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Andere Bäume und Straßenbeläge : Wie sich Potsdam vor der Hitze schützen will

Das Potsdamer Rathaus rechnet künftig mit weiteren Hitzeperioden und langer Trockenheit. Jetzt will die Verwaltung handeln.

Einheimische Pflanzenarten leiden verstärkt unter Hitze- und Trockenstress.
Einheimische Pflanzenarten leiden verstärkt unter Hitze- und Trockenstress.Foto: Bernd Settnik/dpa

Potsdam - Nachdem es in Potsdam mehrere Wochen lang ziemlich trocken war, hat es am Montag einmal wieder länger geregnet. Dennoch geht die Stadtverwaltung angesichts der Forschungsergebnisse zum menschengemachten Klimawandel davon aus, dass sich künftig Hitzeperioden mit langer Trockenheit in Potsdam häufen. Angesichts dessen hat die Koordinierungsstelle Klimaschutz nun ein erstes Handlungskonzept Hitzeschutz vorgelegt, das die Stadtverordneten nach dem heißen Rekordsommer des vergangenen Jahres auf Antrag der Linken beschlossen hatten. Die PNN geben einen Überblick, was kurz- und langfristig geplant ist.

Schutz für Menschen

Eine der einfacheren Maßnahmen betrifft die Installation eines dritten Trinkwasserspenders. Dieser ist für den Platz am Brandenburger Tor vorgesehen. Solche Brunnen für insgesamt rund 16.000 Euro befinden sich bereits am Hauptbahnhof und in der Karl-Liebknecht- Straße in Babelsberg. Weitere Standorte seien derzeit aber nicht vorgesehen. Der Betrieb kostet laut dem neuen Konzept rund 6700 Euro pro Jahr.

Auch die vielen in der Regel nicht klimatisierten Potsdamer Büroarbeitsplätze nimmt das Konzept in den Blick. Hier würden bereits Arbeitsschutzbestimmungen auch für private Arbeitgeber gelten – etwa dass die Temperatur in Räumen nicht über 26 Grad liegen soll. In der Stadtverwaltung habe man daher schon Arbeitszeiten flexibler gestaltet, dazu würden kostenlose Getränke und Ventilatoren bereitgestellt und die Räume auch nachts gelüftet. Für die Mitarbeiter der kommunalen Müllabfuhr würden schon heute spezielle Sonnenschutzcremes ausgeteilt – eine Verlegung der Sammeltouren in die Früh- und Abendstunden sei aber mit mehr Personalaufwand verbunden, heißt es in dem Papier. Auch ein anderer Vorschlag aus der Stadtpolitik, gerade öffentliche Gebäude wie die Bibliothek bei Hitze länger zu öffnen, könne wegen fehlenden Personalkapazitäten nicht umgesetzt werden.

Generell wolle man die Potsdamer – etwa über die Internetseite der Feuerwehr – über Vorsorge- und Selbstschutzmaßnahmen bei Extremwetterereignissen informieren. Dazu müsse man aber noch finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung stellen. Entwarnung gibt die Stadtverwaltung beim Thema Wasser: Die Stadt könne auch bei Hitzeperioden stets ausreichend Trinkwasser zur Verfügung stellen.

Bauplanungen überdenken

Als Bauherr der neuen Potsdamer Schulen muss der Kommunale Immobilienservice (Kis) auch den Klimawandel im Blick haben. Allerdings würden die geltenden Empfehlungen derzeit wegen des hohen Energieverbrauchs und aus Klimaschutzgründen keine aktive Raumkühlung vorsehen, heißt es in dem Konzeptpapier. Stattdessen setze man auf Sonnenschutz und konventionelle Lüfter. Allgemein seien bei Neubauten und Sanierungen gleich mehrere Maßnahmen möglich – etwa helle Dachfarben gegen zu starke Aufheizung, genügend Markisen für mehr Schatten, eine möglichst stabile Dachbauweise gegen Sturmschäden sowie vor Starkregen geschützte Keller.

Ferner würden mehr Hitzetage im Sommer auch „eine Anpassung des verwendeten Straßenmaterials“ an höhere Temperaturen notwendig machen. „Der Vorschlag ist in der Prüfung“, heißt es in dem Konzept. Erwogen wird auch die Bespülung großer Straßen mit Wasser. Die Errichtung zusätzlicher Sonnensegel, Schutzdächer oder Sonnenschirme im öffentlichen Raum sei hingegen nicht vorgesehen – mehrfach ist in dem Papier von Finanzierungsvorbehalten die Rede.

Neue Baumsorten gesucht

Auch im Grünflächenamt sind die Folgen des Klimawandels ein wichtiges Thema. So würden gerade einheimische Pflanzenarten verstärkt unter Hitze- und Trockenstress oder damit einhergehenden Krankheiten oder neu auftretenden Schädlingen leiden, heißt es in dem Konzept. Zusammen mit der Universität Potsdam arbeite man unter dem Motto „Urbane Resilienz gegenüber extremen Wetterereignissen“ auch an einer Baumstrategie für jeden Stadtteil, wobei testweise schon dutzende Versuchsbäume gepflanzt wurden. Dabei hätten sich nach ersten Stresstests die sogenannte Kobushi-Magnolie und die Amerikanische Linde als besonders geeignete Arten herausgestellt. Ähnliche Forschungen stellt wie berichtet auch die Schlösserstiftung für ihre Potsdamer Welterbeparks an.

Ebenso wolle man in Trockenzeiten vermehrt auf Appelle an Anwohner setzen, Straßenbäume in der Nähe auch selbst zu gießen, heißt es in dem Papier. Ferner müsse geprüft werden, ob man externe Firmen für zusätzliche Bewässerung engagiere oder alte Bewässerungsleitungen wieder in Gang setze. Ferner geht die Klimaschutzstelle auch davon aus, dass häufigere Kontrollen zum Zustand der Bäume nötig seien. Auch eine Erhöhung der Pflanzkapazitäten werde geprüft – also eine Vergrößerung des städtischen Baumbestands. Als Ziel wird auch die Entsiegelung von ungenutzten Parkplatzflächen und Wegen ausgegeben. Bei der vom Land betriebenen Waldbewirtschaftung spricht sich die Stadt gegen allzu große Kahlschläge aus.

Weitere Planungen

Im Zuge der besagten Zusammenarbeit mit der Uni Potsdam soll bis Ende 2020 eine Stadtklimakarte erstellt werden – zur Einschätzung klimatischer Auswirkungen von neuen Baugebieten. Dabei geht es den Angaben nach um die Planungen von Grünanlagen und Schattenbereichen. An den Messungen für das Projekt ist laut Konzept auch der Deutsche Wetterdienst beteiligt. Generell spricht sich die Klimaschutzstelle auch für einen besseren öffentlichen Nahverkehr, ein größeres Rad-und Fußwegenetz sowie den Ausbau von Carsharing-Angeboten aus.

Der Maßnahmenplan gehört zu den Klimaschutzbemühungen der Stadt. So hatten die Stadtverordneten unlängst etwa einen Aktionsplan „100 Prozent Klimaschutz bis 2050“ beschlossen, in dem auch die Erhöhung des Energiestandards im Neubaubereich erwogen wurde.

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* Der Betrieb eines Brunnens kostet nicht 6700 Euro pro Monat, wie irrtümlich geschrieben, sondern 6700 Euro pro Jahr. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.