• Arbeitsbedingungen am Bergmann-Krankenhaus: Klinikum will mehr Personal für Pflege gewinnen

Arbeitsbedingungen am Bergmann-Krankenhaus : Klinikum will mehr Personal für Pflege gewinnen

Das kommunale Bergmann-Klinik legt Fünf-Punkte-Plan vor. Bürgerinitiative demonstriert für bessere Arbeitsbedingungen.

Im Pflegebereich herrscht Personalmangel, das Klinikum will dagegen vorgehen.
Im Pflegebereich herrscht Personalmangel, das Klinikum will dagegen vorgehen.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Potsdam - Mit einem Fünf-Punkte-Plan will das Potsdamer kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege sorgen. Dazu veröffentlichte das Haus am Mittwoch eine Erklärung. Dabei setzt Klinikum vor allem auf zusätzliches Personal aus dem Nachwuchsbereich. Genannt wurde ein „erheblicher Ausbau der Ausbildungskapazitäten“ – damit soll dem herrschenden Mangel an Pflegekräften entgegengewirkt werden.

700 Plätze für Pflegeausbildung in Gesundheitsschule

Dazu betreibe das Bergmann-Klinikum seit Anfang des Jahres gemeinsam mit der Hoffbauer-Stiftung und dem Evangelischen Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin eine Gesundheitsschule mit rund 700 Azubiplätzen, dort werden unter anderem Pflegekräfte und Notfallsanitäter ausgebildet. Ferner wolle man den Bewerbungsprozess für junge Fachkräfte moderner und digitaler gestalten, so das Klinikum in der Mitteilung.

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Selbst in der Coronakrise habe das Bergmann zusätzliches Personal einstellen können. So seien vor Ort noch im Jahr 2019 knapp 1100 Mitarbeitende im Pflegedienst tätig gewesen, ein Jahr später sei die Zahl auf 1220 Pflegekräfte gestiegen. Ferner unterbreite man seinen Mitarbeitenden „attraktive Angebote zum Beispiel in der Aus- und Weiterbildung“, diese würden vom Klinikum gezahlt.

Auch auf Suche nach Pflegekräften aus dem Ausland

Das Bergmann setze aber auch auf die Gewinnung von qualifizierten Pflegekräften aus dem Ausland. „Kooperationspartner sind unter anderem Berufsfachschulen aus der Ukraine“, hieß es. Den ukrainischen Fachkräften und Auszubildenden würde auch ein Sprachkurs „Deutsch in der Pflege“ der Volkshochschule angeboten, dafür würden die Fachkräfte bezahlt freigestellt. 

So seien bis heute bereits 31 ausländische Pflegekräfte integriert worden. Ebenso nehme das Klinikum am Projekt „Inga-Pflege Philippinen“ des Bundesgesundheitsministeriums teil – als Modellkrankenhaus für Brandenburg. „Im Jahr 2021 sollen so weitere 15 Kolleginnen und Kollegen das Pflegeteam verstärken“, hieß es weiter. Bei „Inga-Pflege“ gehe es auch darum, die ausländischen Fachkräfte bei der Integration bestmöglich zu unterstützen.

Projekt Flexpool für flexible Arbeitszeiten

Ferner habe man zusammen mit Mitarbeitern in einem Workshop für mehr Zufriedenheit das Projekt Flexpool entwickelt: So können Pflegekräfte sich ihre Arbeitszeiten flexibel aussuchen – dafür entscheidet das Klinikum relativ spontan, auf welcher Station jemand als Springer eingesetzt wird. „Die Mitarbeitenden beteiligen – nur so kann eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gelingen“, so Pflegedirektorin Katrin Fromm.

Genannt wurde auch die Rückkehr des Klinikums in die Tarifstrukturen des öffentlichen Diensts, den die Stadtverordneten vor einem Jahr beschlossen hatten. Rückwirkend zum 1. Juni 2020 seien inzwischen rund 1250 Einzelverträge allein aus dem Pflege- und Funktionsdienst in den TVöD überführt worden, so das Unternehmen. Wie berichtet hatten die Stadtverordneten beschlossen, dass entstehenden Millionenverluste zunächst von der Stadtkasse ausgeglichen werden.

Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der MBS-Arena mit Kämmerer, Burkhard Exner (l.) und OB Mike Schubert (beide SPD).
Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der MBS-Arena mit Kämmerer, Burkhard Exner (l.) und OB Mike Schubert (beide SPD).Foto: Ottmar Winter PNN

Auch die Stadtverordneten befassten sich am Mittwoch mit der Lage des Hauses: Wie schwierig dort die angestrebte Rückkehr zum Tarif des öffentlichen Dienstes (TVöD) im Detail ist, zeigt ein jetzt abgelehnter Antrag der Fraktion Die Andere. Diese wollten dafür sorgen, dass Berufserfahrungsstufen, die die Beschäftigten im städtischen Klinikum erworben haben, bei Überführung der Arbeitsverträge in den TVöD auch berücksichtigt werden. Denn weil das nicht geschehe, hätten gerade ältere Mitarbeiter finanziell kaum etwas von dem TVöD, so das Argument. 

Doch zur Anerkennung der Berufserfahrung sei rechtlich ein sogenannter Überleitungstarifvertrag nötig gewesen, hatte Aufsichtsratschefin und Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD) bereits erklärt. Das sei aber eben nicht möglich gewesen, weil die Stadtverordneten in den TVöD-Beschluss vom vergangenen Mai die Formulierung „sofortige Rückkehr“ verwendet hätten, so die Stadtspitze. 

Stadtpolitik beschäftigt sich weiter mit Tarifbezahlung

Abgelehnt wurde auch ein Antrag von Die Andere, dass im Klinikum und dessen Tochtergesellschaften keine Bereiche und Leistungen mehr ausgeschrieben und an Dritte vergeben werden, die für diese Leistungen nicht mindestens die Bezahlung und Arbeitsbedingungen des TVöD garantieren. Die Stadtverwaltung hatte dazu argumentiert, es gebe  gesetzlichen Vorgaben, wie das Vergaberecht, die die Umsetzung des Antrages nicht erlauben würden.

In der Debatte warf Katharina Tietz (Die Andere) OB Schubert Kaltherzigkeit im Umgang mit den Klinikbeschäftigten vor - während Ex-Chef Steffen Grebner mit einem goldenen Handschlag verabschiedet worden sei. Schubert wies diese Vorwürfe zurück. So werde diskreditiert, was für das Klinikpersonal erreicht wurde. SPD-Fraktionschef Daniel Keller sagte, Potsdam sei einer der wenigen Städte in Deutschland, in der ein Klinikum aus dem kommunalen Haushalt ein TVöD ermöglicht werde.

Das Netzwerk Gesunde Zukunft Potsdam, das ein Bürgerbegehren für faire Arbeitsbedingungen und Tariflohn gestartet hatte, will am Donnerstagnachmittag ab 15.30 Uhr vor dem Stadthaus demonstrieren unter dem Motto „Wollt Ihr, dass wir unseren Job an den Nagel hängen?“

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