• Potsdam: Kritik an Oberbürgermeister Mike Schubert nach antisemitischen Vorfall

Antisemitischer Vorfall in Potsdam : Angespuckter Kippa-Träger kritisiert Oberbürgermeister

Am Samstag soll ein Mann in Potsdam angespuckt worden sein, weil er eine Kippa trug. Der Oberbürgermeister war entsetzt, sprach aber von einem Einzeltäter. Diese Äußerung stößt auf Widerspruch.

Foto: Federico Gambarini/dpa

Potsdam - Nach dem mutmaßlichen antisemitischen Übergriff am Potsdamer Hauptbahnhof wertet die Staatsanwaltschaft die Videoaufnahmen aus der Kameraüberwachung am Hauptbahnhof aus. Das bestätigte am Dienstag eine Sprecherin auf PNN-Anfrage. Wie berichtet soll ein 25-jähriger Potsdamer Student am Samstagnachmittag angespuckt und antisemitisch beleidigt worden sein. Tatverdächtig ist ein 19-Jähriger mit syrischer Staatsangehörigkeit. Der Angriff soll sich an der Tramhaltestelle am Hauptbahnhof in der Friedrich-Engels-Straße ereignet haben. Dort ist unmittelbar vor der Dienststelle der Bundespolizei auch eine Rundumkamera angebracht.

Unterdessen hat das mutmaßliche Opfer Kritik an Äußerungen von Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) geäußert. Dieser hatte sich bereits am Sonntag in einer Presserklärung zu Wort gemeldet. Darin hieß es unter anderem, „das tolerante Klima in der Stadt, die gute Integrationsarbeit und den Integrationswillen der Geflüchteten in unserer Stadt lassen wir uns nicht von Einzeltätern zerstören.“ Letzteres stößt auf Widerspruch bei dem Studenten. „Es handelt sich eben nicht um einen Einzelfall“, sagte er den PNN. Er selbst sei auch in Potsdam schon mehrfach antisemitisch beleidigt worden, wenn er eine Kippa getragen habe. Das gelte auch für andere ihm bekannte Menschen jüdischen Glaubens. „Meist erfolgen die Attacken aus Gruppen heraus“, sagte er. Bisher habe er allerdings nie Anzeige erstattet. Diesmal sei es aber so intensiv gewesen, dass er sich entschlossen habe, die Polizei zu rufen.

Politisch bei der AfD aktiv

Der Student, der sich auch in der Potsdamer AfD engagiert, hofft nun, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft schnell zu einem Ergebnis führen. Er habe der Polizei auch zwei Zeugen genannt, die gesehen hätten, was an der Tramhaltestelle vorgefallen sei. Wie berichtet war der 25-Jährige dort ausgestiegen, nachdem er mit dem AfD-Landtagskandidaten Chaled-Uwe Said bei drei Wahlkampfständen unterwegs war. „Als ich am Hauptbahnhof aus der Straßenbahn ausgestiegen bin, habe ich hinter mir Schatten wahrgenommen“, berichtete er. Im nächsten Moment sei er angespuckt, antisemitisch beleidigt und mit Gebärden bedroht worden. Nach eigenen Angaben ist der Mann als Christ geboren und hat den jüdischen Glauben für sich vor einigen Jahren angenommen.

Im vergangenen Jahr hatten sich rund 300 Potsdamer an einer Demonstration unter dem Motto „Potsdam trägt Kippa“ beteiligt. Anlass war der Angriff eines syrischen Flüchtlings auf einen jungen Israeli mit Kippa im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

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