• Simon Plate von Urania Planetarium schreibt über Potsdams Sternenhimmel

Aktuelles aus dem Himmel : Sterne über Potsdam

Der Winterhimmel erlaubt bald den Blick in eine Geburtsstube der Sterne. Außerdem gibt es Chancen auf einen Weihnachtskometen.

Simon Plate
Blick in den Himmel im Planetarium in Potsdam.
Blick in den Himmel im Planetarium in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Für manche Sterngucker ist der Winter die schönste Zeit zur Himmelsbeobachtung. Denn die Nächte sind lang und reich an besonders hellen Sternen. Wer den Sternenhimmel beobachten möchte, tut gut daran, die künstliche Straßen- und Gebäudebeleuchtung zu meiden und einen dunklen Ort zur Himmelsbeobachtung aufzusuchen. Ist dieser Platz gefunden, zeigen sich in den kommenden Nächten die Wunder unseres Kosmos. So manches astronomische Weihnachtsgeschenk wartet auf uns.

Der Herbst- und Wintersternenhimmel über Potsdam.
Der Herbst- und Wintersternenhimmel über Potsdam.Grafik: Simon Plate/Urania-Planetarium Potsdam

Im November vollzieht sich am Nachthimmel der Wechsel von den herbstlichen Sternbildern hin zum Firmament des Winters. Das Herbstviereck – ein Teil des berühmten geflügelten Pferdes Pegasus – steht um Mitternacht nur noch knapp über dem Westhorizont. In der griechischen Mythologie ist Pegasus in viele Heldensagen verstrickt. So rettet das Pferd unter anderem die Königstochter Andromeda.

Doch im Laufe der Nacht setzt Pegasus zur Landung an und macht die Bühne frei für die Wintersterne: Rigel im Sternbild Orion, Capella im Fuhrmann, Castor in den Zwillingen, Procyon und Sirius in den Hunden und Aldebaran im Stier bilden ein helles Sechseck am östlichen Himmel. Von diesen Sternbildern sticht Orion als besonders charakteristisch am Winterhimmel hervor.

Simon Plate leitet das Urania Planetarium in Potsdam.
Simon Plate leitet das Urania Planetarium in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Vielen sind die drei hellen Gürtel- sterne des Orion bekannt. Dieser himmlische Jäger war in der Antike Griechenlands als Gefolgsmann der Jagdgöttin Artemis bekannt. In der Sagenwelt der Wikinger fand sich der Donnergott Thor in diesen Sternen wieder, während manche Südseevölker einen Schmetterling in diesem Sternbild erkennen.

So reich der Orion an mythologischen Interpretationen ist, so groß ist auch sein astronomischer Reichtum: Wir blicken mitten in eine Geburtsstube von Sternen. Unterhalb der drei Gürtelsterne lässt sich bei dunklem Himmel bereits mit bloßem Auge ein verwaschener Nebelfleck erkennen. Dies ist der große Orionnebel, der in 1350 Lichtjahren Entfernung von der Erde steht. Das heißt: Das Licht von diesem Nebel benötigte 1350 Jahre, um die Erde zu erreichen. Eine schier unvorstellbare Distanz. Ein Blick in die Tiefen des Kosmos ist also gleichfalls ein Blick in die Vergangenheit. Bei der Ansicht des Orionnebels bekommen wir auch eine Ahnung von der Vergangenheit unseres Heimatsterns, der Sonne: Einst sah es dort, wo unser Sonnensystem steht, sicher ähnlich aus. Ein Gasnebel erstreckte sich über große Distanz. Teile von ihm verdichteten sich, wurden dabei immer heißer bis die Temperatur hoch genug war für die Kernfusion – ein Stern war geboren.

Der Orionnebel ist für Wissenschaftler besonders interessant

Im Orionnebel läuft dieser Mechanismus der Sternentstehung gleich tausendfach ab. Als eine von unzähligen weiteren Geburtsstuben der Sterne ist dieser Gasnebel unserem Sonnensystem besonders nah und wird daher intensiv erforscht.

Nun, da wir ferne kosmische Schätze im Orion entdeckt haben, wenden wir uns dem Stier zu, der rechterhand vom Orion steht. In Richtung dieses Sternbilds könnte uns bald eine Begegnung der besonderen Art erwarten.

Die kosmische Nachbarschaft der Erde ist unser Planetensystem. Neben Planeten kreisen zudem ganz unregelmäßig geformte, kleinere Körper um unsere Sonne. Zu diesen Objekten zählen beispielsweise Kometen. Sie werden oft als „schmutzige Schneebälle“ bezeichnet, da sie neben Gestein aus viel Eis und Staub bestehen. Nähern sie sich der Sonne, taut das Eis und der dabei freigesetzte Staub bildet einen langen Schweif. Am diesjährigen 17. Dezember wird uns der Komet namens 46P/Wirtanen so nah kommen wie nur bei neun anderen Kometen zuvor beobachtet. Und da 46P/Wirtanen zu den aktiveren Kometen zählt, könnte er einen deutlich dichteren Staubschweif als andere Kometen erzeugen. 

Nach dem 7. Dezember wird es spannend

Es ist also möglich, dass wir in der Vorweihnachtszeit über mehrere Wochen hinweg einen Kometen mit bloßem Auge beobachten können. Besonders die Tage nach dem 7. Dezember werden interessant: Kurz nach Neumond stört kein helles Mondlicht beim Aufsuchen. Zum Auffinden des Kometen richten Sie Ihren Blick rechterhand von Orion und halten Ausschau nach einem nebligen Fleck. Wiederholen Sie die Beobachtung an den Folgetagen und beobachten Sie, wie der Komet jeden Tag um mehrere Monddurchmesser in Richtung Norden wandert.

Ein Komet im Dezember – das wäre doch ein wirklich schönes Weihnachtsgeschenk.

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Der Autor ist seit 2016 der Leiter des Urania-Planetariums. Der gebürtige Bremer leitete schon als Student in Potsdam den Urania-Astroklub. Für die PNN schreibt er regelmäßig über den aktuellen Sternhimmel.

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Über Neues am Nachthimmel informieren die Veranstaltungen des Urania-Planetarium Potsdam, Gutenbergstraße 71. Zum Beispiel:

7. Dezember, 19.30 Uhr: Die Sterne über Potsdam

19. Dezember, 18 Uhr: Weltall Aktuell

www.urania-planetarium.de