viel Lust und Ernst die Jüngsten auf dem Bauch gelegen haben müssen, um die unterschiedlichsten Formen, Größen und Muster der Krabbeltiere zu beobachten.

Unter Anleitung von Künstlern der Brandenburger Kinder- und Jugend- Kunst-Galerie „Sonnensegel“ haben insgesamt 60 Vorschulkinder aus drei Kita-Einrichtungen des Landes zwei Jahre lang an dem deutsch-italienischen Modellprojekt „La vela del sole – auf der Suche nach den 100 Sprachen der Kinder“ kreativ gearbeitet. Jetzt sind auf zwei Ebenen in der Galerie „ARTSozial“ der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes die fantasievollen Ergebnisse dieser künstlerisch-kreativen Früherziehung zu sehen. Auf Packpapier, mit Ölkreiden, Aquarellfarben und Finelinern gezeichnet, aus Ton und aus Pappmaché modelliert, ist alles entstanden, was das kindliche Auge zwischen Himmel und Erde wahrnehmen kann. Neben großformatigen Pflanzenbildern kann man „Vogelkleider“ bewundern, eine riesigen Schnecke und „Fraßbilder“ von Käfern.

Ziemlich lange müssen die Jüngsten an der Reliefdarstellung „Jeserig-Milano“ aus der Vogelperspektive gearbeitet haben, denn neben vielen Häusern und Kirchen aus Pappmaché haben sie auch Dutzende Gefährten der Lüfte – winzig klein bis entengroß – aus unterschiedlichen Materialien modelliert und über dem Panorama aufgehängt. Hier spürt der Betrachter deutlich, wie sehr es in diesem Projekt mittels künstlerischer Gestaltung auch um Wissensvermittlung ging.

Inspiriert von den Grundsätzen der italienischen Reggio-Pädagogik, die davon ausgeht, dass Kinder über ein großes Maß an Kompetenzen verfügen und bestrebt sind, diese durch alltägliche Erkundungen und Experimente zu erweitern, begleiteten die Künstler die 3- bis 6-Jährigen in ihrem Erkenntnis- und Schaffensprozess. In den eigens vor Ort eingerichteten Kita-Ateliers arbeiteten nicht wenige der Kinder freiwillig den ganzen Tag. Dass auch Eltern am gemeinsamen kreativen Tun Spaß fanden, zeigt unter anderem die ausgestellte Gruppenarbeit „Familienfeier“, eine aus Ton modellierte Festtafel, auf der Schweineköpfe und Obstschalen einträchtig zusammenstehen.

Die Exposition steht in engem Zusammenhang mit der gegenwärtig laufenden Kita-Kampagne der „Liga“ der freien Wohlfahrtsverbände, die sich für den personellen Ausbau und die stärkere Wahrnehmung der Kita als Ort frühkindlicher Bildung und Erziehung einsetzt. So könnte auch das Motto der Ausstellung, die den kreativen Prozess in wunderbaren Bildern und Werkstattgesprächen dokumentiert, lauten: Auf den Anfang kommt es an! Unter dieser Überschrift jedenfalls steht die Podiumsdiskussion auf dem Fachtag zur Bildung in Kindertagesstätten am kommenden Mittwoch im Potsdamer Alten Rathaus. Bildungminister Holger Rupprecht hat sein Kommen zugesagt, ebenso wie Armin Schubert von der Kinder-Galerie Sonnensegel und Kathrin Bock-Famulla von der Bertelsmann Stiftung, die den Frühkindlichen Bildungsreport 2008 vorstellen und zeigen wird, welchen Platz Brandenburg darin einnimmt.

Astrid Priebs-Tröger

Die Ausstellung ist bis Ende des Jahres Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr in der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Tornowstraße 48, zu besichtigen. Der Fachtag am 3. Juni im Alten Rathaus geht von 9 bis 15 Uhr.

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