• Potsdam könnte Standort für neue Innovationsagentur SprinD werden

Agentur für Sprunginnovationen : Potsdam könnte Standort für neue Innovationsagentur werden

Wird Potsdam Deutschlands neue Innovationshauptstadt? Der Bund sucht einen Standort für seine Agentur für Sprunginnovationen, kurz SprinD – doch um den Zuschlag gibt es politisches Tauziehen.

L. Rusch[S. Schicketanz] M. Ronzheimer[S. Schicketanz] S. Schuster
Made in Germany? Sprunginnovationen – also bahnbrechende Erfindungen, die ganze Wirtschaftszweige revolutionieren – sind bislang sehr selten. Die Agentur für Sprunginnovationen des Bundes, kurz SprinD, soll das ändern. Jetzt wird um den Sitz der wichtigen Agentur gerungen. Potsdam ist im Rennen.
Made in Germany? Sprunginnovationen – also bahnbrechende Erfindungen, die ganze Wirtschaftszweige revolutionieren – sind bislang...Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Potsdam - Die brandenburgische Landeshauptstadt soll Sitz der neuen Innovationsagentur des Bundes werden – zumindest, wenn es nach Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und der Potsdamer Bundestagsabgeordneten Manja Schüle (beide SPD) geht. Die Agentur für Sprunginnovationen – kurz SprinD – ist ein Milliardenprojekt der Bundesregierung. Sie soll dafür sorgen, dass Deutschland endlich Boden gewinnt bei sogenannten Sprunginnovationen; also Erfindungen, die einen Markt revolutionieren. Über SprinD soll über einen Zeitraum von zehn Jahren eine Milliarde Euro ausgegeben werden. Der Standort profitiert nicht nur durch Prestige und rund 40 Arbeitsplätze, sondern auch wegen des Potenzials für Gründungen im Umfeld der Agentur.

Standort-Entscheidung steht noch aus

Federführend bei SprinD sind die Bundesministerien für Wirtschaft und Wissenschaft – die Minister Peter Altmaier und Anja Karliczek (beide CDU) stellten am Mittwoch bei einer Pressekonferenz den Gründungsdirektor der Agentur vor. Wie PNN und Tagesspiegel Background Digitalisierung bereits am Mittwochmorgen berichtet hatten, wird der Open-Source-Pionier Rafael Laguna de la Vera SprinD leiten und damit der Chef-Innovator der Bundesregierung.

Bei der Frage nach dem Standort der Agentur allerdings setzt sich das Tauziehen auf der politischen Ebene allerdings fort. Die Kommission hatte zwar die „Metropolregion Berlin“ empfohlen, die endgültige Entscheidung soll aber erst nach eingehenden Beratungen mit Gründungsdirektor Laguna getroffen werden.

Die Potsdamerin Schüle macht sich – wenig überraschend – für die brandenburgische Landeshauptstadt stark. „Die Agentur muss schnell sichtbar werden, dafür braucht sie auch die Unterstützung der Öffentlichkeit und der Politik“, erklärte sie gegenüber Tagesspiegel Background und PNN. Medien, Parlament und Regierung befänden sich in Berlin. Gleichermaßen müsse die Agentur aber „auch Beinfreiheit bekommen“, hebt die Politikerin hervor. Potsdam biete beides, erklärte Schüle: „räumliche Nähe“, aber auch „hinreichende Distanz zum politischen Berlin“. Auch das amerikanische Innovations-Vorbild, die DARPA-Agentur ist mit Sitz in Arlington/Virginia nur wenige Kilometer vom Regierungssitz in Washington angesiedelt.

Zukunftslabor, Kreativfabrik und Ideenschmiede

Und einen weiteren Pluspunkt habe Potsdam zu bieten, merkt Schüle an: „Als Ostdeutsche kennen wir uns mit disruptiven Prozessen, die von heute auf morgen alles verändern können, auch ganz gut aus.“ Auch Ministerpräsident Woidke macht sich für die Landeshauptstadt stark. „Potsdam wäre der ideale Standort“, sagte er am Mittwoch. Schon im Mai habe er sich gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) in einem gemeinsamen Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die deutsche Hauptstadtregion und speziell Potsdam als künftigem Sitz der Agentur eingesetzt. Die Stadt sei „hervorragend als Sitz für diese neue, innovative Agentur geeignet“, denn „unser Ruf ist weltweit exzellent“, so Woidke weiter. In Potsdam gebe es bereits international renommierte Unternehmen wie SAP und Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer, Helmholtz, Leibniz und HPI; an der Universität gebe es die Fakultät für Digital Engineering. „All diese wissenschaftlichen Einrichtungen sind eng vernetzt mit den Berliner Forschungszentren“, so der Ministerpräsident. Damit gebe es „beste Bedingungen, um Sprunginnovationen aus Wissenschaft und Forschung auszulösen und auf den Markt zu bringen“. Der Bund würde mit der Ansiedlung der Agentur zugleich ein „sehr starkes Signal für den Osten Deutschlands aussenden“, sagte Woidke.

Schüle sagte, es gehe nun darum, „die grandiose Chance zu nutzen: Die Metropolregion als Zukunftslabor, Kreativfabrik und Ideenschmiede“. Das sei genau der richtige Ort mit viel Potenzial für eine inspirierende Agentur. Zudem sende die Bundesregierung mit einer Ansiedlung im Osten Deutschlands „im dreißigsten Jahr des Berliner Mauerfalls das richtige Signal“.

Mit der Gründung der Agentur für Sprunginnovationen wird ein Beschluss des Bundeskabinetts umgesetzt – er wurde bereits vor knapp einem Jahr verkündet. Aus hochinnovativen Ideen aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sollen erfolgreiche Produkte, Dienstleistungen und Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Besonders im Fokus sollen dabei Anwendungen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI), in der medizinischen Forschung oder bei neuen Formen der Mobilität und für den Klimaschutz stehen. Bereits seit anderthalb Jahren ist die Agentur in Vorbereitung, daran beteiligt waren namhafte Vertreter aus Industrie und Forschung.

Langjähriges Engagement in Open-Source-Szene

Gründungsdirektor Rafael Laguna de la Vera war bereits Mitglied der Gründungskommission, ebenso wie die Bundestagsabgeordnete Manja Schüle. Seinen Sitz in der Kommission dürfte Laguna seinem langjährigen Engagement in der Open-Source-Szene zu verdanken haben. Open Source bedeutet, dass der Quellcode für die Software öffentlich zugänglich ist und von anderen kostenlos geändert und genutzt werden kann.

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Anfang der 2000er investierte Laguna in die Suse Linux AG, ein Unternehmen, das sein offenes Betriebssystem als Alternative zu Microsoft verkauft. Gemeinsam mit der Firma Netline aus Olpe entwickelt Laguna das Open-Source-Mailprogramm Openexchange – nach dem Verkauf von Suse in die Vereinigten Staaten entsteht so 2005 die Open-Xchange AG. Laguna ist seit 2008 Geschäftsführer. Mittlerweile versorgt Open-Xchange 75 Prozent aller E-Mail-Server, zu den Kunden gehören Vodafone, 1&1 und Comcast.