Potsdam : Ansturm auf den Hort des Wissens

3000 Besucher kamen zur Eröffnung des Bildungsforums am Platz der Einheit – Kritik gab es kaum, aber sehr viel Lob

Menschen und Medien. Die Potsdamer brauchten am Eröffnungstag nur wenige Minuten, um sich in ihrer neuen Bibliothek zurecht zu finden. Das moderne Gebäude ist übersichtlich gestaltet – bietet aber auch stille Leseecken.Alle Bilder anzeigen
Foto: Manfred Thomas
08.09.2013 23:05Menschen und Medien. Die Potsdamer brauchten am Eröffnungstag nur wenige Minuten, um sich in ihrer neuen Bibliothek zurecht zu...

Innenstadt - Das Warten am roten Flatterband, das die aufgeregten Potsdamer von ihrem neuen Bildungsforum fernhielt, hatte etwas vom Sommerschlussverkauf. 3000 Besucher wollten am Samstagnachmittag endlich wissen, wie es im Inneren des frisch sanierten Gebäudes aussieht. „Mit so einem Ansturm hatten wir nicht gerechnet“, sagte Bibliotheksleiterin Marion Mattekat am gestrigen Sonntag gegenüber den PNN. Selbst am Sonntag, zur ausnahmsweisen Schnupperöffnung, war der Andrang groß, auch wenn keine Ausweise ausgestellt wurden und keine Ausleihe möglich war.

Wer nach den Wochen der Schließzeit neuen Lesestoff brauchte oder sofort seine kostenlose Schnupper-Monatskarte mitnehmen wollte, konnte bereits Samstag den Praxistest machen. 90 neue Nutzer meldeten sich an, 360 verlängerten ihre Jahreskarten. „Das ist überdurchschnittlich viel“, sagte Mattekat.

Viel Lob gab es allerorts nach der festlichen Eröffnungszeremonie, moderiert vom Potsdamer Model Franziska Knuppe, für das Ergebnis des langjährigen Umbauprozesses: Potsdam hat jetzt ein modernes, multifunktionales Bildungs-Begegnungszentrum. Für Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) ist das Bildungsforum nicht nur die größte Bibliothek der Mark mit Ausstrahlung weit über das Land hinaus, sondern auch eine Chance, sich europaweit digital zu vernetzen. Bereits jetzt kommen etwa 25 Prozent der Nutzer aus dem gesamten Land Brandenburg, fünf Prozent aus Berlin und von sehr weit her, sagt Mattekat. „Per Fernleihe werden Medien bis nach Übersee verschickt.“

Die neue Bibliothek hat jedoch vor allem für die Potsdamer eine große Bedeutung. Nach drei Jahren Bauzeit, in denen sich die regelmäßigen Nutzer mit dem Provisorium in den Räumen der Fachhochschule und den Zweigstellen behelfen mussten, bekommen sie nun eine völlig neue, moderne Bibliothek. Nicht nur 15 Millionen Euro hat das die Landeshauptstadt gekostet, erinnerte sich Bürgermeister Burkhard Exner (SPD), auch viele Grundsatzdiskussionen: um den Standort, ob die Bibliothek Partner bekommen sollte und letztlich über die Architektur. Architekt Reiner Becker betonte noch einmal, was er mit der Transparenz der Fassade ausdrücken wollte: „Bibliotheken sind die letzten, nicht kommerziellen Räume einer Stadt, sie gehören in die Stadtmitte und müssen Offenheit ausstrahlen“, sagte er.

„Ich weiß gar nicht mehr, wie es vorher aussah“, sagte ein überwältigter Besucher, und so ging es vielen. Gelobt wurde allerorts die übersichtliche, helle und freundliche Gestaltung. Alles sei schnell und leicht zu finden, es gebe reichlich Hinweisschilder und Lagepläne. Zur Eröffnung waren auch ehemalige Mitarbeiterinnen der Bibliothek gekommen. „Wir waren ja sehr skeptisch, ob das alles hier reinpasst, zusammen mit der Volkshochschule“, sagte eine Frau, die bis Ende der 90er-Jahre mit ihren Kolleginnen in der Bibliothek gearbeitet hatte. Nun waren die Frauen doch begeistert.

Die Vorsitzende des Brandenburger Landesverbandes im Deutschen Bibliotheksverband, Cornelia Stabrodt, sieht die Potsdamer Einrichtung als Wegweiser für Europa. „Ähnliche Häuser gibt es noch in Chemnitz, wo man ein Kaufhaus umgebaut hat, und im österreichischen Linz. Potsdam hat jetzt schon etwas Besonderes. Es freut uns, dass das kommunal gefördert wird“, so Stabrodt.

Die vielen Besucher nahmen trotz Feierlaune am Samstag ihr neues Haus relativ zügig in Beschlag. Gut nachgefragt waren Kinderabteilung und Jugendetage sowie Belletristik.

Gut besucht war auch die Etage der Volkshochschule. Ab sofort stehen den Kursteilnehmern 17 barrierefreie Unterrichtsräume zur Verfügung. Am Samstag konnte schon ausprobiert werden, was das neue Trimester vorhält, im Kunstraum wurde gebastelt, der Gymnastikraum mit Schwingboden getestet.

Noch ist die Wissenschaftsetage eine Baustelle, aber im Dezember soll sie bezogen werden, sagte Simone Leinkauf vom Verein Pro Wissen. Im Januar soll die ständige Ausstellung aufgebaut werden. „Wir wären heute gern mit dabei gewesen“, so Leinkauf. Auch noch nicht fertig: das Lesecafé im Erdgeschoss. Ein Betreiber ist allerdings gefunden, im Oktober soll das Café eröffnen. Am Samstag sorgte der Betreiber schon für das Catering zur Eröffnung. Die erste Veranstaltung gab es auch schon: Potsdamer Autoren hatten zur ersten Lesenacht im Bildungsforum eingeladen.