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Alles zurück : Brauhausberg wird neu ausgeschrieben

Die Potsdamer Stadtwerke müssen ihre Baugrundstücke auf dem Brauhausberg wohl erneut ausschreiben. Grund sind umfangreiche Verkaufsvorgaben, die das Rathaus erlassen will. Das betrifft auch das Minsk.

Das war der Kompromiss: So hätte es mal am Brauhausberg aussehen können.
Das war der Kompromiss: So hätte es mal am Brauhausberg aussehen können.Foto: Löffler + Kühn Weigel Architekten

Potsdam - Im Zuge der Dauerdebatte zum Erhalt des maroden Terrassenrestaurants Minsk sollen die Uhren am Brauhausberg zurückgestellt werden: Die kommunalen Baugrundstücke auf dem Hügel werden aller Voraussicht nach noch einmal komplett neu ausgeschrieben. Ferner sollen Investoren für den DDR-Bau Minsk vor dessen Umgestaltung einen Architektenwettbewerb durchführen und finanzieren.

Dieses Verfahren will die Bauverwaltung mit einem Votum der Stadtverordneten festschreiben lassen, wie in einer den PNN vorliegenden Beschlussvorlage für die nächste Sitzung des Stadtparlaments am 3. April deutlich wird. Damit setze man die Empfehlungen eines parteiübergreifend besetzten Werkstattverfahrens um, das im Januar mit einem Kompromiss zum Erhalt des Minsk beendet worden war. So sollen laut den jetzt veröffentlichten Empfehlungen der Berg und die dort zur Verfügung stehenden Baugrundstücke in drei Areale getrennt werden, die dann noch einmal ausgeschrieben würden. Mit diesem auf Teilabschnitte begrenzten Vorgehen könne „nach erster vorläufiger Einschätzung“ auch eine für die Stadtwerke „noch vertretbare Perspektive zur Verwertung der Grundstücksflächen“ ermöglicht werden, heißt es in der Vorlage zur Begründung.

Denn wie berichtet wollen die Stadtwerke die Flächen verkaufen, um damit das 41 Millionen Euro teure Sport- und Freizeitbad blu zu refinanzieren. Und eigentlich hatte nach einem Höchstgebotsverfahren ein bislang öffentlich unbekannt gebliebener Investor für alle Grundstücke eine Rekordsumme von rund 27 Millionen Euro geboten – allerdings unter der Maßgabe, dass er das Minsk abreißen kann und dort Stadtvillen gebaut werden.

Verfahrensgrundlage wird geändert

Mit den neuen Vorgaben ändert die Stadt die komplette bisherige Verfahrensgrundlage – gerade in Bezug auf das Minsk und den dafür geforderten Architektenwettbewerb, den Investoren bezahlen sollen. Auch die weiteren Vorgaben für diesen Verfahrensteil sind streng: Demnach müssen für den Wettbewerb zwischen drei und sieben Architekten gefunden werden, die Stadtwerke und das Rathaus können davon bis zu drei Büros bestimmen, der Investor bis zu zwei. In der Auswahljury sollen zwei vom Investor benannte Preisrichter sitzen, ebenso zwei von den Stadtwerken – und einer, den beide Seiten akzeptieren. Als weitere Bedingung für die Planungen wird ferner festgelegt, dass vor dem Minsk nicht gebaut werden darf. Zugleich ist immer noch die umstrittene „optionale Aufstockung um bis zu zwei Geschosse“ möglich – Kritiker fürchten, dass so von dem stilprägenden DDR-Bau nur noch wenig übrig bleiben könnte. Ziel sei es, das „Gebäude künftig wirtschaftlich betreiben zu können“. Möglich sein soll auch ein seitlicher Anbau in Richtung der Straße Am Brauhausberg.

Anspruchsvoll, schlüssig und realisierbar

Eine Einschränkung zum Erhalt des Minsk macht die Stadt allerdings. „Der technologische Umgang mit dem Baukörper des Minsk – also Rückbau, Umbau oder Neubau – liegt im Entscheidungsbereich des bezuschlagten Bieters“, heißt es in den Vorgaben für die Investoren wörtlich. Zu den Wettbewerbskriterien heißt es, es gehe darum, „wie gut eine Weiterentwicklung“ des überkommenen Erscheinungsbilds des Areals gelinge – man wolle eine „anspruchsvolle, schlüssige und realisierbare Bebauungskonzeption“, so die Bauverwaltung.

Das Rathaus ließ am Freitag auf PNN-Anfrage offen, ob mit der Vorlage nun automatisch auch eine komplette Neuausschreibung des Filetgrundstücks gemeint sei. „Das ist Sache der Stadtwerke“, sagte eine Rathaussprecherin. Die Stadtwerke kommentierten die Beschlussvorlage zunächst nicht. Man warte den Beschluss der Stadtverordneten ab, hieß es lediglich. Auch die finanziellen Folgen kommentierte das kommunale Unternehmen nicht.

An den Abrissplänen für das Minsk hatte sich viel Kritik entzündet, vor allem Die Linke, aber auch die Grünen und die Fraktion Die Andere liefen Sturm gegen die noch unter dem früheren Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) getroffene Verkaufsentscheidung, die auch Architekturexperten aus ganz Deutschland kritisiert hatten. Es folgten mehrere Abstimmungskrimis im Stadtparlament und im Hauptausschuss, bei denen die Befürworter des Minsk immer wieder neue Aufschübe und Prüfungen erreichen konnten – und schließlich das besagte Werkstattverfahren zur Zukunft des Gebäudes durchsetzten. Als dann Mike Schubert als neuer Oberbürgermeister im Rathaus übernahm, setzte er neue Akzente in der Diskussion und sprach sich für den Erhalt des Minsk aus, wenn eine „vernünftige Nutzung“ möglich sei. Wie diese genau aussehen kann, darüber müssten sich dann die Investoren Gedanken machen.