• Altlasten: Die Benzinblase schlummert in 14 Metern Tiefe

Altlasten : Die Benzinblase schlummert in 14 Metern Tiefe

Der Schaden ist bereits seit Jahrzehnten bekannt und geht auf ein Leck in einer Tankanlage zurück. Eine Beseitigung wäre mit hohem Aufwand verbunden.

Florian Kistler
An der Erich-Mendelsohn-Allee/Ecke Hannes-Meyer-Straße schlummert eine Benzinblase im Boden.
An der Erich-Mendelsohn-Allee/Ecke Hannes-Meyer-Straße schlummert eine Benzinblase im Boden.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Mehrere Meter unter dem Boden des Bornstedter Felds befindet sich seit Jahrzehnten eine Benzinblase. Betroffen sind drei Grundstücke an der Hannes-Mayer-Straße, Ecke Erich-Mendelsohn-Allee. Das Problem ist bereits seit den 1990er Jahren bekannt. Die Altlast wurde damals, nach dem Abzug der sowjetischen Armee, die das Gelände nutzte, aufgespürt. Neuerliche Relevanz erhielt die Benzinblase als AfD-Politiker Dennis Hohloch Mitte Oktober eine Anfrage an die Bauverwaltung stellte und sich nach der Altlast erkundigte. Die Bauverwaltung teilte mit, dass die Blase noch immer existiere, von ihr aber keine Gefahr ausgehe. Insgesamt nimmt der Schadstoff eine Fläche von 1500 Quadratmetern ein. Er befindet sich in einer Tiefe von 14 Metern und ist zwischen 18 und 64 Zentimetern dick.

Bei der Altlast handele es sich um eine auf dem Grundwasser aufschwimmende Leichtstoffphase, sagt Stadtsprecherin Christine Homann. „Da Benzin eine geringere Dichte als Wasser hat und nur schwer löslich in Wasser ist, schwimmt der Stoff auf dem Grundwasser auf.“ Das sei vergleichbar mit dem Verhalten von Speiseöl gegenüber Wasser. Eine Gefährdung bestehe aber nicht. Der Schaden gehe auf eine frühere Tankstelle zurück, die sich an dem Ort befand. „Durch Lecks in der Tankanlage sind über den langen Zeitraum der Nutzung große Mengen von Kraftstoff im Boden bis zum Grundwasser gelangt“, so Homann.

1999 wurde der Boden bereits ausgetauscht

Entdeckt wurde die Benzinblase in den 1990er Jahren als im Bereich der ehemaligen Tankstelle umfangreiche Boden- und Grundwasseruntersuchungen stattfanden. Als Reaktion wurde 1999 der Boden bis in eine Tiefe von sechs Metern ausgetauscht. Dass die Benzinblase damals nicht vollständig entfernt wurde, liege an den geologischen Rahmenbedingungen und der Tiefe, erklärte Homann: „Bekannte Sanierungsverfahren sind nicht zur Beseitigung des Grundwasserschadens geeignet oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand und nicht absehbarem Erfolg durchführbar.“ Zudem sei laut dem Bundesbodenschutzgesetz bei der Sanierung von Altlasten das „mildeste Mittel zur Gefahrenabwehr“ anzuwenden. Das sei im Falle der Benzinblase die Beschränkung der Grundwassernutzung und Geothermie, sowie ein Monitoring zur Beobachtung.

Dieses Grundwasser-Monitoring werde jährlich durchgeführt, sagt Jessica Beulshausen, Sprecherin von Pro Potsdam, die das Wohngebiet entwickelte. „Wir können feststellen, dass sich die Mächtigkeit der Schicht im Durchschnitt reduziert und über biologisch-chemische Prozesse abbaut.“ Auch Stadtsprecherin Homann teilte mit, dass „eine abnehmende Ausdehnung der Phase“ erkennbar sei.

Mit einer Verschlechterung ist nicht zu rechnen

Bedenkliche Veränderungen seien möglich, insgesamt aber unrealistisch. Eine Schadstofferhöhung in Richtung der Grundwasserfließrichtung könne nur entstehen, wenn massive Grundwasserentnahmen im näheren Umfeld stattfänden. „Da die Untere Bodenschutzbehörde und die Untere Wasserbehörde der Landeshauptstadt Potsdam an allen Baugenehmigungsverfahren, bei denen in den Boden eingegriffen oder Grundwasser entnommen wird, beteiligt werden, ist das ausgeschlossen“, so Homann. Wenn es dennoch zu massiven Veränderungen in der Strömung im Grundwasser kommen sollte, könne hydraulisch gegengesteuert werden. „Aber auch in diesem Fall würde es zu keiner Gefährdung der Bewohner kommen“, sagt Homann.

Foto: Ottmar Winter

Keine Versorgung mit Erdwärme

Aufgrund der Benzinblase können Häuser in unmittelbaren Nähe nicht mit Erdwärme versorgt werden. Erforderliche Bohrungen könnten dazu führen, dass die Schadstoffe in tiefere Bodenschichten gelangen. „Die Belastung befindet sich in rund 14 Metern Tiefe. Für eine energetische Versorgung mit Geothermie sind Bohrungen in Tiefenlagen zwischen 80 und 100 Metern erforderlich“, so Homann.

Die frühere militärische Anlage im Bornstedter Feld wurde bereits 1750 gegründet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm die Rote Armee den Ort in Besitz, bis die Streitkräfte 1991, nach der Wende, abgezogen wurden. Später wurde das 300 Hektar große Areal als neues Potsdamer Wohngebiet entwickelt. Mit dem Abschluss der städtebaulichen Entwicklung 2020 sollen dort etwa 15.000 Bewohner in 8000 Wohneinheiten leben.

Grundwasserschäden sind nicht ungewöhnlich

Homann sagt, dass Grundwasserschäden wie am Bornstedter Feld nicht selten seien. „Es gibt eine Vielzahl von Altlastenstandorten in allen Bundesländern, bei denen durch unsachgemäßen Umgang oder Havarien Schadstoffe erst in den Boden und dann in das Grundwasser gelangt sind.“ Vor allem militärische sowie ehemalige Tankstellen- und Tanklagerstandorte seien von den Grundwasserschäden durch Benzin betroffen.


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