ATLAS : Hilflos

Grau oder ockerfarben – zumindest nach Einschätzung der Potsdamer Denkmalschutz-Experten spielt das gar keine Rolle. Bei einer Besichtigung haben sie in der vergangenen Woche der umstrittenen Fassadenfarbe des Neubaus der Alten Post ihren Segen erteilt. Sicherlich eine gute Nachricht für die Berliner Volksbank. Der Pro Potsdam und der Stadt sollte der Fall dagegen zu denken geben. Mag der Streit um die richtige Farbe auf den ersten Blick kleinkariert erscheinen, so muss doch die Frage gestellt werden, wie ein Investor mehr oder weniger städtische Vorgaben einfach ignorieren kann und die Stadt vor vollendete Tatsachen stellt. Die im Frühjahr vom Landgericht abgeschmetterte einstweilige Verfügung der Pro Potsdam verstärkt hier nur den Eindruck der Hilflosigkeit, mit der die städtische Bauholding agiert. Nun scheint der Zug zumindest im Fall der Alten Post abgefahren. Vielleicht könnte die Stadt nun in einem langen und möglicherweise teuren Rechtsstreit doch noch ihre Position durchsetzen und die Volksbank zwingen, die Fassade zu verändern. Doch nach dem Urteil der Denkmalschützer haben die Argumente der Pro Potsdam deutlich an Schlagkraft verloren. Vielmehr sollte sich die Stadtpolitik überlegen, wie sie künftig rechtzeitig eingreifen kann – bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

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